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Spiritualität asiatischer Herkunft

Spiritualität asiatischer Herkunft

Wahrnehmungen

Buddhismus und Hinduismus haben schon lange die Grenzen ihrer Herkunftsländer überschritten und sind auch in Deutschland heimisch geworden. Besonders der Buddhismus bietet eine Vorlage für moderne spirituelle Trends: Er wird wahrgenommen als eine Vernunftreligion mit Erfahrungsbezug, aber ohne Mythen und Dogmen; seine ethischen Ansprüche wie der Verzicht auf Gewalt, auch gegenüber Tieren, wirken attraktiv und er bedient die Suche nach spiritueller Höherentwicklung.

Hinduistische religiöse Praxis mit Meditation, Askese und Yoga und der rituellen Verehrung von Gurus und Göttern findet sich in Deutschland meistens in Migrationsgemeinden. In der Esoterik allerdings werden ursprünglich hinduistische Konzepte aufgenommen wie beispielsweise Reinkarnation und Karma, Meditations- oder Yogatechniken.

Vorübergehende Aufmerksamkeit bekamen in den 1970er Jahren neohinduistische Gruppen, die als Guru-Bewegungen oder als sogenannte „Jugendsekten“ wahrgenommen wurden. Bekannt wurden vor allem die Hare-Krishna-Bewegung (ISKCON), die Transzendentale Meditation und die Bhagwan-Bewegung des „Bhagwan“ Shree Rajneesh (Osho Commune).

Insgesamt begegnet man der Spiritualität aus Asien aber weniger in Gestalt der großen Weltreligionen Buddhismus und Hinduismus als vielmehr in asiatischen Kampfsportzentren, in Zen- und Yoga-Kursen sowie bei Wellness-Angeboten auf der Basis von Ayurveda, in Angeboten chinesischer Medizin, in Qi Gong, Tai Chi Chuan, Reiki oder im Feng Shui. Erkennbar wird sie folglich nicht so sehr durch Organisationen und Institutionen, sondern eher durch ihre Lehre und Praxis.

Inhalte

Auffällig ist die Abwesenheit einer personalen Gottesvorstellung. Heil bzw. Erlösung geschieht nicht in der Beziehung zwischen Mensch und Gott, sondern gerade in der Aufhebung des Gegenübers von Immanenz und Transzendenz und im Zu-sich-selbst-Kommen des Menschen. Statt Sünde als gestörter Gottesbeziehung kennt asiatische Religiosität Unkenntnis und Verblendung, aus der sich der Mensch selbst befreien soll. Jeder Einzelne steht in der Verantwortung, sich dazu auf den Weg zu machen. Zentral ist der Zusammenhang von Karma und Reinkarnation: Die zukünftige Existenz (Reinkarnation) wird bestimmt durch das Handeln der Menschen, das sich im Karma niederschlägt. Dieses Karma hält den Kreislauf der Wiedergeburten in Gang.

Eine Reihe oft meditativer Techniken bieten dem Menschen Hilfestellung, zur Einheit mit dem Kosmos zu kommen. Wenn sie bei uns praktiziert werden, haben sie oft den Vorstellungsrahmen ihrer Ursprungsreligion verlassen und bilden teilweise selbstverständliche Versatzstücke der religiös-weltanschaulichen Szene in unserem Land. Dies gilt besonders für das weite Feld esoterischer Angebote (s. o. Kap. 4).

Äußerlich erscheinen diese Techniken als Dienstleistungsangebote. Der ursprüngliche Heils- bzw. Erlösungsweg wird auf eine Methode reduziert, transzendentes Heil wird zu etwas säkular Erfahrbarem, zu Wohlbefinden, Erfolg und Gesundheit.

Einschätzungen

Die Übernahme von Teilen asiatischer Religiosität kommt unserer hoch individualisierten Gesellschaft sehr entgegen. Diese Religiosität bietet eine persönliche und erfahrungsbezogene Spiritualität an, oft als Gegenmodell zu einer als erstarrt empfundenen institutionellen Kirchlichkeit. Hinzu kommen klischeehafte Vorstellungen von einer pazifistisch und ökologisch orientierten Ethik, von einer Einheit aus Leib und Seele wie auch aus Religiösem und Weltlichem. Attraktiv erscheint sicherlich auch ihr exotisches Auftreten mit einer niedrigen Zugangsschwelle und der scheinbaren Möglichkeit einer selektiven Übernahme von einzelnen Aspekten. Selten stellt man sich dabei den anspruchsvollen Aspekten der jeweiligen Herkunftsreligionen. Auch die Vorstellung einer Wiedergeburt hat einen großen Reiz, wenn sie bei ihrer Aufnahme in das westliche Denken positiv als kontinuierliches Weiterleben der individuellen Person interpretiert wird.

Sehr pragmatisch werden unterschiedliche Angebote gleichzeitig genutzt, ohne dass deren religiöser Hintergrund thematisiert wird. Mandalas werden als runde Ausmalbilder präsentiert, ohne dass der buddhistische Ursprung eine Rolle spielt. Kulturelle und religiöse Grenzen verschwimmen, teilweise wird versucht, den Glauben an göttlich-kosmische Kräfte, an Karma und Wiedergeburt oder an den göttlichen Wesenskern des Menschen synkretistisch mit christlichen Vorstellungen zu verbinden.

