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Bild: Fiedels @ fotolia.com, Grafik: HkD

Ev.-luth. Martin-Luther-Kirchengemeinde Hannover-Ahlem

Interview mit Bernd Möller

Warum sollte sich eine Kirchengemeinde ins Quartier öffnen?

Zum einen finde ich, ist das der ursprüngliche, christliche Gedanke, sich dem Quartier, dem Umfeld in dem man ist, zu öffnen. Wir sind als Gemeinde sehr daran interessiert, was im Umfeld passiert und sehen auch Probleme. Es sind im Kirchenvorstand und auch im weiteren Umfeld der Gemeinde Menschen dabei, die sich gerne dieser Probleme annehmen möchten.

So gab es in Ahlem zum Beispiel schon im Vorfeld des Zuzuges von Geflüchteten runde Tische. Nach dem Bezug von Heimen für Asylsuchende haben sich gleich viele Menschen um die Zugezogenen gekümmert vom Bereitstellen von Kleidung bis hin zum Nachhilfeunterricht für Kinder. Da hat sich in der Gemeinde, im ganzen Stadtteil, etwas entwickelt. Ein anderes Thema ist das ehemalige KZ-Außenlager in Ahlem. Schon über viele Jahre hat man sich bemüht, Kontakt zur jüdischen Gemeinde in Hannover herzustellen und es gibt auch regelmäßig Gedenkfeiern und Gedenkgottesdienste.

Es werden im Café Faire Bohne aber nicht immer nur Probleme beackert. Ich finde immer ganz schön, dass sich auch eine Gruppe gebildet hat, die sehr gerne Veranstaltungen durchführt, zum Beispiel Kabarett oder Musikveranstaltungen, die inzwischen über den Stadtteil hinauswirken, Ansehen haben und viele Menschen bewegen, dahin zu kommen. So ist es eine Lust, einfach gemeinsam etwas zu machen. Das ist auch ein Anspruch.

Was ist Ihre Vision für ein Quartierszentrum?

Mein Traum wäre tatsächlich, dass das Gemeindehaus von möglichst vielen Menschen aus dem Stadtteil genutzt wird, sowohl für private Feiern, aber auch, dass Ideen an die Gemeinde herangetragen werden, Veranstaltungen zu machen, zum Beispiel, um auf das gegenwärtige Problem hinzuweisen, dass es zu wenig

Kindergarten- und Grundschulplätze gibt, und um Gruppen zu bilden, die das Problem aus der Welt schaffen. Außerdem träume ich davon, dass das Zentrum ein Ort der Begegnung wird, an dem neue Ideen entwickelt werden oder dafür, dass man sich einfach nur mal trifft, um sich über etwas auszutauschen.

Wo sehen Sie die Chancen für Ihre Gemeinde?

Unsere Vorstellung im Kirchenvorstand ist, sich über die Initiative begleiten zu lassen, Kontakte zu anderen Organisation und Menschen im Stadtteil zu bekommen und zwar nicht, um sie binden, sondern um zu erfahren: „Was würdet ihr euch eigentlich von uns wünschen? Wie sehr ihr uns?“. Damit wir noch einmal eine Außensicht bekommen und vielleicht so etwas wie eine Zukunftswerkstatt veranstalten können. Dass wir jemanden von außen bekommen, der einen Prozess moderiert, in dem wir herausfinden, wie wir uns weiter entwickeln können.

Ich wünsche mir dabei, dass die Gemeinde, die einzelnen Menschen, die sich auf den Weg machen, aber auch nicht überfordern. Ich bekomme es oft mit, dass der Motor erst einmal angelassen wird, aber dass – um im Bild zu bleiben – recht schnell das Benzin ausgeht. Der Tank ist nicht ganz voll, weil auch viele andere Sachen anliegen für jede einzelne Person. Ich würde mir wünschen, dass eine Haltung entsteht, wie „Das was wir machen, das reicht aus. Mehr ist auch nicht möglich.“ Oder, dass wir Kontakt zu neuen Aktiven finden. Es soll aus meiner Sicht ergebnisoffen sein. Das ist mir sehr wichtig. Daraus entsteht in der Regel viel mehr. Quartierszentrum ist ein weiter Begriff. Darin können sich viele Menschen in der Gemeinde wiederfinden.

Foto: Stefan Heinze

Bernd Möller,
Mitglied des Kirchenvorstandes