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Foto: www.clipdealer.de

Frühjahrstagung des Frauenwerks

Nachricht 09. April 2019

"Anker werfen" - was hält dich auf Kurs?

83 Frauen bestimmen ihren Kurs auf der Frühjahrstagung des Frauenwerks

„Unterwegs auf rauer See‘ – so beschreiben viele Menschen ihr derzeitiges Lebensgefühl und wissen dabei nicht so genau wohin die Reise geht. Und so waren 83 Frauen zur Frühjahrstagung des Frauenwerks nach Hermannsburg gekommen, um gemeinsam den Kurs neu zu bestimmen. Die große Zahl der Teilnehmerinnen machte deutlich, dass die aufgeworfenen Fragen der Tagung tatsächlich die Fragen der Frauen waren: Wo findet mein innerer Anker Halt? Was hilft mir, bei meiner „Fahrt durch stürmische Meer“ auf Kurs zu bleiben?

Die Stichworte sind alle bekannt und werden in der Politik, genauso wie im Freundeskreis oder in der Familie diskutiert: welche Folgen werden die Digitalisierung der Wirtschaft, die Integration der Zugewanderten, die steigenden Mieten in den Städten, der Klimawandel, der Pflegenotstand oder der Rechtsruck in der Gesellschaft haben? Rechte und judenfeindliche Parolen werden wieder salonfähig, das Wort der Kirchen verliert an Bedeutung.

Schon der Apostel Paulus war kurz davor, im Sturm vor Kreta unterzugehen, zeigte Landespastorin Franziska Müller-Rosenau in ihrer Bibelarbeit zur Apg 27 – 28 und das nur maritime Können der Seeleute, eine gute Kenntnis vom Meer und seinen Gefahren, sowie ein tiefes, unerschütterliches Vertrauen des Paulus darauf, dass Gott etwas mit ihm vorhatte, halfen den Sturm zu bestehen.

Höhepunkt der Tagung war am Samstag die Talkrunde mit Gästen, die von Pn. Franziska Müller-Rosenau moderiert wurde: Auf die Frage, wo sie in ihrem Berufsalltag „das stürmische Meer“ erlebe, erzählte Superintendentin Susanne Wendorf aus Bremerhaven, selbst begeisterte Seglerin, von den Veränderungen und Herausforderungen in ihrem Kirchenkreis. Wenn die Menschen nicht mehr in großen Zahlen in die Kirche kämen, dann müsste die Kirche eben dorthin gehen, wo die Menschen sind. - Vor ihrem Gemeindehaus gäbe es eine Bushaltestelle, an der drei Linien sich kreuzten und jederzeit viele Leute gelangweilt auf die Busse warten. Wäre es nicht lohnend, fragte sie, solch eine Bushaltestelle ansprechend und mit Informationen zu gestalten, wie sie es einmal auf Reisen gesehen habe. Dabei könnte es durchaus auch um ein kirchliches oder politisches Thema gehen, wie Nelson Mandela und die Veränderung in Südafrika. – Und wichtig für die Zukunft sei, überall dort, wo in Gemeinden Ehrenamtliche Energie, Ideen und Engagement zeigten,  dies konsequent zu unterstützen, sagte Wendorf.

Seemannsdiakonin Kerstin Schefe aus Stade schaute in ihren Erzählungen weit über den Tellerrand hinaus. Viele Seeleute, mit denen sie im Seemanns-Club zu tun hat, berichten von erschütternden Erfahrungen auf dem Mittelmeer. Sie sind oftmals diejenigen, die die Folgen der abgrenzenden Flüchtlingspolitik Europas unmittelbar zu spüren bekommen. Sie fühlen sich zerrieben zwischen den Erwartungen der Reedereien, pünktlich die Ladung ihrer Schiffe abzuliefern und dem Wunsch dringend einem hilflos im Wasser treibenden Geflüchteten helfen zu wollen. – Was heißt da für die Seemannsdiakonin „auf Kurs bleiben“? Oftmals bedeutet es, einem konkreten Menschen zur Seite zu stehen, im seelsorgerlichen Gespräch zuzuhören, die Verzweiflung mit auszuhalten.

Foto: Rita Steinbreder
Foto: Rita Steinbreder

Auch für Pastor Wilfried Manneke (lange Jahre Pastor in Unterlüß) bedeutet auf Kurs bleiben: seinem Engagement treu bleiben und gegen den aufkommenden Rechtsradikalismus Position zu beziehen. „Rechtsextreme Weltbilder und Orientierungen sind eine Gefahr für unsere Demokratie und Gesellschaft. Sie sind längst keine Randerscheinungen mehr. Rechtsextreme und rechtspopulistische Positionen begegnen und heute in allen sozialen Schichten.“ In seinem Workshop „Nächstenliebe verlangt Klarheit“ lud Pastor Manneke dazu ein, Gesprächssituationen mit Menschen mit rechter Gesinnung nicht auszuweichen, sondern sich gut darauf einzustellen und das Gespräch einzuüben.

Astrid Lange, Bankkauffrau und seit 11 Jahren als ehrenamtliche Sprengelbeauftragte im Frauenwerks Lüneburg engagiert, berichtete von den Herausforderungen, denen sich Ehrenamtliche gegenüber sehen. Sehr deutlich sei überall der Rückgang der Hauptamtlichen zu spüren, nicht nur in den Gemeinden und Kirchenkreisen, sondern  auch in der Frauenarbeit. Auch als Prädikantin werde sie inzwischen immer öfter angefragt, Gottesdienste zu übernehmen. Neulich habe das dazu geführt, dass sie sich vor ihrem Urlaub völlig erschöpft und ausgebrannt gefühlt habe. Da sei ihr klar geworden, dass sie klare Prioritäten setzen müsse. Das Ehrenamt sei ihr wichtig, und so sie habe beschlossen, ihre Stelle in der Bank zu reduzieren um mehr Freiraum für anderes zu haben. In Zukunft werde sie sich auf die Frauenarbeit, auf die Mitarbeit im christlich- jüdischen Dialog und manche Aufgaben als Prädikantin konzentrieren. Allerdings nur noch auf solche Aufgaben, die ihr wirklich am Herzen liegen.

Foto: Rita Steinbreder

Am Ende der Tagung mit ihren gut besuchten Workshops und der liturgischen Sonntagsbegrüßung galt es reichlich Danke zu sagen:

Ulrike Wolf, Referentin für Umwelt- und Klimaschutz, Klimaschutzmanagerin aus dem Haus kirchlicher Dienste und Dn. Rita Steinbreder, die den Workshop gestalteten unter dem Motto: „Die Bewahrung der Schöpfung hält mich auf Kurs“
Ingrid Philipp, ehrenamtliche Landesbeauftragter des Frauenwerks, mit dem Workshop „In Gott Anker werfen“
Dn. Kerstin Schefe und Dn. Susanne Decker-Michalek mit dem Workshop „Ankerpunkte in Sturmzeiten des Lebens
Dn. Cornelia Renders für umsichtige Workshopbegleitung und die Gestaltung der feierlichen „Sonntagsbegrüßung, sowie Eva-Maria Oehmichen für ihre zugewandte und fröhliche musikalische Begleitung der Tagung

 

Text: Franziska Müller-Rosenau