Im Blick auf Medizin und Wissenschaft wird teilweise der Anspruch vertreten, in ihren Angeboten sei bereits alles naturwissenschaftliche und medizinische Wissen enthalten.

Handlungsempfehlungen

Das Zusammenleben mit Vertreter*innen der großen Weltreligionen Buddhismus und Hinduismus ist weitgehend problemlos. Ebenso spricht aus evangelischer Sicht wenig gegen die Übernahme einzelner religiöser Aspekte, wenn etwa das Mandala-Malen der Ruhe und Konzentrationssteigerung dient oder Yoga- und Ki-Techniken zur Entspannung Anwendung finden. Viele Angebote fungieren losgelöst von ihren ursprünglich religiösen Bedeutungen lediglich als Techniken und Übungen. Inwieweit solche partiellen Übernahmen ohne den religiösen Hintergrund möglich oder auch sinnvoll sind, wird auch unter den religiösen Vertreter*innen unterschiedlich gedeutet.

Problematisch wird es, wenn nicht transparent gemacht wird, welche spirituellen oder religiösen Aspekte mit übernommen werden. Dazu gehören etwa spirituelle Einweihungen oder die Rolle erfahrener Meister. Hier kann es zu Abhängigkeiten bis hin zum Missbrauch kommen. Diese Dinge sind jedoch, je nach konkretem Angebot, unterschiedlich zu bewerten. Aus evangelischer Sicht sind die grundsätzlichen Unterschiede zum christlichen Glauben zu bedenken, insbesondere zum Gottes- und Heilsverständnis. Das Ziel christlichen Glaubens besteht nicht in der geistlichen Höherentwicklung, sondern in einem Leben aus Gottes Gnade.

Weitere Informationen

Ulrich Dehn: Suche nach der eigenen Mitte – östliche Religiosität im Westen, in: Reinhard Hempelmann u. a. (Hg.): Panorama der neuen Religiosität. Sinnsuche und Heilsversprechen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Gütersloh 22005, 305-410.

Friedmann Eißler: Buddhismus im Westen, EZW-Lexikon, 2016, https://ezw-berlin.de/html/3_136.php.

Wahrnehmungen

Zen-Angebote zur Meditation findet man in eigenen (buddhistischen) Zentren, die oft den Namen Dojo („Ort des Weges“) tragen. Sie haben aber auch in Volkshochschulen, kirchliche Bildungsstätten und Klöster Eingang gefunden. Teilweise werden sie mit anderen meditativen Wegen wie Kalligrafie, Teezeremonien oder Ikebana kombiniert. Japanische Kampfsportarten wie Judo, Aikido oder Ju-Jutsu haben ihre Wurzeln im Zen. Im Unterschied zu den komplizierteren Übungen im Yoga ist die einfache sitzende Haltung leicht zu lernen. Weit verbreitet ist auch ein „christliches Zen“, das Techniken des Zen mit christlichen Gebetsübungen zu kombinieren beansprucht.

Inhalte

Das Wort Zen ist eine Abkürzung des japanischen Zenna, das von seiner Sanskrit-Wurzel her eine Sammlung des Geistes, Versenkung, Meditation beschreibt. Hier werden individuelle Versenkungsübungen gegenüber rituellen Elementen betont. Sie haben das Ziel, Erleuchtungserfahrungen herbeizuführen. Seine Prägung erhielt Zen in China, von dort stammen taoistische Einflüsse. Über seine Verbreitung in Japan gelangte er besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Westen. In Japan wird Zen vor allem in Klöstern gelehrt und dient der Priesterausbildung. Hierzulande orientiert man sich an diesen Vorbildern, betont aber stärker den individuellen Schulungsweg. Verbeugungen vor dem Altar, Weihrauch für den Buddha, das Rezitieren von Sutras (kurzen Lehrtexten in Versform) und das Niederwerfen bei bestimmten Zeremonien verweisen auf den religiösen Charakter – auch wenn teilweise die Rituale so gestaltet sind, dass sie nicht mehr als religiöse wahrgenommen werden.

Die Versenkungsübungen werden im Sitzen ausgeführt (Zazen), daneben gibt es eine stille Beschäftigung mit paradoxen Rätseln (Koan), die unsere Alltagslogik unterlaufen.

Zen-Meditation zielt auf die Erkenntnis, dass alle Wahrnehmungen und auch unser individuelles Selbst nur Illusion seien. Die Erscheinungen gaukelten uns eine Welt vor, in der man Unterschiedliches erkennen könne. Das wahre Wesen all dieser Dinge sei aber „leer“, ohne Merkmale, auch das, was wir als unser Selbst wahrnehmen. Zen sei ein Weg, dieses Selbst zu vergessen. Zu diesem Ziel gelange man nicht durch Nachdenken, sondern durch eine Erleuchtungserfahrung, die nicht begrifflich zu beschreiben, sondern nur erfahrbar sei. Die Zen-Übungen richten sich also nicht auf ein Objekt, es gibt keine Bilder, Gebete oder Mantras, sondern nur eine gedankenfreie Aufmerksamkeit. Die Erkenntnis dieser „Leere“ führe zur Verbundenheit mit der „Buddha-Natur“ aller Dinge und allen Lebens.

