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Bild: Fiedels @ fotolia.com, Grafik: HkD

Vorhaben

  • Vernetzung noch mehr als bisher betreiben.
  • Wunsch nach Bedarfsanalyse, um gemeinsam mit den Menschen vor Ort ein Vorhaben zu beginnen.
Homepage Kirchengemeinde Arle

Interview mit Hilke Osterwald

Was ist das Arler Forum?

Die Idee zum Arler Forum entstand durch einen Herrn, der mich nach den ersten Pegida-Aufmärschen anrief und meinte: „Da müssen wir doch als Kirche etwas zu sagen.“ Es gab von ihm auch das Bedürfnis, sich auszutauschen. Dann habe ich gedacht, es wäre am besten, ein offenes Forum zu gründen, bei dem kommen kann, wer möchte, wer eine Frage hat oder ein Thema, über das er diskutieren möchte.

Ein fertiges Konzept gab es nicht. Die Idee war: Das wird sich schon ergeben im Tun. Und genau so war es. Das erste Arler Forum fand statt im September 2015 als die ersten vielen Flüchtlinge in die Gemeinde Großheide kamen. Das war natürlich das Thema. Und wir haben sofort reagiert und haben schon im Oktober einen Info-Abend zum Thema „Islam“ angeboten.

Welche Rolle spielt eine Kirchengemeinde in Ostfriesland im Zusammenleben der Menschen

Das ist meine Frage. Ich bin ja noch gar nicht so lange da. Ich war als Kind schon in Arle und bin jetzt nach 50 Jahren wiedergekommen. Und ich stelle fest, dass Kirche sich anfühlt wie ein Verein neben all den anderen. Es gibt den Verein Kirche neben dem Boßelverein und dem Heimatverein. Es gibt auch Zugehörigkeiten, die sich ein bisschen überschneiden, aber von der Struktur und vom Leben her ist es schon, ein bisschen ein Vereinsleben.

Wo sehen Sie den Bedarf kirchlicher Gemeinwesenarbeit in Ihrem Gemeinwesen?

Ich sage mal, was mich bestürzt hat. Ich bin dreieinhalb Jahre dort und ich habe drei alte Menschen beerdigt, die Suizid begangen haben, obwohl die Familien in der Nachbarschaft wohnen und sich auch gekümmert haben. Also: Es gibt eine Einsamkeit. Es gibt eine Verzweiflung. Es gibt eine Sprachunfähigkeit über Gefühle und Nöte.

Was früher so stark war, nämlich „Wir helfen einander in allen Lebenslagen“, geht irgendwie verloren. Also: Menschen vereinsamen und Nachbarschaft ist nichts Selbstverständliches mehr, sondern es ist beliebig. Diese Tragödien waren für mich ein Auslöser, noch mal zu schauen, was wir als Kirche machen können, um Brücken zu bauen, um Menschen zusammenzubringen, um Nöte anders zu erkennen und zwar breiter aufgestellt als „Die Pastorin macht alle Geburtstagsbesuche“. Es geht darum, ein Netz für Menschen zu bilden und eine niedrigschwellige Anlaufstelle zu sein.

Foto: Stefan Heinze

Pastorin Hilke Osterwald,
Vorsitzende des Kirchenvorstandes