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Foto: Gunnar Schulz-Achelis/HkD

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60+, aber nicht alt
Susanne Fetzer (links) und Prof. Dr. Jürgen Wolf beim Vortrag "60+, aber nicht alt". Foto: Noah Grossmann/HkD

60+, aber nicht alt

Es sei doch ein „Faszinosum, wie innerhalb weniger Jahre das Altern in den Fokus gerückt ist“, leitete Karola Schmidt, Referentin für Arbeit mit Älteren im Haus kirchlicher Dienste (HkD) den Vortrag „60+, aber nicht alt“ ein. Doch bevor man sich diesem Faszinosum widmen wolle, wurde nach dem Befinden der Zuhörerschaft gefragt: „Wer sich alt fühlt, melde sich bitte!“ Demonstrativ ruhten alle Arme in den Schößen und Prof. Dr. Jürgen Wolf und Susanne Fetzer begannen ihren Vortrag vor dem jung gebliebenen Publikum.

Wolf hat eine Professur in der „sozialen Gerontologie“, oder umgangssprachlich „Alternswissenschaft“, an der Hochschule Magdeburg-Stendal inne, während Fetzer, studierte Theologin, mehrere Bücher zum Thema Seniorenarbeit verfasst hat.

Professor Wolf wies zu Beginn auf die vielen positiven Seiten des Alterns hin: „Das Alter, als Phase der Sicherheit“, sei historisch gesehen eine sehr junge Entwicklung und es sei wichtig, sich diese Tatsache vor Augen zu führen. Anschließend erzählte Wolf von eigenen Erfahrungen: Er habe seinen Großvater als Pflegefall erlebt, was über Jahrtausende hinweg normal gewesen sei. Heute können Enkel mit Oma & Opa oft noch Dinge unternehmen. Dieses Erleben der Großeltern als aktive, vitale Familienelemente sei ebenso, „eine relativ neue Entwicklung“. Des Weiteren führte er die Wichtigkeit eben jener Generation für die Volkswirtschaft ins Feld. Denn gerade als Betreuer für Enkelkinder, aber auch als Konsumenten seien sie wichtige Stütze des sozialen und ökonomischen Gefüges. Auch die oftmals angeführte „Ausgrenzung“ der Generation 60+ rückte Wolf in ein anderes Licht: „Ausgrenzung hat positive Aspekte“, betonte er und verwies vor allem auf die Freiheit vom Arbeitsmarkt und alten Abhängigkeiten.

Doch damit einher gehe natürlich die „Herausforderung, das Altern individuell zu gestalten.“ Denn wer sich nur zurücklehne und darauf warte, einen schönen Lebensabend zu erfahren, könne durchaus enttäuscht werden. Im zweiten Teil des Workshops präsentierte Fetzer praktische Vorschläge, um Altenarbeit kreativ zu gestalten.

Glaube - Alter - Spiritualität

Eben diese kreative Gestaltung war auch in einem anderen Vortrag Thema: „Wenn fünf Leute sich hinsetzen und nachdenken, kommen mindestens sieben Ideen zusammen“, munterte Gerard Minnaard die Teilnehmer der Arbeitsgruppe „Glaube-Alter-Spiritualität“ auf. Der Initiator des Projekts Woltersburger Mühle bei Uelzen referierte gemeinsam mit Schwester Ruth Meili von der evangelischen Ordensgemeinschaft Communität Casteller Ring.

Minnaard betonte während seiner Ausführungen die Vielfalt von Spiritualität: Man könne „Gott sein ganzes Leben, in jeder Situation suchen und finden. Auf der Arbeit, in der Schule, überall kann es höchst spirituelle Momente geben.“ Seine persönliche Definition lautet deshalb, dass Spiritualität bedeutet, „Antworten zu lernen auf die Rufe, die man hört.“ Und entscheidend sei, dass diese Rufe und Berufungen in jedem Alter geschehen.

Schwester Meili erzählte von ihren Erfahrungen im Bezug auf die Flüchtlingsströme, die mittlerweile auch Norddeutschland erreicht hätten: „Freiwillige, die helfen wollen, lassen sich leicht finden“, betonte sie und verwies auf die Chancen, die sich hier auch für ältere Menschen ergäben.
Franziska Müller-Rosenau, Landespastorin für Arbeit mit Frauen im Haus kirchlicher Dienste (HkD) ermutigte zum Abschluss noch einmal „Spiritualität mitten im Alltag zu suchen. So können wir alle Aufbrüche erleben.“

RundtMeister
Sozialministerin Cornelia Rundt forderte einen sanfteren Übergang ins Rentenalter beim Kongress „SechzigplusKirche“. Landesbischof Ralf Meister erinnerte an den Respekt gegenüber Älteren in der Bibel. Foto: Gunnar Schulz-Achelis/HkD

Einführungsveranstaltung mit dem Landesbischof

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