Einschätzungen

Zen kommt dem Bedürfnis nach Kontemplation, Konzentration, Lebenshilfe und der Suche nach persönlicher Spiritualität ohne dogmatische Rahmungen entgegen. Christlicher Glaube begegnet dieser Suche mit der – heilsamen – Unterscheidung zwischen Schöpfer und Geschöpf. Traditionelle Übungen in christlicher Meditation können helfen, vor Gott „still zu werden“, sich vor ihm zu sammeln und ihn durch Bibelworte oder geeignete Texte in sich Gestalt werden zu lassen. Diese Erfahrungen sind aber nicht methodisch herbeizuführen und das Ziel des Erlebens von Leere oder kosmischer Einheit unterscheidet Zen grundsätzlich von christlicher Spiritualität.

Im Einzelnen wäre zu prüfen, ob und wie weit Elemente des Zen aus dem religiösen Kontext gelöst werden können, um sie in einen christlichen Deutungsrahmen zu stellen, der die Unverfügbarkeit der Gottesbegegnung erfahrbar macht. Die Bedeutungslosigkeit des individuellen Selbst widerspricht aber der jüdisch-christlichen Vorstellung vom Menschen als Bild Gottes. Insofern ist Zen kein christlich vertretbares Mittel der Selbsterfahrung, es handelt sich vielmehr im Kern um eine buddhistische Existenzanalyse.

Die Ansätze eines populären „christlichen Zen“ (Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, Willigis Jäger) basieren auf einem transreligiösen Verständnis von Zen und christlicher Mystik, nach dem alle Religionen auf denselben Kern zurückgehen, der sich in mystischem Erleben zeige. Zen stelle die reine Form der Mystik dar, folglich sei diese Erleuchtungserfahrung die Essenz allen religiösen Erlebens. Ein solcher Ansatz ebnet die Merkmale jeder einzelnen Religion ein und ist mit dem Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Mensch im christlichen Glauben nicht vereinbar. Auf monistischer Grundlage (d. h. auf der Vorstellung, alles gehe nur auf ein – in diesem Fall geistiges – Prinzip zurück) ist kein christlicher Glaube möglich, ohne die Leerheit kein buddhistischer. Christlicher wie buddhistischer Rahmen werden hier verlassen, es handelt sich eher um einen esoterischen Geistmonismus (z. B. bei Willigis Jäger, bei dem Gott als alles umfassende Wirklichkeit sich in den Einzelheiten des Lebens ausprägen soll).

Handlungsempfehlungen

Die Suche nach der Erfahrbarkeit des christlichen Glaubens ist wichtig und stellt eine große Herausforderung dar. Eine Praxis, die religiöse Erfahrungen methodisch herbeizuführen beansprucht, ist aber christlich nicht vertretbar. Das Ziel christlicher Spiritualität besteht in der Gottesbegegnung. Die christliche Tradition bietet hierzu eine ganze Palette hilfreicher Ansätze.

Der Behauptung, es handle sich bei Zen nicht um religiöse Übungen, ist zu widersprechen. Daher können Zen-Angebote nicht in kirchlichen Einrichtungen stattfinden, abgesehen von dialogischen Begegnungen. Bei seelsorgerlichen Fragen sollte auf übertriebene Erwartungen hingewiesen werden. Die rituellen Einweihungen durch eine erfahrene Leitung und die Beziehung zum Meister sind im Einzelfall kritisch zu prüfen.

Weitere Informationen

Matthias Pöhlmann / Christine Jahn (Hg.): Handbuch Weltanschauungen, Religiöse Gemeinschaften, Freikirchen, Gütersloh 2015, 1021-1032.

Harald Lamprecht: Missionar des Nichts. Zen-Meister und Benediktinermönch Willigis Jäger in der Evangelischen Akademie in Meißen, https://www.confessio.de/artikel/159.

Wahrnehmungen

Yoga wird bei uns weniger als religiöse Praxis wahrgenommen denn als Sammelbegriff für Körperübungen, Atemtechniken und Entspannungspraktiken, die Harmonie und Ausgeglichenheit sowie das Lösen von körperlichen und emotionalen Spannungen versprechen. Auch der größte Verband, der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY), betont die gesundheitlichen Aspekte und die Methodenvielfalt gegenüber der Orientierung an religiösen Grundprinzipien. Dies ermöglichte Yoga-Lehrenden den Zugang zu Volkshochschulen und sogar zu kirchlichen Einrichtungen. Unter bestimmten Voraussetzungen werden Yoga-Kurse von den Krankenkassen bezahlt. Praktiziert wird Yoga überwiegend von Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen.

In Verbindung mit kommerziellen Esoterik-Angeboten dient der Begriff Yoga als Träger für die unterschiedlichsten weltanschaulichen Angebote, die auf die vermuteten Kundenbedürfnisse abgestimmt sind. Sogar ein Tanz-Yoga oder ein Lach-Yoga lassen sich finden.

Inhalt

Im Hinduismus werden mit Yoga verschiedene Übungen bezeichnet, die den Kontakt und die Vereinigung mit dem Göttlichen (brahman) zum Ziel haben. Das Selbst soll sich lösen aus der Umklammerung von allem Materiellen und damit aus dem Kreislauf der Wiedergeburten.

