Film- und Literaturtipp The Hate U give

29. Juli 2020

The Hate U give - Download oder DVD

Die kleine Starr Carter ist erst neun Jahre alt, als sie eine wichtige Lektion erhält. Ihr Vater Maverick erklärt ihr und seinem zehnjährigen Sohn, wie sich sich im Fall einer Polizeikontrolle zu verhalten haben: Höflich bleiben. Alle Fragen der Polizisten sofort beantworten. Die Hände gut sichtbar auf das Armaturenbrett legen. Die Finger spreizen. Keine Frechheiten. Überlebensstrategie für ein farbiges Kind im Amerika des 21. Jahrhunderts. Zusätzlich händigt Maverick seinen Kindern auch das Zehn-Punkte-Programm der Bewegung der Black Panther aus. Auch ihre staatsbürgerlichen Rechte sollen seine Kinder kennen. Im Spannungsfeld dieser beiden Gegensätze entfaltet sich der Film.

Die Literaturverfilmung des gleichnamigen Romanbestsellers erzählt die Geschichte der 16-jährigen Starr Carter. Sie entstammt einer afroamerikanischen Familie und lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in Garden Heights, einem armen, überwiegend von Farbigen bewohnten Viertel. Gewalt und Kriminalität bestimmen den Alltag. Um ihre Kinder aus diesem Umfeld zu lösen, schicken die Eltern Starr und ihre Brüder in eine Privatschule mit überwiegend weißen und privilegierten Schülern. Auch wenn es sie stört, dass sie ihr Verhalten laufend den Ansprüchen der beiden unterschiedlichen Lebensrealitäten anpassen muss, fühlt sie sich in beiden Milieus  gut integriert. Das ändert sich schlagartig, als sie erleben muss, wie ihr Kindheitsfreund Khalil bei einer Verkehrskontrolle von einem weißen Polizisten erschossen wird. Starr ist die einzige Zeugin des Vorfalls und muss sich entscheiden, ob sie vor Gericht aussagt und damit zur Zielscheibe von Drogenhändlern wird, für die Khalil gearbeitet hat. Zur gleichen Zeit formiert sich eine Protestbewegung, die den Tod des Jugendlichen nutzt, um gegen Polizeigewalt zu protestieren. Starr erlebt, wie ihre weißen Mitschüler die „Black-Lives-Matter“- Demonstration als Vorwand zum Schule schwänzen nutzen und ihr weißer Freund von ihrem afroamerikanischen Vater aufgrund seiner Hautfarbe abgelehnt wird. Die 16-jährige gerät zwischen alle Fronten und muss herausfinden, welchen Weg sie für ihr weiteres Leben einschlagen möchte.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Jugendroman der Schriftstellerin Angie Thomas, der 2018 mit dem Preis der Jugendjury des deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet wurde und er es 2017 in den USA auf Anhieb in die Bestsellerliste der New York Times schaffte. Verfilmt wurde er von George Tillmann Jr., die Hauptdarstellerin Starr Carter wird gespielt von Amanda Sternberg. Der Titel bezieht sich auf das Lied des amerikanischen Rappers Tupac Shakur „Thug Life“, ein Akronym für „The Hate u give little infants fucks everybody“, zu deutsch etwa: „Der Hass, den kleine Kinder erleben wird alle zerstören“.

Von den Filmkritikern wurde der Film hoch gelobt und mit vielen Preisen ausgezeichnet. In den Begründungen heißt es beispielsweise: „Der Film behandelt Themen wie Rassismus, Vorurteile und rassistisch motivierter Polizeigewalt auf eindringliche, aber jugendgerechte Weise.“ Weiter heißt es, Gewalt werde nicht reißerisch ins Bild gerückt, und einige Situationen und Konflikte seien emotional sehr intensiv, bewegten sich aber in einem Rahmen, der Kinder ab 12 Jahren nicht überfordert (Freigabebegründung der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, 2018). Von der Deutschen Film- und Medienbewertung wurde The Hate U Give mit dem Prädikat Besonders wertvoll versehen. In dieser Begründung wird herausgehoben: „Das tiefgründige Drehbuch verleiht jeder der zahlreichen Figuren Tiefe und Brüche und macht so deren Erleben und Handeln schlüssig und nachvollziehbar. In diesem Film ist kaum jemand wirklich böse oder nur gut, sondern zeichnet sich vielmehr durch ein vielschichtiges Innenleben aus, das den Personen eine große Glaubwürdigkeit und Authentizität verleiht“ (Deutsche Film- und Medienbewertung, 2019).

Der Film spricht ein junges Publikum an, ist aber gleichermaßen für Erwachsene geeignet und kann, gerade in Anbetracht der aktuellen „Black-Lives-Matter“-Debatte in den USA sowohl im Unterricht wie auch in der Erwachsenenbildung hervorragend eingesetzt werden. Der Roman zum Film steht ebenfalls zur Ausleihe zur Verfügung.

Spielfilm, 2018, USA, Regie: George Tillmann Jr., Lauflänge 128 Minuten, FSK 12, geeignet ab 12 Jahren

Kontakt

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Anja Klinkott
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