Aus der Not eine Tugend machen

Artenvielfältige Totholzstrukturen auf dem Friedhof Leer-Loga

Auf einem alten Friedhof mit vielen großen Bäumen und zahlreichen Hecken fällt bei der Pflege viel Gehölzschnitt an – was soll man damit tun? Auf dem kirchlichen Friedhof Leer-Loga hatten die beiden Verantwortlichen 2013 mehrere Ideen: Aus den Ästen wurden Totholzhecken gebaut – auch Benjeshecken genannt – die anstelle eines Baumarktgartenzauns den Friedhof begrenzen.

Das bei Fällungen anfallende Stammholz sollte eigentlich verkauft werden – doch keiner wollte die schweren Holzstücke in der Schubkarre vom Friedhof holen. So blieben sie auf Haufen liegen und wurden auch als Abgrenzung für manche Bereiche genutzt. Baumstümpfe, zum Teil vier Meter hoch, wurden stehen gelassen und teilweise künstlerisch gestaltet. All das bietet holzzersetzenden Insekten Nahrung und anderen Insekten Platz für ihren Nachwuchs, bietet Kleinsäugern und Vögeln Schutz, Futter und Nistmöglichkeiten.

Aus dem „Abfall“ wurden Lebensräume und auch der Abtransport vom Gelände und dabei entstehende Treibhausgas-Emissionen wurden vermieden. Dem Friedhofsteam gehen die Ideen für Bausteine zur Erhöhung der Artenvielfalt nicht aus: Nistkästen hängen in den Bäumen, eine Streuobstwiese wurde angelegt, aus Rasen sollen Blumenwiesen entstehen und einheimische Sträucher sollen gepflanzt werden und eine freiwachsenden Hecke bilden.

Seit 2017 wird auch ein Umweltmanagementsystem auf dem Friedhof etabliert, um die Attraktivität, die Biodiversität und die Wirtschaftlichkeit systematisch zu verbessern.

„Wir haben einfach gemacht: Wir hatten Ideen, haben sie im Ausschuss vorgeschlagen und dann wurden sie umgesetzt. Dabei hatten wir auch Unterstützung einer Landschaftsarchitektin, die unsere Ideen aufgenommen und konkretisiert hat. Manches war etwas schwieriger umzusetzen, doch wir haben viel erreicht. Bei allem hatten wir auch immer im Blick, etwas für die heimischen Tiere zu schaffen.“

(Wolfgang Vogelsang, Mitglied im Kirchenvorstand und im Friedhofsausschuss)