„Kirchenkino“ in der Kirchengemeinde Edemissen

29. August 2020

Filmveranstaltungen in Kirchengemeinden

Wir haben uns gefragt, was in Sachen „Film“ in unseren Kirchengemeinden los ist. Wir wollten wissen, wie Filmvorführungen vor Ort ablaufen, wie sie vorbereitet werden und was bzw. wen es dazu braucht. 

Dazu haben wir in Edemissen nachgefragt und bedanken uns an dieser Stelle herzlich bei Henning Könemann für den offenen Bericht. Wir wünschen uns, dass andere Kirchengemeinden die Ideen und Anregungen für sich übernehmen und mit ihrer Hilfe eigene kleine oder große Filmveranstaltungen entwickeln. Die Kolleginnen im Arbeitsfeld Bücherei- und Medienarbeit beraten Sie dabei gern.

Vor der Veranstaltung:

Haben Sie schon einmal eine Filmveranstaltung durchgeführt oder bieten Sie mehrere Veranstaltungen an? Gibt es bestimmte Zeiträume, in denen Sie Filme zeigen und warum?  

2010 hat der Förderverein Martin-Luther-Edemissen e. V. erstmalig im Herbst-/ Winterhalbjahr 5 – 6 Mal immer sonntags um 19.30 Uhr zum „Kirchenkino“ eingeladen. Die Terminwahl hat sich bewährt und findet guten Zuspruch bei den Besucher(innen).

In diesem Jahr 2020 wollten wir eigentlich unser 10-jähriges Jubiläum mit einer Filmnacht feiern. Auf Grund der Corona-Pandemie war das leider nicht möglich. Vielleicht holen wir die Jubiläumsfeier, evtl. auch in Verbindung mit einem Film-Gottesdienst, nach. Grundsätzlich findet das Kirchenkino im Ev. Gemeindehaus Edemissen statt, bei geeignetem Wetter auch mal „open air“ im Pfarrgarten.

Gibt es ein Thema, ein Motto, ein Rahmenprogramm, eine Einführung, eine Diskussion, Spiele oder kreative Aktionen zu dem gezeigten Programm?

Im aus sechs Personen bestehenden Vorstand unseres Fördervereins beschließen wir das Jahresprogramm und verständigen uns auf die Filmtitel, vorausgesetzt wir erlangen dafür das öffentliche Aufführungsrecht innerhalb einer kirchlichen Veranstaltung. Dabei ist die Zusammenarbeit mit der kirchlichen Medienarbeit [Bücherei- und Medienarbeit] eine große Hilfe. Literaturverfilmungen, Themen im gesellschaftlichen und kirchlichen Diskurs, Zeitgeschichte, anspruchsvolle Reisedokumentationen etc. finden bei unserem Publikum Zuspruch und Interesse.

Kontakt

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Anja Klinkott
Tel.: 0511 1241-501

Verwaltungsangestellte
Medienpädagogin

Wie viele Personen umfasst Ihr Vorbereitungsteam? Arbeiten Sie haupt- oder ehrenamtlich? Wer entscheidet letztendlich über die Filmauswahl?

Da die Pfarrstellen schon längere Zeit vakant sind, arbeiten wir derzeit ausschließlich ehrenamtlich, früher auch mit Unterstützung des Pfarramtes. Die Filmauswahl, abhängig vom zu erwartenden Publikumsinteresse, wird vom Vorstand des Fördervereins entschieden. Der Förderverein Martin-Luther-Edemissen begreift sich u. a. auch als „fördernder kirchlicher Kulturträger“ für den Bereich Reisen, Kirchenkino, Konzert und Theater.

Arbeiten Sie mit außerkirchlichen Organisationen zusammen? Falls ja, mit welcher?

Es gibt eine gute örtliche Vernetzung mit dem Heimat- u. Archivverein, dem Förderverein der Kreisbücherei, verschiedenen Chören, den Landfrauen, dem Musikverein und natürlich kirchlichen Einrichtungen, wie z. B. der Kita oder der örtlichen Diakoniestation. Unterstützung finden wir auch durch die Kreismedienzentrale des Landkreises Peine.

Wie lange im Voraus planen Sie? Wer unterstützt Sie bei Ihrer Planung? Sind Sie mit der Unterstützung zufrieden?

Im November beginnen wir mit der Planung des Folgejahres. Unsere Filmanfragen werden von der kirchlichen Medienarbeit immer zeitnah beantwortet und ggf. mit Alternativ-Vorschlägen versehen.

Worauf sollte man bei der Planung aus Ihrer Sicht unbedingt achten? Haben Sie eine kleine Checkliste oder gibt es gar nicht so viel, das man vergessen könnte?

