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Bild: Fiedels @ fotolia.com, Grafik: HkD

St. Andreasberg

Martinigemeinde St. Andreasberg

Demografischer Wandel in den Harzstädten. Zuzug von Menschen im ALG II Bezug und Armutsthemen. Was kann die Kirchengemeinde leisten, damit Menschen im Alter wohnen bleiben?   

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Interview mit Walter Merz

Wie kommt es, dass Menschen aus St. Andreasberg im Alter ihre Heimat verlassen?

Es sind nicht alle, aber es gibt einige, die St. Andreasberg dann verlassen. Das hängt natürlich in erster Linie mit dem Winter zusammen und den steilen Straßen. „Wie komme ich dann zu den wenigen Geschäften, die es noch gibt?“, fragen sich die Menschen. Im Winter kommen Glättegefahr, Sturzgefahr und die Angst davor hinzu, schließlich auch die Erreichbarkeit von Ärzten. Das ist eine der ganz großen Fragestellungen, besonders im Hinblick auf Fachärzte. Wir haben noch einen Arzt in St. Andreasberg, der aber auch sein 65. Lebensjahr deutlich überschritten hat. Es ist eine Frage der Zeit, bis wir dort keinen Arzt mehr haben.

Welche Aufgaben ergeben sich daraus für die Gemeinde?

Zunächst einmal, diese Frage ins Bewusstsein der Bevölkerung und der politischen Entscheidungsträger zu bringen. Wir sind also diejenigen, die diese Fragen jetzt deutlich zum Thema machen. Das ist das eine. Und dann ist unsere Aufgabe, passgenaue Angebote zu entwickeln. Das könnte möglicherweise sein, dass wir mit dem Seniorenheim bei uns in Kontakt kommen, dass es möglicherweise einen ärztlichen Dienst anbietet, zu dem dann auch andere Menschen dazukommen können. Es kann sein, dass wir uns etwas für Mobilität ausdenken müssen. Das sind so die Hauptfragen.

Wie wollen Sie diese Aufgaben bewältigen?

Wir machen zur Zeit eine aktivierende Befragung älterer Menschen, um genau zu wissen, was sie brauchen. Es hat in St. Andreasberg mal einen Bürgerbus gegeben. Der ist irgendwann nur noch von einer Person genutzt worden. Man hat das Gefühl, dass es diesen Bedarf gibt, es wird aber nicht nachgefragt. Da stellt sich die Frage: Wie kann man ein Angebot passgenauer machen. Wir haben uns deshalb gesagt, wir wollen jetzt erst einmal keine neuen Angebote machen, sondern wirklich warten, was unsere Befragung ergibt und dann schauen, dass wir das passgenau hinbekommen.
Von der Initiative Gemeinwesendiakonie erwarten wir, dass wir uns als Kirchengemeinde noch deutlicher als zivilgesellschaftlicher Akteur verstehen lernen und auch darstellen. Wir wollen also unsere Aufgabe noch besser wahrnehmen, das Bewusstsein dafür noch deutlicher in unserem Selbstbild verankern. Von den Erfahrungen anderer zu profitieren, wäre auch ein wichtiger Punkt. Zudem wollen wir schauen, wie man an Stiftungen, an Europa-Gelder herankommt, um unsere Projekte auch finanzieren zu können.
 

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Foto: Stefan Heinze

Interview

Interview zum Projektauftakt mit Walter Merz, Pastor und Koordinator des Projekts.