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Bild: Fiedels @ fotolia.com, Grafik: HkD

Braunschweig Nord-Ost

Gestaltungsraum Braunschweig Nord-Ost

Vorhaben

  • Kirche im Gestaltungsraum entwickeln
  • Sich als eine Region verstehen

Interview mit Sabine Wittekopf

Wo sehen Sie die Herausforderungen für Ihren Gestaltungsraum?

Zunächst besteht die Herausforderung darin, überhaupt ein Gestaltungsraum zu werden, dem Ganzen eine Struktur zu geben. Es sind drei Kirchengemeinden. Grundsätzlich arbeitet erst einmal jede Gemeinde für sich, aber es gibt schon Berührungspunkte, Treffen der Pfarrerinnen und Pfarrer, gemeinsame Angebote, auch einen theologischen Gesprächskreis. Manche Sachen lohnen sich auch nicht für eine Gemeinde allein, eine Trauergruppe zum Beispiel. In den Sommerferien reicht es, wenn es jedes Wochenende einen Gottesdienst im Gestaltungsraum gibt. Es heißt zwar schon jetzt Gestaltungsraum, aber wir wollen ein gemeinsames Projekt daraus machen. Ob es mal eine gemeinsame Gemeinde wird, weiß ich nicht. Jetzt wird es wahrscheinlich erst einmal ein Pfarrverband.

Welche Erfahrungen gibt es bereits mit der Arbeit im Gemeinwesen?

Für Hondelage kann ich das nicht so sagen, aber für Querum oder Gliesmarode kann ich sagen, dass es zum Beispiel in Gliesmarode die Gemeinschaft der Gliesmaroder Vereine gibt. So etwas gibt es in Querum auch, es heißt nur Arbeitsgemeinschaft der Querumer Vereine und Körperschaften. Da sind von der Feuerwehr über den Sportverein bis zum Schützenverein alle drin. Die treffen sich gemeinsam, koordinieren oder unterstützen sich gegenseitig. Gemeinsame Veranstaltungen sind noch nicht so viele geplant, aber es gibt eine Organisationsstruktur für das Gemeinwesen. Das gibt es aber schon sehr lange, diese Grundidee, dass die Vereine zusammenarbeiten. Da ist die Kirchengemeine Gründungsmitglied. Sie hat das damals mit ins Leben gerufen. In Gliesmarode haben das schon meine Voränger mitgemacht. 

Welche Rolle spielen die Kirchengemeinden in der Ortsgemeinde, der Kommune?

Das wird deutlich in den Arbeitsgemeinschaften, diesen Gemeinschaften der Vereine. Die Kirchengemeinden sind ein Teil davon. So werden sie auch gesehen. Sie sind ein Teil vom Ortsleben. Ich kann es nicht für die ganze Propstei Braunschweig sagen. Aber ich glaube, in Hondelage und in Querum ist das auch so.

Interview mit Norbert Velten

Wo sehen Sie die Herausforderungen für Ihren Gestaltungsraum?

Die Herausforderungen sehe ich zum einen darin, dass dieser Gestaltungsraum so groß ist, flächenmäßig und auch hinsichtlich der unterschiedlichen Milieus und Quartiere, dass das zunächst relativ unübersichtlich ist. Es gehen da ja vier Kirchengemeinden zusammen, die dann ein ganz heterogenes Gebiet abdecken. Die Herausforderung besteht darin, dass wir uns mit diesen Gemeinden in einen Prozess begeben, an dessen Ende wir eine zentrale Struktur haben, in der wir die diakonischen Fragestellungen, Aufgaben und Herausforderungen dieses Gestaltungsraums ein Stück weit bündeln, in den Blick nehmen, und dann vielleicht auch Prioritäten setzten können, wo wir uns engagieren wollen und wo vielleicht auch nicht.  

Welche Erfahrungen gibt es bereits mit der Arbeit im Gemeinwesen?