Das Wort Yoga kommt aus dem indischen Sanskrit und bedeutet „Joch“: So wie Arbeitstiere unter ein Joch gespannt werden, soll der Körper angespannt und konzentriert werden. Der Yoga-Weg führt durch verschiedene Übungen – konzentrierte Lenkung der Atmung, Zurückziehen der Sinne vom Äußeren und dazugehörende Körperhaltungen (asanas) – bis zum Einswerden von Subjekt und Objekt, von menschlichem und göttlichem Bewusstsein. Aus der Sicht des klassischen Yoga bringt alles Materielle Leid hervor und ist deshalb zu überwinden. Das bei uns populäre Hatha-Yoga sieht den Körper deutlich positiver, er kann als ein Instrument auf dem Yoga-Weg gebraucht werden. Dies bildet die Grundlage vieler körperbetonter Übungen.

Während der BDY die weltanschauliche Neutralität von Yoga betont, vertritt das Netzwerk Yoga Vidya den spirituellen Ansatz. Hier finden wir eine spirituelle Gemeinschaft, die dem klassischen ganzheitlichen und stark hinduistisch geprägten Yoga in der Tradition von Swami Sivananda und Swami Vishnu-Devananda folgt. Yoga Vidya kombiniert unterschiedliche Yoga-Wege. Rezitationen und Hindu-Rituale gehören zur alltäglichen Praxis.

Einschätzungen

Passen Yoga-Angebote in einen kirchlichen Kontext? Die Antwort auf diese höchst umstrittene Frage hängt vor allem davon ab, ob Yoga als reine Körperübung zur Steigerung des Wohlbefindens und der Fitness praktiziert werden kann oder immer auch eine spirituelle Bewusstseinsschule ist. Auch unter Yoga-Lehrenden wird dies kontrovers diskutiert.

Mit Yoga als gesundheitsfördernder Maßnahme, losgelöst von seinem religiösen Hintergrund, wird kaum eine Grenzüberschreitung zum Hinduismus oder Buddhismus verbunden sein. Die Übergänge zu religiösen Lehrinhalten sind aber oft fließend und müssen bei einer Einschätzung Berücksichtigung finden. Große Transparenz ist hier nötig, gerade im Blick auf Menschen, die nach spiritueller Selbsterfahrung suchen.

Mit den spirituellen Zielen eines Yoga-Weges ist christlicher Glaube nicht zu vereinbaren. Jede christliche Meditation und Versenkung richtet sich auf den Heil wirkenden Gott aus und kann sich nicht auf Übungen einlassen, deren Ziel vollkommene Erleuchtung ist – auch wenn der Vorwurf einer Selbsterlösung zu kurz greift und sich viele Yoga-Praktizierende des grundsätzlich passiven, „gnadenhaften“ Charakters der Erleuchtungserfahrung bewusst sind. Aus christlicher Sicht kann man eine solche Vollkommenheit nicht erreichen (und braucht es auch nicht). Auch gilt es die – gerade im esoterischen Bereich oft vernachlässigten – „Guru-Verhältnisse“ im Auge zu behalten: Teilweise führen die Verheißungen zu starker psychischer Abhängigkeit von der Person des Lehrenden und zu finanzieller Ausbeutung.

Handlungsempfehlungen

Körperübungen zur Entspannung und Gesundheitsförderung, auch „Übungen im Stil des Yoga“, können aus evangelischer Sicht mitgemacht werden, ohne in Konflikt mit dem eigenen Glauben zu geraten. Wer nur an diesen Aspekten interessiert ist, wird vielleicht auch keine Probleme haben, wenn er mit spirituellen Vorstellungen wie dem Aktivieren von Chakren beim Yoga konfrontiert wird. Wer aber auf Sinnsuche ist, wird möglicherweise für solche Dinge empfänglich. Daher sollten im christlichen Kontext solche Vorstellungen nicht vermittelt werden – erst recht nicht unterschwellig.

Yogalehrer ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Bei der Suche nach geeigneten Lehrenden können die Verbände hilfreich sein, denn hier finden qualitativ anspruchsvolle Ausbildungen statt.

Bei der Frage nach Yoga in kirchlichen Einrichtungen stellt sich die Situation grundsätzlich anders dar als bei der Frage nach der Teilnahme an anderswo angebotenen Kursen. Menschen vertrauen darauf, dass in kirchlichen Häusern nur Veranstaltungen stattfinden, die mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren sind. Dieses Vertrauen darf nicht verspielt werden. Vorab können spirituelle Grenzüberschreitungen nur schwer ausgeschlossen werden, und wenn es dazu kommt, kann eine Gemeinde, anders als eine Einzelperson, sich nicht einfach zurückziehen.

Eine Begegnung mit Yoga ist in Gemeinden nur als sachbezogene Diskussion möglich, nicht aber in Gestalt von praktischer Verinnerlichung.

