Projekt „Geschichtenzeit in der Kita"

Bibelpate | Bibelpatin werden

Foto: Dagmar Henze

Die Erfahrung zeigt, Menschen in der erwerbsarbeitsfreien Phase ihres Lebens möchten die Erfahrungen, die sie im Laufe ihres Lebens gesammelt haben, an die nächste Generation weitergeben.

Ältere sind (noch) kirchen- und religionsnäher aufgewachsen als heutige Generationen. In einer Zeit in der die Weitergabe des christlichen Glaubens innerhalb der Familien immer mehr abnimmt, bedarf es Dritter, die Kinder in die Welt des Glaubens mitnehmen.

Evangelische Kindertagesstätten sind Lernorte des Glaubens. Deshalb die Idee die Weitergabe von Erfahrungen mit Gott dort zu platzieren.

Das Projekt in Göttingen ist ein erster Pilotdurchgang. Ziel ist, dass es eines Tages landeskirchenweit Geschichtenzeiten in evangelischen Kindertagestätten.

„Geschichtenzeit in der Kita“

Ein Projekt des HkD (Arbeitsfeld Alternde Gesellschaft und Gemeindepraxis) in Kooperation mit dem Religionspädagogischen Institut Loccum und dem Diakonischen Werk in Niedersachsen 

1. Die Ausgangssituation

  • Der Mitgliederschwund der Volkskirchen in Deutschland ist alarmierend. Die Freiburger Studie prognostiziert für die ev. luth. Landeskirche Hannovers bis 2060 einen Rückgang um 30%. In dieser Situation gewinnt die Weitergabe von Glaubenswissen und das Erleben von authentischer Frömmigkeit zunehmend an Bedeutung.
  • Kirchliche Mitgliedschaftsuntersuchungen zeigen, dass die Weitergabe des christlichen Glaubens innerhalb der Familien immer mehr abnimmt und von Generation zu Generation sinkt. In den meisten Familien findet ein explizites religiöses Leben nicht mehr statt. Auch das Wissen über religiöse Gehalte nimmt ab und kann nicht mehr an die nächste Generation weitergegeben werden. Viele Eltern haben keinen Zugang mehr zu religiösen Themen oder stehen Religion gleichgültig gegenüber, andere lehnen Religion explizit ab.
  • Dagegen ist es oft die Großelterngeneration die noch (!) über authentische religiöse Erfahrungen und Wissen über christliche Themen verfügt. Der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegebene sechste Altersbericht bestätigt, „dass ältere (über 60-jährige) Mitglieder in den christlichen Kirchen nach wie vor kirchen- und religionsnäher und in diesem Sinne frommer sind als jüngere Kirchenmitglieder“ (S. 214).
Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com

2. Das Projekt „Geschichtenzeit in der Kita“ 

soll
a) die Chance (ältere) Menschen, die in kirchlicher Tradition aufgewachsen sind und (noch) authentischen Glauben leben für die Weitergabe von religiösen Gehalten zu gewinnen, nutzen und 
b) die evangelischen Kindertagesstätten als Lernorte des Glaubens weiter profilieren und religiöse Bildung im Alltag der Kita ausbauen. 


Dies geschieht indem 

  •  ergänzend zu der im Alltag der Kita gelebten Religiosität und den im unterschiedlichen Umfang vorhandenen expliziten Angeboten von hauptamtlich tätigen Pastor*innen oder Diakon*innen der Kirchengemeinden, der Einsatz von ehrenamtlichen religionspädagogischen Kräften insbesondere aus der Großelterngeneration gefördert werden soll. 

3. Ziel des Projekts:

  • Durch den Einsatz von Ehrenamtlichen, die christlich sozialisiert sind, ihren Glauben leben und an der Weitergabe von biblischen Inhalten und christlichen Werten an die nächste Generation interessiert sind, wird die Vermittlung von Glaubenswissen und authentischer Glaubenserfahrung in der Kita ausgebaut und damit das evangelische Profil der Kitas gestärkt.
  • In der Begegnung mit (älteren) Menschen, die persönlich durchdrungen biblische Themen ins Gespräch bringen, lernen Kinder den christlichen Glauben kennen.  
Bild: pronoia/Adobe Stock

4. Projektbeschreibung

  • Männer und Frauen, die Zeit, Interesse und Lust haben, für eine bestimmte Zeit verbindlich in einer Kita religionspädagogisch tätig zu werden, werden für diese Aufgabe zu sog. Bibelpat*innen geschult und bei ihrem Einsatz in der Kita begleitet. Wünschenswert ist es, dass die Ehrenamtlichen eine Verbindung zu der Kirchengemeinde vor Ort haben.
  • Nach absolvierter Qualifizierung führen die Ehrenamtlichen in Absprache mit dem pädagogischen Fachpersonal und den Verantwortlichen in der Kirchengemeinde religionspädagogische Angebote wie z.B. eine wöchentliche Erzählstunde zur Bibel, eine/n Projekttag/woche zu einem biblischen Thema, Andachten etc. durch.
  • Die Fortbildung der 6 bis 10 Ehrenamtlichen (pro Kurs) soll in den Kirchenkreisen nach einem festgelegten Curriculum in Kooperation mit den Familienbildungsstätten jeweils vor Ort durch geeignete Ausbilder*innen geschehen. Auch während der Projektphase sollen die Ehrenamtlichen begleitet werden.
  • Im Vorfeld des Projekts werden Gespräche mit den Pädagogischen Leitungen und den jeweiligen Vorständen der Kita-Verbände bzw. mit den Kirchenvorständen geführt. Hier ist der Bedarf und das Interesse im Grundsatz abzuklären und es sind Kooperationen und Unterstützungen zu vereinbaren. Ggf. ist aus der Initiativgruppe, der pädagogischen Leitung, der Fachberatung und mit Vertretern der Verbände eine Steuerungsgruppe zu gründen, die den Projektprozess begleitet.
  • Die konzeptionelle Verortung und genau Ausgestaltung des ehrenamtlichen religionspädagogischen Projekts in den Einsatzkitas muss gut mit der Kita Leitung und den pädagogischen Fachkräften der Kita sowie mit dem Pfarramt und dem KV der betreffenden Kirchengemeinde abgeklärt werden und ist im Detail zu besprechen.
  • Das Projekt „Geschichtenzeit in der Kita“ wird zunächst im Kirchenkreis Göttingen erprobt. In einer zweiten Phase soll es dann - nach Evaluation der Erfahrungen aus dem Pilotprojekt - nach und nach landeskirchenweit beworben werden. 

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Dr. Dagmar Henze
Tel.: 0511 1241-593

Arbeit mit Älteren

Referentin für das Projekt „Alternde Gesellschaft und Gemeindepraxis"
Pastorin