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Tag für Frauen

Armutsfallen für Frauen - und was sich ändern muss 8. September 2018, Hannover

Unter diesem Titel lädt das Frauenwerk in diesem Jahr zum „Tag für Frauen“ nach Hannover ein. In Vorträgen und Workshops soll dem empörenden Umstand nachgegangen werden, dass Frauen in besonderer Weise von Armutsrisiken betroffen sind, obwohl sie einen Großteil der gesamtgesellschaftlich notwendigen Arbeit, wie Erziehung der Kinder und Pflege von Angehörigen leisten.

  • Aufräumen mit dem Mythos: Armut ist keine Frage des Geschlechts

Natürlich gibt es auch Armut bei Männern. Frauen sind jedoch mit 16,3 Prozent überdurchschnittlich von Armut betroffen. Das Ausmaß ihrer Armutsbetroffenheit wächst seit mindestens fünf Jahren kontinuierlich. Das Risiko, in Armut zu geraten, liegt bei Alleinerziehenden (das sind zu 90 Prozent Frauen) bei unglaublichen 43,8 Prozent. Und das, obwohl ihre Beschäftigungsquote seit Jahren zunimmt.

  • Im Alter wird die Diskrepanz noch deutlicher.

In den westlichen Bundesländern erhalten Männer eine Altersrente von durchschnittlich 1040,- Euro, Frauen erreichen im Schnitt 580,- Euro. Im Osten ist der Geschlechterunterschied aufgrund der meist längeren Erwerbstätigkeit von Frauen nicht ganz so groß – sie erhalten im Schnitt eine Rente von 846,- Euro, Männer 1.1.24,- Euro.

  • Armutsrisiko: Muttersein – jetzt und im Alter.

In kaum einem anderen Industrieland sind Frauen finanziell derart abhängig von Männern – und in kaum einem ist ihr Armutsrisiko so groß. Männer haben im Schnitt ein fast 40 Prozent höheres Einkommen, um 60 Prozent höhere Altersbezüge und ein höheres angespartes Vermögen. Rund 40 Prozent der Alleinerziehenden hingegen sind arm; rund 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.
Der Hauptverdiener in den allermeisten Familien mit kleinen Kindern ist nach wie vor der Mann. Die Frau arbeitet Teilzeit, häufig als Minijobberin. Dies schlägt sich später in ihrer Rente nieder. Niedriges Gehalt führt zu niedriger Rente – bis hin zur Altersarmut.

Das Ehegattensplitting begünstigt die klassische Rollenverteilung zum finanziellen Nachteil der Frau. Das Elterngeld kann wenig ausrichten. Mutter sein ist ein finanzielles Risiko. Und es kommt erst dann zum Tragen, wenn es zu spät ist: dann, wenn die Familie zerbricht und der Hauptverdiener sich nicht mehr finanziell verantwortlich fühlt.

  • Sorgearbeit ist nach wie vor Frauenarbeit.

Für Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen gibt es nur sehr wenig Rentenpunkte. Frauen haben über ihren Erwerbsverlauf durchschnittlich knapp 50 Prozent weniger Einkommen angesammelt als Männer, was sich in der Altersrente spürbar bemerkbar macht. Frauen leisten enorm viel, aber nicht rentenrelevant. Unbezahlte Stunden in der Familienarbeit werden auch im Alter nicht honoriert. Die finanzielle Last liegt auf den Schultern der Frau und später im Alter hat sie finanziell das Nachsehen. Wissenschaftler am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit haben ausgerechnet, dass eine Frau im Laufe ihres Lebens auf 64 Prozent ihres möglichen Einkommens verzichtet, zugunsten ihrer Kinder.

Seien Sie dabei, wenn das Frauenwerk ein Positionspapier zur Sorgearbeit vorstellt, freuen Sie sich auf kompetente Rednerinnen, auf ein Trio mit Rock-Pop & Irish-Folk, auf kreative Angebote und einen spirituellen Ausklang.

Franziska Müller-Rosenau
Landespastorin für Arbeit mit Frauen (Frauenwerk)