Qualitätsentwicklung - seit 2009 Projekt der Landeskirche

Aktuelle Gemeinden im QE-Prozess

Über 40 Kirchengemeinden und Regionen haben seit 2009 mit Qualitätsentwicklung begonnen. Der größte Teil arbeitet kontinuierlich an der Qualität der Angebote und Strukturen weiter.

Die erlernten und erprobten Vorgehensweisen und Methoden werden dabei auf vielfältige Weise in den „Arbeitsalltag“ integriert. Thementage und Beratung vor Ort werden nach Bedarf genutzt und werden den Gemeinden und Regionen weiterhin kostenfrei geboten.

Zur Vernetzung untereinander ist eine interne News-Gruppe eingerichtet worden.

„Qualitätsentwicklung ist Gemeindeentwicklung“

So lautet das Resümee der acht Qualitätsentwicklungs-Teams, die am Samstag, 3. März 2018 im Stephansstift in Hannover präsentiert haben, was sie in ihren Kirchengemeinden und Regionen an Veränderungen erreicht haben.

Vor Gästen aus der Synode, dem Landeskirchenamt und dem Haus kirchlicher Dienste haben sie Ergebnisse und Erkenntnisse aus einem 1 ½ jährigen intensiven Prozess präsentiert. Teilgenommen haben in diesem – insgesamt dem fünften - Durchgang die Lutherkirchengemeinde Leer, die Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Lautenthal, die Nicolai- und Catharinen-Kirchengemeinde Wahrenholz, die St. Petri-Kirchengemeinde Müden/Aller, die Laurentius-Kirchengemeinde Schledehausen, die St. Lamberti-Kirchengemeinde Selsingen, die Region Göttingen Süd und das Verbundene Pfarramt Ohsen.

Die Qualitätsentwicklung ist damit aber nicht beendet. An der Umsetzung der Ziele, die sie sich gesteckt haben, wird kontinuierlich weitergearbeitet. Die Unterstützung durch Thementage und Beratung vor Ort wird ebenso weiter angeboten.

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Abschlusskolloquium für sechs Gemeinden am 3. und 4. März 2017

Nach der Pilotphase haben inzwischen die Gemeinden des dritten Kurses ihren QE-Prozess mit einem Kolloquium beendet und Urkunden über die Teilnahme erhalten.

„Ich kann mir vorstellen, dass Martin Luther Freude hätte an Qualitätsentwicklung, zu sehen, dass Christenleute sich aufmachen, das, was „Christum treibet“, in Formen zu bringen, in denen Gemeinden, `Pfaffen und Laien` gut miteinander leben und arbeiten können, wo das Priestertum aller Getauften ernst genommen wird“, so begrüßte Oberkirchenrätin Dr. Heike Köhler in ihrer Andacht die Qualitätsentwicklungsteams aus sechs Kirchengemeinden am Samstag, 3. März im Stephansstift in Hannover zu ihrem Abschluss-Kolloquium. 

Nach dieser Einstimmung haben die Teams der sechs Kirchengemeinden engagiert und anschaulich die Ergebnisse und Erkenntnisse ihres fast zweijährigen Qualitätsentwicklungsprozesses präsentiert.

Die Kirchengemeinde Lüne hat beispielsweise ein Konzept für die ehrenamtliche Arbeit entwickelt und dabei von den aufeinander aufbauenden Schritten des QE- Prozesses profitiert: die Überarbeitung des vorhandenen Leitbilds und eine Analyse des „Handlungsfeldes Leitung und Mitarbeitende“ haben zur Entwicklung von konkreten  und genau zur Gemeinde passenden  Zielen und Maßnahmen geführt, die nach einem gesteckten Zeitplan umgesetzt wurden. 

Alle Rückmeldungen aus der Abschlussveranstaltung bestätigen: der hohe Aufwand hat einen mindestens ebenso hohen Nutzen. „Wir haben bei der Entwicklung unseres Leitbilds die Gemeinde beteiligt. Beim Ehrenamtsfest und Neujahrsempfang konnten alle Anwesenden über ein Punktesystem ihre Meinung zu den Vorschlägen des Kirchenvorstands und QE-Teams kundtun,“  sagt Cornelia Waldmann aus dem Vorstand der Zachäus-Kirchengemeinde in Hannover. „So wird es in der Gemeinde als verbindende und verbindliche  gemeinsame Grundlage wahrgenommen. Das bestätigen auch die ersten Rückmeldungen.“

So ist, mit den Worten von Frau Dr. Köhler, Qualitätsentwicklung eine gute Methode, mit der „`Pfaffen und Laien` gemeinsam an der Veränderung arbeiten und Verantwortung für den gelebten Glauben übernehmen.“
Für alle beteiligten Gemeinden steht fest: das Kolloquium ist kein Abschluss, sondern Übergang aus der Projektphase in eine kontinuierliche Weiterarbeit an der Qualität in den Gemeinden. Neue Handlungsfelder werden in den Blickgenommen und mit den erworbenen Kenntnissen und Instrumenten verbessert.

Erkenntnisse der QE-Teams waren bislang beispielsweise:

  • QE schafft Transparenz in der gemeindlichen Arbeit.
  • QE schafft Leitlinien, gibt Orientierung und schafft Sicherheit.
  • QE weitet den Blick über den Tellerrand hinaus.
  • Qualität entwickeln hilft, zukunftsfähig zu sein, Mitglieder zu binden und als Gemeinde attraktiv zu sein.
  • QE ermöglicht einen klaren Blick auf das, was nicht so rund läuft und auf das, was gut läuft.
  • Wenn man eine Struktur hat, spart man sich (viele) Diskussionen.
  • Mitarbeitende erhalten durch QE einen anderen/neuen Blick auf die Gemeindestruktur.
  • Abläufe werden optimiert und Aufgaben kompetenter wahrgenommen.