In neuerer Zeit entstehen Konzepte eines „christlichen Yogas“, das sich mit seinen Übungen auf die Leibbetonung der Bibel, besonders des Alten Testaments bezieht und die metaphorischen Beschreibungen der Bibel (z. B. die Rede vom sanften Joch in Mt 11, 28-30) auf die konkrete Körperlichkeit des Menschen bezieht. In dieser Weise konzipierte Angebote stellen keinen Widerspruch zum christlichen Glauben dar.

Weitere Informationen

Harald Lamprecht: Yoga im Gemeindehaus? Warum persönliche Übungspraxis und Raumvergabe zwei verschiedene Schuhe sind, https://www.confessio.de/artikel/1225.

Reinhart Hummel: Yoga – Meditationsweg für Christen? Probleme einer christlichen Yoga-Rezeption, EZW Information 112, Stuttgart 1990.

Christian Fuchs: Yoga in Deutschland. Rezeption. Organisation. Typologie, Stuttgart 1990 (aus Sicht eines BDY-Lehrenden).

Wahrnehmungen

Nadeln werden in bestimmte Körperstellen gestochen oder Hände sanft aufgelegt, langsame und geschmeidige Bewegungen eingeübt, Gebäude und Wohnungen mit hervorstehenden Ecken möglichst vermieden – gemeinsam ist diesen Praktiken die Vorstellung vom Fließen der Lebensenergie Ki (andere Schreibweisen: Qi oder Chi). Wird sie blockiert, entstehen Unwohlsein oder Krankheiten.

Inhalte

Das Ki ist im chinesischen Daoismus (andere Schreibweise: Taoismus) eine universale Kraft oder Lebensenergie, die für den Ausgleich der beiden komplementären kosmischen Prinzipien Yin und Yang sorge, indem sie durch ihr Fließen das Dao, die vereinigende Harmonie des Kosmos, erhalte. Im Menschen fließe das Ki in festgelegten Bahnen, den Meridianen. Sie stehen in Verbindung mit insgesamt sieben Energieknotenpunkten entlang der Wirbelsäule (Chakren). Diesen seien bestimmten Körperbereiche, Gefühle und religiöse Qualitäten zugeordnet. Zum Scheitelchakra gehöre dabei die spirituelle Verbindung mit dem Göttlichen. Durch unterschiedliche Techniken könnten Blockaden auf den Meridianen gelöst werden, damit das Ki wieder fließe und für einen harmonischen Ausgleich sorge.

Der Daoismus bildet den Hintergrund der verschiedenen Ki-Bewegungen, die bei uns im Kontext esoterischer Vorstellungen präsent sind:

  • Akupunktur gehört zu den bekanntesten alternativen Heilmethoden in Deutschland. Sie stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). An festgelegten Punkten der Meridiane werden Nadeln gestochen, um Blockaden des Ki zu lösen.
  • Ähnliche Vorstellungen liegen der Akupressur, z. B. bei der Fußreflexzonenmassage, zugrunde. Die Fußsohle bilde den gesamten Körper ab, durch bestimmte Druckpunkte sollen sich Blockaden im Ki lösen.
  • Durch sanftes Handauflegen wird im Reiki das Ki übertragen. Reiki erhebt einen umfassenden Heilungsanspruch bis hin zu einer Fernbehandlung. Geheilt werden Menschen, Tiere und Pflanzen und sogar Gegenstände, die entgiftet oder repariert werden. Reiki präsentiert sich gerne religiös neutral. Dem widersprechen allerdings schon die Einweihungsrituale für die Ki-Spender, die notwendig seien, um den Reiki-Kanal zu öffnen und das Ki durch die Hände fließen zu lassen. Reiki zielt auch auf eine spirituelle Entwicklung und die Schaffung einer mystischen Gemeinschaft.
  • Qi Gong besteht aus körperlichen Bewegungsabläufen und Massageformen. Standübungen dienen z. B. der Stärkung und Sammlung. Mit Qi-Gong-Kugeln sollen Reflexzonen in den Händen gereizt und der Ki-Strom manipulativ aktiviert werden.
  • Das mit Qi Gong verwandte Tái Chi (Chuan) erinnert an chinesische Kampftechniken. Hier sollen die ruhigen und bedächtigen Bewegungsabläufe den Ki-Fluss aktivieren.
  • Die aus der Chiropraktik entwickelte Kinesiologie behauptet, aus dem Spannungszustand eines Muskels diagnostische Aussagen über Erkrankungen sowie über seelische Blockaden machen zu können. Die Muskelkraft wird dabei allerdings nicht physikalisch gemessen, sondern ihr „Energiezustand“ im Sinne des Ki bestimmt. In kinesiologischen Anwendungen werden die Patient*innen durch Berührungen und Massagen ausbalanciert, so dass das Ki wieder fließen kann. Darüber hinaus gibt es auch eine pädagogische Edu-Kinesthetik oder eine Wirtschaftsberatung auf kinesiologischer Basis. Allerdings ist Kinesiologe kein geschützter Begriff, eine Qualifikation wird nicht gefordert und eine Qualitätskontrolle findet nicht statt.
  • Feng Shui (= Wind-Wasser) bezieht das gesamte Lebensumfeld mit ein. Um das Ki störungsfrei fließen zu lassen, gibt es Ratschläge zur Architektur und zur Wohnungseinrichtung. Im stark säkularisierten Umfeld beschränkt man sich meist darauf, dass sich die Kunden „wohlfühlen“ sollen.

