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LANDESFRAUENPASTORIN PAUL ZUM INTERNATIONALEN FRAUENTAG

Nachricht 08. März 2022

„In manchen Ländern bekommen die Frauen und Mädchen Blumen am 8. März, dem Internationalen Frauentag. In anderen Ländern haben Frauen an diesem Tag arbeitsfrei. Und dann gibt es noch die Länder, in denen Frauen um ihre Selbstbestimmung kämpfen müssen, wo sie körperlicher Misshandlung durch Beschneidung ausgeliefert sind, wo ihnen die Teilhabe am öffentlichen Leben verwehrt wird oder wo sie, oft genug mit ihren Kindern und den älteren Familienmitgliedern vor Krieg und Terror fliehen müssen – die Bilder aus der Ukraine erzählen uns eindrücklich davon.

Schon immer haben sich Frauen in besonderer Weise gegen den Krieg und für den Frieden eingesetzt – selten wurden und werden sie gehört. Der 8. März ist ein Tag, der uns das ins Gedächtnis ruft. Es ist wunderbar, Blumen zu verschenken. Ein freier Tag ist ein Geschenk. Aber vor allem geht es darum, sich daran zu erinnern, dass niemand das Recht hat, gegen den Willen der Anderen Länder zu überfallen, Körper zu missbrauchen und die Freiheit zu nehmen. Das ist für mich in diesem Jahr das Thema des Internationalen Frauentages.“

 

Internationaler Frauentag

Zum Internationalen Frauentag am 8. März gehen Frauen weltweit für ihre Rechte an die Öffentlichkeit. Erste Anregungen kamen von Frauendemonstrationen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA. Die Startinitiative folgte dann aus der sozialistischen und sozialdemokratischen Arbeiterbewegung vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918). 1910 beschloss die Sozialistische Internationale der Frauen in Kopenhagen, jedes Jahr mit einem Aktionstag den Kampf der Frauen für mehr Rechte und bessere Lebensbedingungen voranzutreiben.

Bereits im März 1911 gingen rund eine Million Frauen in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz auf die Straßen. Erste Forderung war das Frauenwahlrecht, das in Deutschland 1918 durchgesetzt wurde. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen erstmals an einer landesweiten Wahl teilnehmen, als eine verfassunggebende Nationalversammlung gewählt wurde. Die Frauen kämpften zudem für kürzere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn, niedrigere Lebensmittelpreise, eine regelmäßige Schulspeisung und legalen Schwangerschaftsabbruch.

Während des Ersten Weltkriegs und unter der NS-Diktatur war der „sozialistische“ Feiertag verboten. Die Nationalsozialisten propagierten stattdessen den Muttertag, der ihrem Frauenbild eher entsprach. Doch im Untergrund lebte der Frauentag weiter: Wer am 8. März seine rote Wäsche im Fenster auslüftete, gab damit ein politisches Statement ab.

Nach 1945 entzweite der Kalte Krieg auch den Frauentag. Im Westen verlor er an Bedeutung, wurde dann vor allem von der Frauen- und Friedensbewegung ab Ende der 1960er Jahre begangen. In der DDR entwickelte sich der 8. März vielfach zum „sozialistischen Muttertag“, an dem Kinder der Mutter Blumen oder selbst gemalte Bilder schenkten. 1977 führten die Vereinten Nationen den Weltfrauentag als offiziellen UN-Tag ein.

Das Land Berlin führte 2019 den Frauentag als gesetzlichen Feiertag ein, als einziges deutsches Bundesland. Auch in Niedersachsen war der 8. März vor vier Jahren als gesetzlicher Feiertag im Gespräch, der Landtag stimmte jedoch für den Reformationstag (31. Oktober).

Foto: Dethard Hilbig