Wir haben zwar keine Checkliste! Vielleicht wäre eine solche Liste für später Mitarbeitende hilfreich!? Natürlich ist die Raumgestaltung und technische Ausstattung wichtig. Wir haben mit improvisierten mobilen Geräten begonnen und seit einigen Jahren im Gemeindesaal einen leistungsstarken festen Beamer und Lautsprecher unter der Decke installieren lassen. Eine passable Bild- und Tonqualität halten wir für sehr wichtig. Gegen eine freiwillige Spende werden Getränke und Knabbereien vor dem Filmstart angeboten. Es gibt immer eine kurze offizielle Begrüßung der Besucher durch ein Mitglied des Vorstandes, ggf. auch ein paar erläuternde Informationen zum Film, ebenso eine kurze Verabschiedung ggf. mit Hinweis auf das nächste „Kirchenkino“.

Wie machen Sie auf Ihre Veranstaltung aufmerksam? Erhalten Sie Hilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit und von wem?

Kirchliche Publikationen (Gemeindebrief, Website, Handzettel), Abkündigungen in den Gottesdiensten, Rundmail, das Mitteilungsblatt der politischen Gemeinde und Tageszeitungen ohne Nennung der Filmtitel.

Mit welcher Anzahl an Gästen rechnen Sie pro Veranstaltung? 

25 – 50 Besucher(innen)

Welche Voraussetzungen müssen die Räume erfüllen? Welche Technik ist erforderlich? Woher bekommen Sie diese? Erhalten Sie Unterstützung und wenn ja, von wem? 

Als Förderverein haben wir die technische Ausstattung selbst finanziert und sind dabei vom Kirchenkreis bonifiziert worden.

Während der Veranstaltung

Welche Gäste kommen zu ihrer Veranstaltung? 

Hauptzielgruppe ist die mittlere bis ältere Generation. Abgängig vom Filmtitel finden sich auch mal jüngere Besucher(innen) ein. Im Durchschnitt sind es etwas mehr weibliche Teilnehmer(innen).

Wer unterstützt Sie während der Durchführung? Sind sie damit zufrieden?

Bei einer Wiederbesetzung der Pfarrstellen erwarten wir eine erneute (organisatorische) Unterstützung und Verzahnung mit der anderen Gemeindearbeit.

Nach der Veranstaltung

Welche Rückmeldungen haben Sie erhalten? 

Wir erhalten viele positive Rückmeldungen, die nicht immer nur mit dem ausgewählten Filmtitel sondern auch mit dem Begegnungscharakter der Veranstaltung zusammen hängen. Einige Male haben wir auch schon einen kleinen, zum Inhalt des Filmes passenden Snack bzw. Getränke angeboten. Solche Abende finden in der Regel große Zustimmung und Resonanz.

Berichten Sie im Anschluss von Ihrer Veranstaltung? Wenn ja, wo?

Wir berichten regelmäßig im „Treffpunkt“, dem Gemeindebrief der Martin-Luther-Kirchengemeinde Edemissen, manchmal auch in der Lokalpresse und auf der Website der Kirchengemeinde.

Warum haben Sie sich für diese Form der Gemeindearbeit entschieden? Gab es einen konkreten Anlass? Wie profitiert Ihrer Meinung nach die Gemeinde davon? 

Auf der Suche nach „niederschwelligen“ Angeboten für kirchenfernere Menschen haben wir uns neben anderen Angeboten für das aus unserer Sicht leicht umzusetzende „Kirchenkino Edemissen“ entschieden und dabei schnell Zustimmung gefunden. Inzwischen haben auch ein oder zwei andere Kirchengemeinden unseres Kirchenkreises ein ähnliches Angebot eingerichtet.

Haben Sie weitere Tipps für Kirchengemeinden, die mit dem Gedanken spielen, eine Filmveranstaltung durchzuführen? 

In jedem Fall ein ehrenamtliches Team verantwortlich beteiligen. Eine gute Mischung der Filmtitel zwischen anspruchsvoller und intelligenter Unterhaltung planen. Auf platte „Lehrfilme mit erhobenem Zeigefinger“ verzichten. Auch Filme zeigen, die nicht im kirchlichen „mainstream“ beheimatet sind. Nachgespräche können sich durchaus ergeben, müssen aber nicht zwanghaft herbeigeführt werden.

Der Schweizer Pfarrer und Poet Kurt Marti hat einmal etwas sarkastisch festgestellt:

„Trefflich sorgt hierorts die Kirche für einige Nebenbedürfnisse des Mittelstandes. Gefragt sind: Ein Hauch heiler Welt mit Dias und Filmen bei Kuchen und Tee.  Ist dafür einer einst aufgehängt worden?“

Auch wenn sich unsere Kirche, die Gesellschaft und die Medienlandschaft inzwischen stark verändert haben, sollte der Kern dieser kritischen Anfrage noch immer Beachtung finden.