Da ich nicht selber in den Gemeinden bin, bin ich nicht ganz im Bilde, welche Angebote die einzelnen Kirchengemeinden haben. Das werden wir jetzt schön auflisten und sortieren. Ich weiß aber, dass es bei der Kirchengemeinde Hondelage sehr viele Berührungspunkte bei der Nutzung von Räumlichkeiten gibt, bei denen man sich mit den örtlichen Vereinen immer wieder arrangiert und auch die eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung stellt für weltliche Gruppen. In Riddagshausen gibt es eine von der Kirchengemeinde organisierte Nachbarschaftshilfe, bei der man direkt mit den Menschen im Quartier zu tun hat, auch mit Menschen, die nicht Kirchenmitglieder sind, teilweise wohlmöglich noch nicht mal gläubig sind. Und das finde ich die nächste Herausforderung, dass wir uns insgesamt als Kirche mit allen, mit der gesamten Gesellschaft vernetzen. Das sehen wir als eine Aufgabe an.

In Gliesmarode gibt es ein Jugendzentrum und einen Aktivspielplatz, der ist geöffnet für alle Kinder und Jugendlichen der Stadt. Die meisten Kirchengemeinden haben Berührungspunkte auch zu Gruppen außerhalb der Gemeinden. Das entwickelt sich im Gemeinwesen, vermutlich noch relativ ungeplant. Da wäre es wichtig, eine Strategie zu entwickeln: Wie können die Kirchengemeinden aktiv auf die Stadtgesellschaft und auf das Gemeinwesen zugehen und sich vernetzen. Ich glaube, das ist für eine Kirchengemeinde selber ganz positiv, wenn Einflüsse von außen auch mal auf einen selber wirken dürfen, ohne dass man immer gleich missionieren will. Das ist ein gegenseitiges Gewinnen, meine ich.

Welche Rolle spielen die Kirchengemeinden in der Ortsgemeinde, der Kommune?

Durch meine Rolle, bin ich sehr viel mit den kommunalen Strukturen verknüpft, noch anders als Kirchengemeinden, durchaus mit den anderen Wohlfahrtsverbänden, mit der Politik und der Verwaltung in engen, teilweise in Arbeitsbeziehungen. Die evangelische Kirche im westlichen Ringgebiet beispielsweise ist sehr, sehr stark am Gemeinwesen orientiert. Diese Gemeinden haben sehr viele verschiedene Hilfeangebote für die Menschen im Stadtteil. Und wir selber haben dort ein kleines Restaurant. Wir organisieren das, aber die Ortsgemeinden sind eingebunden. Da können Menschen mit unterschiedlichem Einkommen hinkommen zu unterschiedlichen Preisen. Wir versuchen immer wieder Orte der Begegnung zu schaffen, weil wir feststellen, dass die unterschiedlichen Milieus nicht mehr so richtig voneinander wissen. Das machen wir aus unserer Perspektive als Diakonie sehr gerne und mit Kirchengemeinden zusammen. Wir versuchen auch Gemeinden zu motivieren, sich für diesen Gedanken zu öffnen.

Wie profitiert die Kommune von dem diakonischen Engagement?

Oberbürgermeister Ulrich Markurth würde bestimmt sagen, dass die Kirche – er kommt selbst aus der evangelischen Jugend – in der Stadt die größte Niederlassungsdichte hat, mit ihren vielen Räumlichkeiten schon. Damit ich als Kommune nicht dauernd neue Räumlichkeiten bauen muss, ist das ein wunderbarer Ansatz, sich dort zusammen zu tun und die Räume gemeinsam zu nutzen. Außerdem kommen die Mitglieder der Gemeinde aus allen Schichten. Das sind wunderbare Multiplikatoren für alle möglichen Ideen, die dem Gemeinwesen letztendlich zugutekommen.

Foto: Stefan Heinze

Pastorin Sabine Wittekopf,
Kirchengemeinde Gliesmarode

Foto: Stefan Heinze

Norbert Velten,
Geschäftsführer der Diakonie im Braunschweiger Land