Einschätzungen

Eine Reihe von Übungen – besonders im Tái Chi – basieren auf langen Erfahrungen und Beobachtungen, so dass man ihnen ohne Weiteres Weisheit im Blick auf Gesetzmäßigkeiten der körperlichen Bewegungen zuschreiben kann. Ähnliches gilt für Akupunktur, Akupressur und für Qi Gong, die mit starken Reizen arbeiten. Allerdings sind Therapieerfolge, die über die allgemeine Schulmedizin bzw. Placeboeffekte hinausgehen, nicht bekannt.

Ki-Bewegungen begegnen uns im Rahmen esoterischer Vorstellungen, bei denen wissenschaftliche Erkenntnisse mit esoterischen oder asiatischen Weisheiten vermischt werden. Die Deutungen in Bezug auf ein Fließen des Ki gehören in den religiösen Kontext des Daoismus. Weder die angenommene Lebensenergie Ki noch ihre Meridiane oder Chakren oder die behaupteten Selbstheilungskräfte sind nachweisbare Tatsachen, sondern nur im Kontext der hier vorgestellten Weltanschauungen plausibel. Insgesamt steht die TCM in einer Spannung zu westlichen medizinischen Erkenntnissen und hat eine völlig andere Vorstellung vom Aufbau des menschlichen Körpers und seiner inneren Organe. Positiv zu sehen ist die in westlicher Medizin zu wenig beachtete ganzheitliche Betrachtung des Menschen zusammen mit einem achtsamen und empathischen Umgang mit Patient*innen.

Kinesiologie erscheint dagegen hoch suggestiv und es wird immer wieder von Abhängigkeiten der Patient*innen von den Therapeut*innen berichtet. Die Stiftung Warentest warnt ausdrücklich davor, „dass Gesunde krank, Kranke gesund erklärt werden“. Gemessen an den relativ einfachen Methoden und Theorien tritt die Kinesiologie mit einem überzogenen Hilfsanspruch auf und birgt die Gefahr, dass notwendige Therapien versäumt werden.

Die Ki-Bewegungen haben insgesamt ein Verständnis vom Menschen und seinen Krankheiten, das sich vom christlichen Glauben unterscheidet. Jesu Handauflegen und seine Bitte um Gottes Heilung sind keine therapeutischen Methoden. Ki-Kräfte sind nicht das Wirken des Heiligen Geistes, der keiner menschlichen Praktik unterworfen ist. Ein christliches Fürbittengebet ist keine Energieübertragung.

Handlungsempfehlungen

In kirchlichen Räumen sollten keine Therapieveranstaltungen oder Seminare, die auf Inhalten aus der Ki-Bewegung basieren, angeboten werden. Die Kirche kennt durchaus körperliche Zuwendungen im Umgang mit Kranken über die Fürbitte hinaus in Form von Segnungen und Salbungen. In der Seelsorge ist vor übertriebenen Erwartungen zu warnen und auf zahlreiche mit den Ki-Angeboten verbundene Gefahren hinzuweisen: Abhängigkeiten, Fehldiagnosen und Verschleppung von Krankheiten, Manipulation und psychische und nicht zuletzt auch teilweise hohe finanzielle Belastungen.

Weitere Informationen

Friedmann Eißler: Reiki, EZW-Lexikon, 2014, https://www.ezw-berlin.de/html/3_179.php.

Ulrich Dehn: Suche nach der eigenen Mitte – östliche Religiosität im Westen, in: Reinhard Hempelmann u. a. (Hg.): Panorama der neuen Religiosität. Sinnsuche und Heilsversprechen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Gütersloh 22005, 305-410, bes. 381-406.

Wahrnehmungen

Die indische Heilkunst des Ayurveda ist im Zuge des Wellness-Trends der letzten Jahre auch im Westen bekannt geworden. Bei den Behandlungen handelt es sich um (meist kostspielige) manuelle Anwendungen, Ölmassagen oder Stirngüsse, die von Heilpraktiker*innen, als Zusatzangebote auch von Ärzt*innen, aber auch medizinisch ungeschult von Masseur*innen und Kosmetiker*innen durchgeführt werden. Viele Reiseveranstalter bieten Aufenthalte in Ayurveda-Hotels in Sri Lanka und Indien an.

Inhalte

Ayurveda ist der Sanskrit-Name für das „Wissen vom Leben“ und bezeichnet die traditionelle hinduistische Heilkunst, die als medizinische Wissenschaft in Indien, Sri Lanka und Nepal gelehrt und praktiziert wird. Ihr Umgang mit dem menschlichen Körper basiert auf vorwissenschaftlichen Beobachtungen und Erfahrungen, die in drei indischen Schriften (Samhitas) aus dem 2. bis 6. Jahrhundert gesammelt wurden. Der Mensch als Mikrokosmos bestehe aus den fünf Elementen Wasser, Erde, Luft, Feuer und Äther. Sie bildeten in unterschiedlichen Kombinationen drei dynamische Lebensenergien (Doshas), diese wiederum bestimmten alle körperlichen und seelischen Vorgänge: Vata (aus den Elementen Luft und Äther) reguliere die Bewegungen des Körpers und die Aktivitäten von Geist, Sinnesorganen und Nervensystem, Pitta (Feuer und Wasser) den Stoffwechsel und die Verdauung, Kapha (Erde und Wasser) die Körperstruktur, den Flüssigkeitshaushalt und die Abwehrkräfte.

