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Weltanschauliche Beratung

Weltanschauliche Beratung

Potenziell problematische religiöse oder weltanschauliche Gruppierungen weisen oft wiederkehrende Merkmale auf. Dazu gehören (in Auswahl):

  • Die Gruppe macht exklusive Heilsversprechungen.
  • Es gibt ein übersteigertes, fanatisches Missionierungs- und Sendungsbewusstsein, das andere vereinnahmt.
  • Die Gruppe ist geprägt von einem dualistischen Welt-, Religions- und Menschenbild (alles wird eingeteilt in schwarz – weiß, gut – böse, gerettet – verloren, himmlisch – dämonisch usw.).
  • Sie wird geführt durch eine unhinterfragbare, autoritäre Führungsperson oder -organisation mit kritiklos anzunehmender Lehre und streng hierarchischem Aufbau.
  • Im christlichen Kontext: über die Bibel und die altkirchlichen Bekenntnisse hinausgehende Offenbarungsquellen.
  • Im Esoterikkontext: „altes, geheimes und exklusiv wiederentdecktes Wissen“, das öffentlich und wissenschaftlich nicht nachvollzogen werden kann.
  • Im hinduistischen, neohinduistischen oder buddhistischen Kontext: Man muss einem Guru bedingungslos folgen, es gibt kein Korrektiv und keine unabhängige Schlichtungsstelle, an die man sich bei Konflikten wenden kann.
  • In der Folge kommt es bei den Anhänger*innen zu psychischen, sozialen und finanziellen Abhängigkeiten, außerdem zu Wesensveränderungen, Konflikten im sozialen Umfeld oder Kontaktabbrüchen.

 

 

Es gibt Situationen im Leben, da braucht man Hilfe, Begleitung und Beratung. Etwa wenn man sich entscheiden muss, seinen Lebensweg so oder anders zu gehen. Oder in Krisensituationen im persönlichen, familiären, beruflichen oder spirituellen Bereich. Es ist grundsätzlich gut, wenn Sie sich dann Hilfe holen und sich bei Entscheidungen, die vor Ihnen liegen, professionell beraten lassen wollen. Der Beratermarkt ist allerdings mittlerweile unübersichtlich geworden, und so kann man statt mit seriösen Anbieter*innen auch mit potenziell problematischen in Kontakt kommen.

Sie finden hier in Form von kurzen Tipps und Fragen, die man sich bei der Wahl des richtigen Anbieters stellen kann, Kriterien, die Sie in einer Entscheidung unterstützen sollen:

  • Nutzt der Anbieter wohlklingende Titel und Berufsbezeichnungen, die Sie nicht kennen? Viele solcher Bezeichnungen sind weder rechtlich geschützt, noch sagen sie irgendetwas über die Qualifikation oder wissenschaftliche Anerkennung aus.
  • Ist der Anbieter einem seriösen Dachverband angeschlossen? Solche Dachverbände haben es sich in der Regel zur Aufgabe gemacht, Qualitätskriterien für ihre Mitglieder zu entwickeln. Sie können nachfragen, ob der jeweilige Anbieter dort gelistet ist und welche Erfahrungen man mit ihm gemacht hat.
  • Macht der Anbieter transparent, welchem religiösen oder spirituellen System er anhängt? Das ist wichtig zu wissen, denn Beratung kann sonst schnell in eine Richtung führen, die man mit dem eigenen Glaubenshintergrund gar nicht vereinbaren kann.
  • Gibt es einen klaren Beginn und ein deutliches Ende eines Beratungs- oder Therapiesettings? Seien Sie vorsichtig, wenn mit immer neuen Kursen, endlosen Therapiesitzungen oder unklaren Absprachen wie „das erfahren Sie beim nächsten Mal“ gearbeitet wird.
  • Drückt sich der Anbieter vor schriftlichen Verträgen oder macht Zusagen, die er nicht hält? Seriöse Anbieter machen Verträge, die für beide Seiten bindend und transparent sind. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, sich in Ruhe zu Hause noch einmal einen Vertrag durchzulesen und erst dann zu unterschreiben. Außerdem gibt es ein Rücktrittsrecht von Verträgen. Lassen Sie sich nicht schnell zu irgendetwas drängen.
  • Respektiert der Anbieter Ihre eigene Entscheidungsfreiheit? Beratungsangebote sollten kritisch hinterfragt werden, wenn sie einen starren Weg, eine feste Ordnung oder eine feststehende Meinung wiedergeben und diese den Ratsuchenden vermitteln wollen. Seriöse Anbieter respektieren immer die persönliche Entscheidung des Ratsuchenden.
  • Ist der Anbieter inhaltlich und finanziell transparent? Ist Ihnen klar, mit welchen Methoden Sie arbeiten werden und wie viel Geld Sie genau dafür bezahlen? Achten Sie darauf, dass Sie für jede Zahlung eine Quittung erhalten.
  • Sollte es sich um Beratungen handeln, die auch den gesundheitlichen Bereich betreffen: Fragen Sie bei den Profis nach. Das Gesundheitsamt, Ihr Hausarzt, Ihre Hausärztin oder die Krankenkassen sind hier gute Ansprechpartner.
  • Machen Sie sich über den Anbieter schlau. Im Internet bieten viele Menschen ihre vermeintlichen Beratungsdienste an. Aber im Internet finden sich auch viele Bewertungen, Erfahrungen und kritische Einschätzungen. Machen Sie sich ein eigenes Bild und vertrauen Sie nicht nur den Versprechungen und Eigenaussagen der Anbieter.
  • Kennen Sie persönlich Menschen, die sich schon bei einem Anbieter haben beraten lassen? Was sagen sie? Ist ihnen gut geholfen worden oder gab es Probleme?
  • Und schließlich: Hören Sie auch auf Ihr gutes Bauchgefühl. Tun Sie nichts, was Sie nicht wollen oder wobei Sie ein unbestimmtes, komisches Gefühl haben. Viele Menschen haben gute „innere Warnlämpchen“, achten Sie auch auf diese!

In Deutschland gibt es zahlreiche Beratungs- und Informationsstellen von staatlicher und kirchlicher Seite, aber auch private Aufklärungs- und Selbsthilfegruppen. Es ist nicht möglich, sie hier alle aufzuführen. Auf der Homepage der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen finden Sie viele Informationen sowie eine aktuelle Landkarte mit Beratungsstellen und Beauftragten Ihrer evangelischen Landeskirche:

http://www.ezw-berlin.de