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Ausstellung "Rosenstraße 76" - Häusliche Gewalt

Nachricht 13. November 2018

Theologen fordern Debatte über Gewalt gegen Frauen

Osnabrück (epd). Die evangelischen Theologen Michaela Geiger und Andreas Kubik-Boltres haben die kirchlichen, privaten und öffentlichen Institutionen in Deutschland aufgefordert, sich stärker mit dem Thema sexualisierter Gewalt gegen Frauen auseinanderzusetzen. "Gewalt muss in Wohngruppen, Kindergärten, auf Freizeiten, in Schulen und Kirchen thematisiert werden. Alle Institutionen in Deutschland haben diesbezüglich einen Nachholbedarf", sagte Geiger am Dienstagabend in Osnabrück. Sie ist Professorin an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel.

Dabei müsse bedacht werden, dass Gewalt gegen Frauen auch in der christlichen Tradition ihren Ursprung habe. Zwar beriefen sich Gewalttäter in der Regel nicht explizit auf die Bibel, sagte Geiger am Rande einer Vortragsveranstaltung der Evangelischen Erwachsenenbildung zum Thema "Stützen biblische Texte häusliche Gewalt?". Aber zur christlich-abendländischen Kultur gehörten eben auch "Texte des Schreckens" im Alten Testament, in denen Frauen vergewaltigt und gedemütigt würden. In patriarchalen Gesellschaften könnten solche Texte von Tätern instrumentalisiert werden, die eine angeblich niedere Stellung der Frau als von Gott gegeben betrachteten. Heute komme das etwa noch in evangelikalen Sekten vor.

Der Osnabrücker Theologieprofessor Kubik-Boltres ergänzte, in Deutschland werde häufig der Islam mit der Unterdrückung der Frau in Verbindung gebracht. "Aber die Grundlagen der Gewaltpraxis sind auch unsere Grundlagen." Gerade der Protestantismus habe aus dem Alten und dem Neuen Testament heraus eine sozial-patriarchale Gesellschaft begründet.

Der "Kultus des Hausvaters" sei im Luthertum lange verbreitet gewesen, führte der Religionspädagoge aus. Danach habe der Vater im Haus das Gewaltmonopol gegenüber Frau und Kindern. Damit korrespondiere das Weiblichkeitsideal der stillen, zurückhaltenden Frau, die sich fügt. Bis heute existiere ein Ungleichgewicht von Männern und Frauen in den Leitungsebenen der kirchlichen Institutionen. "Das ist nicht ein Thema von Randgruppen, sondern das Standardprogramm des klassischen Protestantismus. Mit diesem Erbe müssen wir umgehen." (7056/05.11.18)

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