Jeder Mensch verfüge von Geburt an über ein individuelles Mischungsverhältnis der drei Doshas, das sein ganzes Leben bestehen bleibe. Es spiegele sich in seinem Körperbau sowie in bestimmten Zu- und Abneigungen oder Verhaltensgewohnheiten. In der Regel dominieren dabei zwei Doshas. Stress oder falsche Lebensweise und Ernährung könnten dieses Verhältnis stören. Krankheiten erklärt der Ayurveda durch ein Ungleichgewicht der Doshas. Die Behandlung soll dieses Ungleichgewicht reduzieren.

Ayurvedische Therapien sind individuell auf das Dosha-Verhältnis abgestimmt. Zur Diagnose gehören Puls- und Zungenkontrolle sowie eine ausführliche Befragung zur Lebensweise. Die Therapien bestehen aus Öl- oder Pulvermassagen, Schwitzbädern, Stirngüssen und Einläufen und der Einnahme von Heilkräutern und Mineralien. Präventiv werden eine veränderte Lebensweise und individuelle Ernährungsvorschriften empfohlen.

Einschätzungen

Ayurveda steht in westlichen Gesellschaften im Spannungsfeld zwischen Esoterik, Wellness und gesundheitlicher Prävention. Viele Anwendungen gründen auf einer umfassenden guten Beobachtung und sind sinnvoll, wo eine medizinische Behandlung einhergeht mit Fragen nach einem gesünderen Lebensstil, besserer Ernährung und der Fähigkeit zu selbstbestimmtem und eigenverantwortlichem Handeln (Patienten-Empowerment). Die Orientierung des Ayurveda an traditionellen indischen Lebensweisen ohne Bezug zu modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen erlaubt nur eine bedingte Übertragung auf moderne westliche Verhältnisse. Medizinische Studien zum Ayurveda stecken noch in den Anfängen.

Während in Indien neben der traditionellen Ausbildung bei einem praktizierenden Lehrmeister auch ein staatlich reglementiertes „Universitätsstudium“ mit einem Bachelor- und Master-Abschluss angeboten wird, gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Ausbildungsgängen mit sehr unterschiedlichen Qualitäten und Qualifikationen. Da ayurvedische Arzneimittel in Deutschland nicht als Medikamente zugelassen sind, werden sie oft ohne transparente Qualitätskontrollen importiert. Dabei sind teilweise Blei- und Quecksilberbestandteile entdeckt worden, vereinzelt kam es zu Bleivergiftungen.

Das Welt- und Menschenbild des Ayurveda ist vom Hinduismus geprägt. Die fünf kosmischen Elemente und das Konzept der Doshas sind keine empirischen Tatsachen, sondern gehören in den Bereich weltanschaulicher Voraussetzungen. In Deutschland weit verbreitet ist der Maharishi-Ayurveda, der die Praxis des Ayurveda mit der umstrittenen Transzendentalen Meditation (s. 6.6) verbindet. Ob und wieweit der weltanschauliche Hintergrund über einzelne Therapieanwendungen hinaus eine Rolle spielt, sollte jeweils kritisch geprüft werden.

Handlungsempfehlungen

Solange eine medizinische Prüfung noch aussteht, sind therapeutische Anwendungen – über bloße Wellness-Angebote hinaus – mit großer Vorsicht zu behandeln. Auch sollte die Qualität ayurvedischer Produkte und die Qualifikation der jeweiligen Anbieter*innen kritisch geprüft werden. Schließlich ist auch zu fragen, auf welcher Ebene ayurvedische Therapien angeboten werden und ob und wieweit hinduistische Welt- und Menschenbilder dafür relevant sind.

Fragen nach Lebensstil, Gesundheit und nach eigenen Möglichkeiten, Heilung zu unterstützen, sind allgemeinmenschliche Themen und haben oft auch einen unmittelbaren Bezug zum christlichen Glauben. Die Antworten aus der Sicht des Ayurveda sind aus christlicher Sicht kritisch zu prüfen.

Angesichts dieser Situation und ihrer offenen Fragen ist von Ayurveda-Angeboten in Gemeindehäusern abzusehen.

Weitere Informationen

Kai Funkschmidt: Krankheit und Gesundheit, EZW-Lexikon, 2019, https://www.ezw-berlin.de/html/3_10131.php.

Wahrnehmungen

„Leben ohne Stress“, „200 % Leben“, „Erfolgreich durch Meditation“ oder „jüngeres biologisches Alter durch transzendentale Meditation“ – mit Slogans wie diesen wirbt die Transzendentale Meditation (TM) für ihre Angebote. Flyer und Werbebroschüren werden verteilt und laden zu Vortragsabenden ein. Oft findet man auf ihnen ein Bild eines älteren Yogis, des Gründers dieser Meditationsform. Manchmal tauchen TM-Angebote auch im Zusammenhang Ayurvedischer Medizin (s. 6.5) auf.

