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Predigten für die Osterzeit 2015

Osterpredigt 2015


Wir werden leben,  ewiglich,  der Tod spricht nicht das letzte Wort über uns, sondern der Lebendige, der Auferstandene Jesus, der Christus.
Feiern wir diese Freudenbotschaft: Wir werden leben, auch nach unserem irdischen Tod!
Feiern wir mehr und weiter: die Auferstehung im irdischen Leben.
Die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus haben sie erfahren, als sie die Auslegung der  Hl. Schriften verstanden, die Bedeutung des gemeinsamen Brotbrechens und schließlich den Auferstanden erkannten:
(z.B. mit folgenden Worten oder anderen, die für die Prediger authentisch sind, diese Osterfreude ausdrücken)
„ Brannte nicht unser Herz?“ „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.“
„Nichts kann mich scheiden von der Liebe Gottes!“
Ich liebe diese Osterbotschaft, die den Glauben an den befreienden Gott, wie er schon immer da war, endgültig deutlich macht.
Aber oft geht es uns, wie den ersten Zeuginnen der Auferstehung, 
„…sie fürchteten sich.“
Das kennen wir nur zu gut, wie oft sind wir erfüllt von Furcht:
Furcht vor Fremden, Furcht vor Zusammenhängen, die wir nicht verstehen, Furcht vor der Erkenntnis, dass wir unser Leben verändern müssten, damit das Leben siegt, Furcht, dass sich die gewohnte Welt verändert.
So auch die beiden Marias und Salome, voller Sorgen, beschwert mit Last, gingen sie zum Grab: „Wer wälzt den Stein von der Grabestür!“ „ Sie flohen, Zittern und Entsetzen hatte sie gepackt. Sie fürchteten sich!“
Aber hier beginnt das Osterwunder der Auferstehung im Leben, es muss ihnen gelungen sein, die Furcht zu überwinden!
(Frauen sind oft mutig, sprechen, wenn wir Männer schweigen). Sie glaubten  und mussten erzählen, durch Sie können wir heute hören und  glauben:
Nicht das Dunkel bleibt, nicht der Tod hat das letzte Wort,  nicht die Gewalt oder die Mächtigen siegen,  sondern das Leben, Gott selbst, das „Lamm Gottes“, das vermeintlich Schwache wird verwandelt. Was für ein unfassbares Geschenk dieser Glaube, der den Tod überwindet und totes Leben lebendig macht. Gesegnete Ostern!
 (Kurze rhetorische Pause)
Allein – wir glauben es (oft) nicht!
„…denn sie fürchteten sich!“ Oft bleiben wir bei diesen Worten stehen, mit denen das Markus Evangelium ursprünglich endet: „…sie fürchteten sich!“
Dies ist natürlich kein zufälliges Ende es Evangeliums. Es konnte schon damals nicht ausgehalten werden und einige Jahrzehnte später, setzte man einen neuen Schluss hinzu. Aber warum   schreibt der Evangelist Markus dies abrupte Ende? „ …sie fürchteten sich!“
Damit wir erkennen, was uns am Glauben, am Bekennen und am Leben hindert:„ Die Furcht!“
Und noch etwas, damit wir uns die Frauen zum Vorbild nehmen und unsere Furcht überwinden. Denn die Leser und Hörer des Evangeliums wussten schon damals, die Frauen haben ihre Furcht überwunden, haben den Glauben und das Leben ergriffen. Was für ein bewegender Mut! Dies sollte der Gemeinde des Markus Hoffnung geben in ihrer oft schweren Situation.
Wie geht es uns heute?
Spüren wir in unserer Furcht die Kraft dieses befreienden Glaubens, der den Frauen schließlich half, ihre Furcht zu überwinden?
Erleben wir diesen Glauben in aller Furcht und Verzweiflung bei dem Tod eines geliebten Menschen? Erfahren wir diese Auferstehungskraft: Ich bleibe in Kontakt mit meinem geliebten Mann, meiner geliebten Frau, der Tod ist nicht das Ende?
Wie oft trauen wir uns nicht, diesen Glauben zu teilen, davon zu reden: „...Zittern und Entsetzen  hatte sie ergriffen, … sie fürchteten sich!“
Wie befreiend ist, wenn  wir Mut fassen und über unsere Furcht zu sprechen, z. b. mit Kindern und Enkeln. Vielleicht  beginnen wir, zögernd, zu glauben, wie die Frauen und beginnen dann den Glauben zu  teilen:
„Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“
„Unsere lieben Verstorbenen leben, sie leben bei Gott.“
Schließlich können wir  wieder mutiger werde und das Leben auf Erden ergreifen.
Wenn wir an den Gott glauben, der Jesus zum Leben erweckt hat, so hat  dies Auswirkungen auf unser Leben, hier auf Erden, unser Hoffen und Tun wird verwandelt. Es werden bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe.
