Filmtipps "Lebensort Gemeinde - Lernort Kirche"

10. März 2020

Sie sind viel mehr als ein Treffpunkt für Gottesdienste, Kindergottesdienste, Konfirmand*innen oder für den Seniorenkreis: (Kirchen-)gemeinden und Kirchen sind Lehr- und Lernorte für Menschen. Die Kirche im Dorf oder im Stadtteil ist ein weithin sichtbarer Mittelpunkt, etwas, auf das man allein von der überragenden Höhe aufmerksam wird.  Sie erzählt lebendige Geschichte aus Jahrhunderten. Haupt- und Ehrenamtliche Mitarbeitende finden hier Aufgaben,  regen Menschen an, mit einander und füreinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen. Wer erinnert sich nicht, als 2015 mit den vielen Geflüchteten die Gemeindehäuser Anlaufstellen für Hilfe aller Art wurden, nicht zuletzt sehr oft für den Deutschunterricht. Über religiöse Grenzen hinweg verbinden sie die Lebenserfahrungen verschiedener Generationen, Geschlechter und Kulturen. 

Die folgenden Filmvorschläge befassen sich mit unterschiedlichen Aspekten von Gemeinschaft und des voneinander Lernens.

Adams Äpfel

Anders Thomas Jensen, Spielfilm, Dänemark, 2005, Lauflänge 93 Minuten,  FSK 16 

Adams Äpfel - so nennt Ivan, Landpfarrer irgendwo im dänischen Nirgendwo, die Äpfel im Gemeindegarten, seit Adam sich die Aufgabe gestellt hat, aus ihnen einen Apfelkuchen zu backen. Adam ist der Neuzugang in Ivans Oase der Nächstenliebe, in der er Straffällige zu resozialisieren versucht. Seine derzeitigen Schäfchen sind neben dem gewalttätigen Skinhead Adam der Trinker und Triebtäter Gunnar und der arabische Tankstellenräuber Khalid. Auf den ersten Blick ein überzeugter Gutmensch, entpuppt sich Ivans Barmherzigkeit jedoch bald als Besessenheit, die keine Widerrede duldet. Adam beschließt, den Kampf aufzunehmen und Ivans positiver Sicht der Dinge einen Schuss böse Realität zu verpassen. An der sich zuspitzenden Auseinandersetzung zwischen den beiden scheint sich jedoch eine dritte Macht zu beteiligen, die beide einer Prüfung unterziehen will.

Der Film ist eine bitterböse „schwarze“ Komödie, deren skurriler Humor gelegentlich mit deftigen Sprüchen und ironisch inszenierten Gewaltausbrüchen geschmückt ist. Er ist eine mit biblischen Verweisen spielende Parabel voller absurder Überraschungen, er ist realistisch und märchenhaft, heiter und düster zugleich. 2006 erhielt er den Kulturpreis der dänischen Pastoren.  In der Jury-Begründung dazu hieß es: „Ein Neo-Nazi als Medium der Erlösung: Dieser Adam muss erkennen, dass er nicht imstande gewesen ist, dieses Gute, dass er nicht wollte zu verhindern…Eines der provozierendsten Christus-Bilder, die man je gesehen hat.“

Eingesetzt werden kann der Film in der Sekundarstufe II oder in der Erwachsenenarbeit.  Er regt an, traditionelle Rollenbilder und Berufe zu hinterfragen, aber auch, sich mit den biblischen Geschichten, vor allem mit der von Hiob, näher zu befassen.

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Die Sprache des Herzens - Das Leben der Marie Heurtin

Jean-Pierre Améris, Spielfilm, Frankreich, 2015, Lauflänge 90 Minuten, FSK 6

Der Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, erzählt die bewegende Geschichte der Marie Heurtin. Frankreich, Ende des 19. Jahrhunderts: Marie wird von ihrem Vater in ein Kloster gebracht, weil er sich nicht zu helfen weiß, denn Marie kann weder hören noch sehen. Aber damit überfordert sie bald auch die Nonnen – bis auf Schwester Marguerite. Langsam nähert sie sich dem Mädchen und öffnet vorsichtig ein Fenster zu einer Welt, die Marie vorher verschlossen war. Doch Marguerite weiß, dass sie nicht ewig Zeit hat, um Marie auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten, denn sie ist selbst schwer erkrankt…

Wie tickt ein Teenager, der nicht sehen, hören und sprechen kann? Noch dazu in einer Zeit, die keine elektronischen oder digitalen Hilfsmittel kannte? Dabei hatte Marie noch Glück in ihrem großen Unglück: Sie hatte liebevolle, um das Wohl der Tochter besorgte Eltern. Und in Larnay fand sie Nonnen, deren Menschenfreundlichkeit nicht geheuchelt war, die Maries Entwicklung mit großer Geduld begleiteten. Die Erfolge, die Marie schließlich erzielte, wären ohne diese Grundvoraussetzungen niemals möglich gewesen. Die Erziehung normaler Kinder ist bereits eine Lebensaufgabe, an der heute mehr Menschen als früher zu scheitern scheinen. Marie aber war von Geburt an schwerstbehindert.