 

Erprobung erfolgreich abgeschlossen

Synode der Landeskirche beschließt Fortführung

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Foto: HkD 

Gemeinden und Regionen können ab April 2013 auch in den kommenden fünf Jahren freiwillig an dem Projekt teilnehmen. Nach Abschluss der gut anderthalbjährigen Erprobung mit 13 Kirchengemeinden und einer Region hat die Synode der Hannoverschen Landeskirche im Juni 2012 das Projekt als sehr erfolgreich bewertet. Die Landessynode bat das Landeskirchenamt zu prüfen, ob für eine Fortführung die nötigen Mittel bereitgestellt werden können.

Bereits im Januar 2012 sind die Pilotgemeinden in Hannover zum Abschlusskolloquium zusammen gekommen. Hier stellten alle QE-Teams mit Begeisterung ihre Abschlusspräsentation vor und erhielten abschließend ihr Teilnahmezertifikat vom geistlichen Vizepräsidenten Arend de Vries.
 
Das Pilotprojekt – und insbesondere die Erprobungsphase – hatte zum Ziel, praktische Erfahrungen mit Qualitätsentwicklung in Kirchengemeinden zu sammeln, den Grundansatz und das methodische Handwerkszeug zu überprüfen und auszuprobieren, welche Schritte in welchen Zeiträumen für Kirchengemeinden umsetzbar sind.
Ein grundsätzliches Fazit des Lenkungskreises lautet: Qualitätsentwicklung ist ein geeignetes Instrument zur Entwicklung von Kirchengemeinden.
 
Der für die Landeskirche entwickelte Grundansatz einer systematischen Qualitätsentwicklung wurde von den Pilotgemeinden als hilfreich, unterstützend und umsetzbar erlebt, sozusagen als Qualitätsentwicklung mit ‚gesundem Menschenverstand’. Als „Kontrolle von oben“ wurden die QE-Prozesse von den QE-Teams nicht wahrgenommen. (Zitate aus den Gruppendiskussion in der Box am rechten Rand.)

Qualitätsentwicklungs-Teams der Pilotgemeinden

Beworben haben sich innerhalb von vier Wochen 26 Kirchengemeinden. In den 14 Pilotgemeinden wurden Qualitätsentwicklungs-Teams (QE-Teams) gebildet, die aus 4 bis 6 Personen bestehen. Mit einer Ausnahme gehört jeweils ein/e Vertreter/in des Pfarramts zum QE-Team, ebenso Mitglieder des Kirchenvorstands, hauptamtliche Mitarbeitende (Diakon/in, Pfarramtssekretärin) und weitere ehrenamtlich Mitarbeitende. In mehr als der Hälfte der Pilotgemeinden ist es gelungen, bislang nicht zur Kerngemeinde gehörende Gemeindemitglieder für das Team zu gewinnen. Meist sind dies Personen, die in anderen Zusammenhängen bereits Erfahrung mit unterschiedlichen Formen des Qualitätsmanagements gesammelt haben und diese Erfahrung nun in ihrer Kirchengemeinde einbringen wollen.
 
Nach der Auftaktveranstaltung des Projekts im April 2010 wurden die Mitglieder der QE-Teams im Juni 2010 in einer zweitägigen Fortbildung für die Arbeit mit dem Leitfaden geschult. Die Kirchenvorstände haben die Mitglieder der Teams durch einen entsprechenden Beschluss für das Projekt beauftragt und damit eine/n oder auch mehrere Qualitätsbeauftragte bestellt. Die Leitungs- und Entscheidungskompetenz des Kirchenvorstands wurde dadurch nicht berührt.

Die Idee des Pilotprojekts der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

Das dreijährige Pilotprojekt zur Qualitätsentwicklung in Kirchengemeinden der hannoverschen Landeskirche ist am 1. September 2009 gestartet. Eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Hauses kirchlicher Dienste hatte zu Projektbeginn unterschiedliche Modelle des Qualitätsmanagements gesichtet und eine eigene Form entwickelt, die sich am klassischen Qualitätsmanagement orientiert, aber vollständig dem besonderen Charakter der Arbeit in Kirchengemeinden angepasst wurde. Entstanden ist das Handbuch Qualitätsentwicklung in Kirchengemeinden. „Prüfet alles und das Gute behaltet“ – so der paulinische Grundsatz, unter den das gesamte Vorhaben gestellt wurde.

Nach dieser Vorarbeit erfolgte von April 2010 bis Januar 2012 die Erprobung des entwickelten Arbeitsmaterials in der Praxis. Welche der vorgeschlagenen Schritte und Arbeitsmethoden sind für Kirchengemeinden im Gemeindealltag umsetzbar und hilfreich? Wo sind Grenzen des Ansatzes oder der konkreten Umsetzung erkennbar? Welche Ergebnisse werden erreicht? Lohnt der Nutzen den Aufwand?

Zitate aus den strukturierten Gruppendiskussionen:

  • „Aus vielen einzelnen Puzzleteilen ist ein ganzes Bild der Gemeinde entstanden.“
  • „QE hat dazu geführt, dass wir unsere Kirchengemeinde besser kennenlernen.“
  • „Die vielen Facetten unserer Kirchengemeinde in einem spürbaren Zusammenhang zu betrachten, hat bei uns zu neuem Sinn und Motivation geführt“.
  • „Es gibt jetzt mehr ‚Wissende’ in unserer Gemeinde.“
  • „Durch die erlernten Methoden wurden uns die Arbeitsfelder der Kirchengemeinde bewusst und wir konnten uns weiterentwickeln.“
  • „Wir nehmen klarer wahr, was und wer alles in unserer Gemeinde schon ist.“