Für mich beginnt dieser Glaube, diese Hoffnung, diese Liebe mit dem Wort: „Fürchtet euch nicht!“
Die Engel haben es den Hirten zur Geburt von Jesus verkündet:                  „Fürchtet euch nicht!“
Es ist für unser Leben auf dieser Erde die zentrale Botschaft, da die Furcht so tief in uns allen steckt. Ich behaupte, die meisten Probleme jedes Einzelnen und der Welt liegen in der Furcht begründet:
„Ich fürchte, dass ich nicht genug Anerkennung und Liebe bekomme.“
„Ich fürchte mich, wenn mir fremdes und Fremde begegnen.“
„Ich fürchte mich, dass andere Stärker sind, mir nichts Gutes wollen.“
„Ich fürchte der Krieg und die Klimakatastrophe werden kommen.“ usw.
Aus dieser Furcht erwachsen Haltungen wie:
„Trau niemanden außer dir selbst.“
„Unterm Strich zähle ich.“
„Lieber zuerst zuschlagen, bevor der andere zuschlägt.“
„Nur mit Macht bin ich stark und sicher!“
„Ich kann ja doch nichts tun!“
Es erwächst daraus, dass wir uns isolieren und abschotten wollen, nach  vermeintlichen Sicherheiten und Gewinn streben, uns bis ins Irrwitzige hinein hochrüsten,  nach unbegrenzter Macht streben.
Denn wenn wir Macht haben, so fantasieren wir, dann kann mir keiner mehr was. So wie schon Herodes, alle Kinder töten ließ, da er um seine Macht fürchtete. Grausamste Macht Demonstration, wie sie uns bis in unsere Tage immer wieder begegnet.
Wie die Hohepriester und die Römer um ihre Macht fürchteten und Jesus töten ließen. Die Mächtigen lassen töten, bis heute, selber wollen sie ihre Hände in Unschuld waschen.
Überall behaupten die Gewalttäter, gleich auf welcher Seite,  für eine gute Sache zu kämpfen und rechtfertigen damit die schlimmsten Gräueltaten.
Auch wir vertrauen weiterhin, gegen allen Augenschein, in die Macht der Waffen, der Nationen, der Herrschaft von Menschen über Menschen, statt der befreienden Liebe zu trauen, denn: „Wir fürchten uns!“
Der Osterglaube erzählt etwas ganz anderes:
Die Mächtigen zogen gegen Jesus, den Unbewaffneten, mit Schwertern und Spießen, er aber sprach: „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.“ Jesus geht bewusst, vielleicht in aller Furcht, aber erhobenen Hauptes, sich nicht brechen  lassend, bis zuletzt seinen Weg der aktiven Gewaltfreiheit. So wurde er zum Vorbild für Martin Luther King, Gandhi und viele mutige Heute.
Die Menschen  forderten von ihm den  erlösenden Machtbeweis und Gewalt: „Hilf dir selber, steig herab vom Kreuz, ruf die himmlischen Heerscharen...“, aber Jesus  lebt die Feindesliebe, bittet noch am Kreuz für seine Feinde: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Wann leben wir die Feindesliebe?
Jesus Vision war eine verwandelte Welt, in der sich die Menschen im Einklang mit sich selbst, den Mitmenschen und mit Gott befinden. Er glaubte, dass wir uns verändern können und die lähmende Furcht überwinden.
Und wenn wir ihn fragen könnten, wie das gehen soll in dieser Welt?
So würde er bis heute wohl nur eine Antwort geben: „Durch Glaube und  Hoffnung und Taten der Liebe!“
Osterglaube für diese Welt heißt, wir Menschen können leben, was Jesus lebte und predigte: „Liebe Gott und deine Mitgeschöpfe.“ Dies wäre das Reich Gottes, das mitten unter uns wächst, das im Schatten des Kreuzes Blüten der Auferstehung treibt.
Wir können etwas tun gegen den Tod hier in der Welt, gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, auch das ist der Osterglaube, die Auferstehung im Leben, auch dafür ist Jesus gestorben!
Viele leben es dieser Tage durch ihren Einsatz für die Flüchtlinge, die Schutz bei uns suchen.
So wir wahr, wie Dietrich Bonhoeffer es bekannte im Angesicht unfassbaren Leides und Unrecht:„ Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will, aber dafür braucht er Menschen, die sich alles zum Guten dienen lassen!“
Das ist wahrer Osterglaube und dieser hat ihn getragen in den Folterkellern.
„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude: Jesus lebt, in ihm auch ich!“
Der Tod wird verwandelt in Leben und so werden wir einst die Schwerter zu Pflugscharen schmieden und nicht mehr lernen Krieg zu führen.
„ Fürchtet euch nicht!“
„Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“
Amen