Die echte Marie Heurtin kam im März 1895 im Alter von zehn Jahren nach Larnay. Sie starb am 22. Juli 1921, 36 Jahre alt, an den Folgen einer Lungenentzündung. Ihre Darstellerin, Ariana Rivoire, ist selbst gehörlos, jedoch nicht blind.

Die deutsche Film- und Medienbewertungsstelle verlieh Jean-Pierre Améris' Film über Maries Leben das Prädikat "besonders wertvoll". "Die Sprache des Herzens" erhielt beim Festival in Locarno 2014 den Publikumspreis der Fachzeitschrift "Variety", den "Variety Piazza Grande Award".  Das Kloster Larnay ist heute nicht mehr in kirchlicher Hand, aber immer noch ein Institut für taube und blinde Kinder. Die dort entwickelte Methode ist bis heute die Grundlage, auf der taubblinden Kindern die Möglichkeit für Beziehungsgestaltung und Kommunikation vermittelt wird.  Auch Klöster waren und sind ein Ort der Bildung und des Lernens. 

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Ein Dorf sieht schwarz

Julien Rambaldi, Spielfilm, Frankreich, 2017, Lauflänge: 90 Minuten, FSK 0

Seyolo Zantoko ist frisch-diplomierter Arzt. Aufgewachsen in Zaire, dem heutigen Kongo, hat er gerade, 1975, sein Medizinstudium in Lille abgeschlossen. Als er einen Job in einem kleinen Dorf nördlich von Paris angeboten bekommt, beschließt er, mit seiner Familie nach Frankreich auszuwandern. Die Stelle als Leibarzt des Präsidenten in Zaire schlägt er aus, er möchte ein anderes Leben für sich und seine Familie. So macht sich die Familie auf, Pariser Stadtleben vor den Augen - und landet in der französischen Provinz. Bei Dorfbewohnern, die zum ersten Mal in ihrem Leben einem afrikanischen Arzt begegnen und alles tun, um dem "Exoten" das Leben schwer zu machen. Aber wer mutig seine Heimat verlassen hat und einen Neuanfang in einem fremden Land wagt, lässt sich so leicht nicht unterkriegen. Und so wird, nach allerlei Hürden, das kleine französische Dorf schließlich eine echte Heimat für Seyolo und seine Familie.

Natürlich ist Julien Rambaldis Film über einen aus Afrika stammenden Arzt, der 1975 eine Praxis in der französischen Provinz übernimmt, hochaktuell. Trotzdem erhebt Rambaldi nie den Zeigefinger. Sein Plädoyer für Toleranz besticht stattdessen durch eine heitere Leichtigkeit und eine feine Ironie (epd-Film).

Eine Gemeinde, die dringend einen Arzt braucht. Ein farbiger Arzt, der mit seiner Familie nicht in seine von Diktatur gebeutelte Heimat zurück möchte. Der in den Augen der Dorfbewohner ungebildete, unkultivierte, fremde Farbige und seine Familie. Die tatsächlich intellektuell eher einfach gestrickten Dorfbewohner. Viele Klischees treffen in diesem Film aufeinander und trotzdem ist er ein leichtes und feinsinniges Plädoyer für eine Gemeinschaft über gesellschaftliche, kulturelle und  politische Grenzen hinweg. 

Auch wenn dieser Film keinen explizit kirchlichen Bezug hat, ist er eine Anregung, wie ein Miteinander in (Kirchen-)gemeinden über soziale und kulturelle Grenzen hinweg gelingen kann. In Deutschland wird im Moment die Frage erörtert, ob und wie eine Arbeitsimmigration den drohenden Fachkräftemangel stoppen kann. Neben Fragen der Qualifikation wird es auch um Fragen der Eingliederung dieser Menschen und ihrer Familien in die Gemeinschaft gehen. Kirchengemeinden konnten bereits 2015 zeigen, welchen wertvollen Beitrag sie zur Integration der Geflüchteten leisten konnten. Diese Herausforderung weiter anzunehmen und auszubauen kann ein wesentlicher Beitrag der Kirchen für die Gesellschaft sein.