Inhalte

Maharishi Mahesh Yogi wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Indien geboren, studierte Physik und begab sich in die Schule verschiedener Brahmanen, Gurus und spiritueller Führer. Seine naturwissenschaftliche Ausbildung und seine spirituelle Erfahrung verband er in der Entwicklung einer einfachen Meditationsmethode. Er publizierte verschiedene Schriften und gründete 1957 die Geistige Erneuerungsbewegung, den Vorläufer der Transzendentalen Meditation. Er baute ein rasch wachsendes Imperium auf, das sich von Indien aus in alle Welt ausbreitete.

Einige Charakteristika stechen hervor: So verkündete er unter anderem einen „Weltplan der Erlösung“ (1972) oder den sogenannten „Maharishi Effekt“, der besagt, dass nahezu alle Probleme der Welt verschwänden, wenn nur ein Prozent der Bevölkerung TM praktizieren würde. Er gründete Universitäten und eine „Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung“ (1976). Die TM breitete sich in Form von teils spektakulären spirituellen Übungen („yogisches Fliegen“) weiter aus, erlebte aber auch diverse herbe Rückschläge (die Ausübung von TM an Schulen wurde in den USA untersagt). Nur schwache Erfolge verzeichnete die eigene Naturgesetzpartei bei diversen Wahlen in Deutschland und Europa. Ebenfalls mit eher mäßigem Erfolg wurde ein Programm zum Bau von „Friedensuniversitäten“ und „Friedenspalästen“ aufgelegt, in denen „yogische Flieger“ und andere Meditierende zum Weltfrieden beitragen sollen.

Maharishi Mahesh Yogi starb 2008, doch seine Organisation scheint sich auch ohne ihren spirituellen Führer und Gründer verfestigt zu haben. Verbreitungszahlen sind schwer zu eruieren. In Deutschland geht man von ca. 1000 TM-Anbieter*innen aus, weltweit von ca. 50 000. Die Organisation selbst spricht von Millionen Praktizierenden.

Die Praxis wird bestimmt von der Methode der Meditation. Glaubt man den vollmundigen Werbeversprechen, so kann sie sämtliche Probleme der Menschen und der Welt lösen und wird damit selbst zu einer Art Erlösungsweg. Die Einführung in die TM erfolgt in sieben Stufen. Sie beginnt mit Einführungs- und Vorbereitungsvorträgen, es folgen Kurse, Gespräche, Verehrungen verschiedener Hindu-Götter und Gurus, ein „geheimes Mantra“ und das Praktizieren diverser Meditationstechniken. Das gesamte Verfahren ist sehr kostspielig, wobei die ersten drei Etappen (Vorträge und Gespräch) noch kostenfrei sind. Praktiziert man TM schließlich, versinkt man in eine das eigene Gedankengut hinter sich lassende Kontemplation, die man in der Regel zweimal am Tag 20 Minuten lang praktizieren soll. Die Stufen des Kurssystems bauen aufeinander auf und werden ebenso wie die vollmundigen Heils- und Erlösungsversprechen oder die angeblich wissenschaftlichen Reputationen von verschiedenen Seiten kritisiert.

Einschätzungen

Die TM bestreitet, einen religiösen Charakter zu haben. Es heißt, TM sei eine Technik, ein einfaches Verfahren, das in alle Religionen, Kulturen und Lebensweisen integriert werden könne. In der TM-Praxis spielen jedoch hinduistische Zusammenhänge wie Gurugefolgschaft, Initiation und Mantra eine große Rolle. Ohne diese religiösen Elemente kann TM nicht praktiziert werden, und sie werden nicht transparent nach außen kommuniziert – wie beispielsweise das geheim gehaltene Mantra, das eine große Rolle spielt.

Die TM konstatiert immer wieder eine angebliche Wissenschaftlichkeit ihrer Angebote. Es ist jedoch keine unabhängige Studie bekannt, die die behaupteten Erfolge bestätigen würde.

Von Kritiker*innen werden immer wieder die unrealistischen Heils-, Erfolgs- und Selbstoptimierungsversprechungen sowie Intransparenz und totalitäre Strukturen problematisiert. In medizinischer Literatur wird vor der Anwendung von TM im Zusammenhang psychischer Erkrankungen gewarnt – exzessive Ausübung kann zu mentalen Störungen führen.

Handlungsempfehlungen

Es können der TM weder kirchliche Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt noch mit ihr in irgendeiner Art und Weise zusammengearbeitet werden. Es ist darauf zu verweisen, dass der hinduistisch-religiöse Hintergrund zwar geleugnet wird, aber vorhanden ist und dass das Glaubens- und Menschenbild mit dem christlichen nicht in Einklang zu bringen ist.

Weitere Informationen

Edzard Ernst: Praxis Naturheilverfahren. Wissenschaftliche Bewertung, Nutzen-Risiko-Analyse, Entscheidungshilfen, Heidelberg 2001, 95.

Matthias Pöhlmann / Christine Jahn (Hg.): Handbuch Weltanschauungen, Religiöse Gemeinschaften, Freikirchen, Gütersloh 2016, 944-957.

http://www.relinfo.ch/lexikon/hinduismus/neuere-aus-dem-hinduismus-stammende-religioese-bewegungen/transzendentale-meditation-tm