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Die Kirche im Dorf

Kurzspielfilm, Deutschland, 2007, Lauflänge 13 Minuten, FSK: Lehrprogramm gemäß § 14 JuSchG, geeignet ab 12 Jahren

Ein evangelischer Dorfpfarrer in Nöten: "Seine" Kirche soll verkauft werden! Auch wenn seine Gemeinde im Prinzip nur noch aus einer älteren Dame besteht, versucht doch der Pfarrer mit allen Mitteln, das Kirchengebäude zu retten. Doch weder seine Bemühungen um Denkmalschutz noch die versuchte Reaktivierung der Dorfjugend noch eine vermeintlich pressewirksame Kampagne helfen, den drohenden Verkauf abzuwenden. Als dann noch die ältere Dame angesichts des geplanten Umbaus der Kirche zur Moschee problemlos zum Islam übertritt, verlässt der Pfarrer schließlich sein Dorf und geht nach Afrika, wo Kirche noch lebendig zu sein scheint. 

Der Kurzspielfilm spricht absichtlich überzeichnend und mit schwarzem Humor Fragen zum Selbstverständnis der Kirche, zur Rolle des Pfarrers und zur Zukunft von Kirche und Gemeinde an. Dies geschieht auf dem Hintergrund der aktuellen Problematik des Umgangs mit Kirchengebäuden in Deutschland angesichts sinkender Finanzierungsmöglichkeiten. So ist mit diesem Film ein wirkungsvoller Impulsgeber für die Auseinandersetzung mit Konzeption und Leitbild der Kirche entstanden.

Das umfangreiche didaktische Material ist sowohl geeignet, das Thema "Kirche und Gemeindeentwicklung" im schulischen Bereich zu behandeln, als auch im Rahmen der Gemeindearbeit mit Blick sowohl auf die gesamte Kirche als auch auf die konkrete Gemeinde im Sinne eines vor Ort erlebbaren Zusammenhangs. Dabei fordert der Film vom Zuschauer die gleiche Distanz, die er selber auf seine ironisierende, schwarzhumorige Art gegenüber dem Geschehen einnimmt. Wenn diese Distanzierung gelingt und eventuell ablehnende Erstreaktionen auf die ironisierende Machart des Films konstruktiv genutzt werden können, bietet der Film einen wertvollen Anstoß zu neuem und lebhaftem Einstieg in das Thema Gemeindeentwicklung und Zukunft.

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Gott und die Welt

Julia Ocker, Kurzspielfilm/Animationsfilm, Deutschland, 2008, Lauflänge 4 Minuten, FKS ohne Altersbeschränkung

Zwei kleine Männchen reden über die Nichtigkeit des Lebens, als ihnen plötzlich Gott erscheint und zu ihnen spricht. Vollkommen begeistert gründen sie eine Kirche für Gott und sind glücklich, bis sie bemerken, dass sie unterschiedliche Bilder von Gott haben. Und schon beginnt der Streit.

„Gott und die Welt“ ist ein auf das Wesentliche gerichteter, minimalistischer Film mit feinen, ironischen Untertönen, der durch die einfachen Gestaltungsmittel der Legetechnik und der gestützten Phantasiesprache  der  beiden  Kontrahenten  besticht.  Besonders  prägnant  kristallisiert  sich  die  Aussage  des  Films auch durch die Reduzierung auf die Farben schwarz und weiß heraus. Aufgrund  der  nicht  erkennbaren  Sprache  und  der  fehlenden  musikalischen  Umrahmung  des  kurzen  Films,  regt  er  die  Zuschauer  an,  sich  selbst  Gedanken  zu  der  kleinen  Geschichte  zu  machen,  die inhaltlich  ein  breites  Spektrum  an  Nachdenken  über  Glaube,  Toleranz,  Streit,  Krieg  und  aktuelle  Geschehnisse  der  Politik  umfasst.  Vom  Kleinen  bis  zum  Großen  wird  jeder  etwas  anderes  in  diesen  gut  gemachten  Kurzfilm  hinein  interpretieren.  So  dient  dieser  Film  als  Impuls  für  Diskussionen  über  einen immer währenden Weltkonflikt vom Alltäglichen bis zum Globalen.

Ein Impulsfilm, der sich gut eignet, um eine Diskussion über das Trennende und das Verbindende der großen christlichen Kirchen anzuregen. Der dazu ermutigt, sich den Anfang des Glaubens und den erteilten Auftrag Gottes bewusst zu machen. Gerade für den konfessionsübergreifenden Religionsunterricht ist er damit gut geeignet. 

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Offen für alle – Kirche und Gottesdienst

Silke Stürmer, Dokumentarfilm mit Spielteilen, Deutschland, 2007, 20 Minuten, FSK: Lehrprogramm gemäß § 14 JuSchG

Zwei Mädchen flitzen auf ihren Cityrollern durch die Stadt. Johanna, die zu Besuch bei Klara weilt, wundert sich über die Architektur der Kirche, bei der zwei Türme durch eine Brücke verbunden sind. Die zwei beschließen, sich das Gotteshaus von innen anzuschauen. Stille empfängt sie drinnen. Dann aber hallen Orgelklänge durch den hohen Raum. Die Mädchen treffen auf den Kantor, der ihnen zeigt, wie dieses besondere Instrument Töne erzeugt.

Dann schauen sie sich weiter um. Es gibt so viel zu entdecken in einer alten Kirche wie dieser, den Altar, die Kanzel, das Kirchengestühl, Grabplatten, den Taufstein. Die Kamera begleitet die beiden, während die Kommentarstimme vermittelt, dass in diesem Haus, dem Haus Gottes, Menschen willkommen sind, die beten oder einfach ein bisschen nachdenken wollen.

Schließlich treffen Johanna und Klara auf den Kirchenführer, der seine Kirche in- und auswendig kennt. Er zeigt ihnen die Krypta und Reste der ursprünglichen Kirche, die hier vor 1300 errichtet wurde. Dabei bekommen sie ein wenig davon mit, wie sich die Geschichte der Kirchenbauten aus der des Christentums heraus entwickelte. Sie erkunden den Glockenturm und entdecken, auf welche biblischen Geschichten sich die vielteiligen Glasfenster der Kirche beziehen. In der Sakristei lernen sie die Pfarrerin kennen, die sich gerade für den Abendgottesdienst ihren Talar überstreift. Schließlich schwirrt den zwei Mädels der Kopf von all den Eindrücken und sie verabschieden sich. Der Zuschauer aber hat auf knapp gefasste und unterhaltsame Weise erfahren, was „Kirche“ eigentlich ausmacht.

Der Kurzfilm zeigt exemplarisch die ganze Bandbreite eines Kirchenbaus: Von der geschichtlichen Bauweise über die Gestaltung der Kirchenmusik und ihrer Instrumente bis hin zu den theologischen Handlungen und Gottesdiensten wird der „Raum Gottes“ für Schulkinder verständlich und leicht erklärt. Dieser Film eignet sich auch, um Schüler*innen anderer Religionen das Christentum verständlich zu machen.

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Giganten der Gotik

Martin Papirowski, Dokumentationsfilm, Deutschland, 2011, Lauflänge 89 Minuten, INFO-Programm gemäß § 14 JuSchG

Nichts ist Zufall: kein Ornament, kein Stein, keine Säule, kein Bogen, kein Raum. Alles hat seinen Platz, seine Form und somit seinen Sinn und seine tiefe Symbolik. Der Kölner Dom ist ein steinernes Credo, der Bau ein Buch, das heute kaum jemand mehr lesen kann. Der Film versucht, die Symbole der Gotik im Kölner Dom, in der Abteikirche St. Denis bei Paris und in der Kathedrale von Chartres zu entschlüsseln. Er führt in die faszinierende Welt dieser einmaligen Bauten und dringt dabei in Bereiche vor, die dem normalen Besucher verschlossen bleiben.

Diese Dokumentation führt ein in die Geschichte des Kirchenbaus, die gleichzeitig auch immer exemplarisch eine Geschichte der Architektur ihrer Zeit ist. Religiöse Symbole wurden in Stein gemeißelt und für ihre Mitmenschen und die nachfolgenden Generationen sicht- und erfahrbar gemacht. Diese Form der religiösen Bildung gerät in der heutigen Zeit gerne in Vergessenheit, daher ist dieser Film gut geeignet für die Arbeit im Religionsunterricht. Auch konfessionell übergreifend können Christen und Nichtchristen die Symbole erkennen und deuten lernen.

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Kontakt

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Anja Klinkott
Tel.: 0511 1241-501

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Medienpädagogin