Aktivität in der Zwangspause

Wir haben bei den Mitarbeitenden in den Büchereien der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers nachgefragt, wie es ihnen in der  „geschlossenen“ Zeit seit März dieses Jahres erging. Wir haben viele Eindrücke bekommen. Ein paar Wochen sind seitdem vergangen und Sie lesen aus Momentaufnahmen kurz vor den Sommerferien 2020.

Wie haben Sie die Zwangspause genutzt? Sind Sie eher zur Ruhe gekommen oder war der Drang zur Aktivität größer? Haben Sie Rückmeldungen Ihrer Kundinnen bekommen?

In der Zwangspause sind alle Risikomitarbeiter zu Hause geblieben, daher haben wir uns nur einmal pro Woche zu zweit in der Bücherei getroffen. In der Zeit haben wir Medien in den Bestand eingearbeitet und nicht mehr gefragte Medien aus dem Bestand genommen. Ferner habe ich damit angefangen, den Altbestand (Medien vor 2016 eingestellt) in BVS einzugeben. Dann haben wir BVS auf den Laptop einer Mitarbeiterin aufgespielt, die jetzt auch weiterhin den Altbestand von Zuhause aus eingibt. (Danke für die Unterstützung [...] mit ihren BVS Kenntnissen).

Wenn man sporadisch Leser im Ort/ beim Einkaufen traf, wurde gefragt, wann öffnet die Bücherei wieder und gesagt wir vermissen das Angebot.

In der Zwangspause saß ich allein in der Bücherei, so konnte ich mal etwas aufräumen. Und habe dann einfach Bücher über E-Mail bestellt, der Buchladen in […] hat mir die Bücher zugeschickt, die Medien habe ich in der Bücherei eingearbeitet. Die Hygienevorschrift und Abstand mit Mundschutz halten wir ein. Die Älteren Leser habe ich angerufen, um wieder neue Bücher vorbei zu bringen. Sie waren froh und bedankten sich.

Wir haben die Zwangspause genutzt und haben unsere Website erstellt. Wir haben mit den Teamern Videokonferenzen abgehalten und überlegt, wie wir unter Beachtung der Hygienevorschriften den Büchereibetrieb anbieten können. Leser haben uns angesprochen wann die Bücherei wieder geöffnet ist.

Da die Bücherei schließen musste, habe ich per Facebook, WhatsApp und Mundpropaganda verbreiten lassen, dass sich alle Leser per Mail melden können. Die gewünschten Medien, oder eine Auswahl an Titeln, habe ich bis vor die Haustüre gebracht und von dort auch wieder abgeholt. Dieses Angebot wurde besonders von älteren Menschen und Familien gerne angenommen.

Der Landkreis […] hat seinen Starterjobbern eine Arbeit während der ersten zwei Monate komplett untersagt, sodass meine Mitarbeiter nicht helfen konnten.

Da unser Kindergarten, der sich im gleichen Haus befindet, die Zeit für Aufräumarbeiten genutzt hat, hatten wir in der Zeit kaum Zugang zu unserer Bücherei. Ich habe die Zeit genutzt, um meine vorherige Auszeit noch weiter auszudehnen, um wieder fit zu werden. Im Dorf trifft man sich mal auf der Straße und hat etwas Kontakt. Mit den meisten Besuchern, Eltern und Kinder, die den Kindergarten besuchen, hatten wir allerdings wenig bis keinen Kontakt.

Die Kunden, mit denen wir Kontakt hatten, waren sehr einsichtig und hatten mit sich selbst zu tun.

Wenige Rückmeldungen, Kindergruppen wollten gerne kommen.

Wir haben die Nutzer 2x angeschrieben und erst über die Schließung, dann die Wiedereröffnung informiert.

Die Schließungszeit haben wir genutzt, neue Medien einzuarbeiten, auszusortieren,  den Medienbestand zu überprüfen, eventuell umzusortieren und neu zu ordnen.

Wir sind nur ein kleines Team (4+1 für die Reparaturen). Haben untereinander in Kontakt gestanden, teilweise in der Bücherei den Buchbestand überprüft und uns überlegt wie es weitergehen kann.

Diese Zeit haben wir genutzt die Bestände zu sortieren, zu ergänzen, und Inventarlisten zu aktualisieren. Außerdem alle Bücher und die Räumlichkeiten zu reinigen, aufzuräumen und neu zu gestalten.

Auf Anfrage wurden einzelne Leser/innen mit Lektüre versorgt. Ein allgemeines Angebot zur Online- oder Telefonbestellung mit entsprechender Auslieferung haben wir uns zeitlich und personell nicht zugetraut.

In der ganzen Zeit wurden wir vom […] regelmäßig angeschrieben und über neue Entwicklungen informiert. Auch habe ich zu dem Büchereiteam regelmäßig Kontakt gepflegt, und wir haben uns über unsere Arbeit "nach Corona" ausgetauscht.

Wir [in der Krankenhausbücherei] alle haben die Zwangspause zum Ruhen genutzt und sind brav zuhause geblieben.

Drang zur Aktivität

Ich habe direkt die Verantwortung für die Verlängerungen der Ausleihen, die Infos über facebook und die Homepage übernommen, habe E-mails beantwortet, die Statistiken erledigt und einiges in der Bücherei umgeräumt.

Meine Zwangspause war gut ausgefüllt mit Dingen, die aufgearbeitet werden mussten, mit lesen und mit Telefonaten mit meinem Enkel. Wir haben versucht telefonisch, dann über E-Mail eine Kasperle Geschichte zu schreiben. Von unseren Kunden habe ich keine Rückmeldung erhalten.

Genutzt habe ich die Zwangspause mit einer eingehenden Überprüfung unseres Medienbestandes. Außerdem habe ich ein Konzept erstellt, wie es bei einer Öffnung der Bücherei weitergehen kann. Habe viele Briefe geschrieben. Längst fällige Arbeiten im Haus gemacht. Rückmeldungen von Kundinnen hatte ich keine. Da man wenig rausgegangen ist hatte man auch keinen Kontakt.

Die meisten Mitarbeiterinnen haben pausiert und nichts für die Bücherei getan. Es war eben Pause. Und das sage ich jetzt ganz wertfrei. Jeder wie er mag. Ich selbst habe die Zeit genutzt zum Aussortieren, umzuräumen, aufzuräumen, zum Putzen. Und ich persönlich habe zu vielen Kunden Kontakt aufgenommen und teilweise auch Medien zu ihnen nach Hause gebracht. Mit einigen Kunden habe ich mich einzeln in der Bücherei verabredet (wurde vom KV erlaubt). Die Hygienemaßnahmen wurden dabei natürlich eingehalten.

Alle Kunden, die beliefert wurden, haben mit großer Dankbarkeit reagiert! Das wiederum hat mich glücklich gemacht.

Von mir persönlich kann ich sagen, dass ich die Zeit für private Aktivitäten nutzte. Bei den KollegInnen erkrankten einige, jedoch nicht am Virus. Ein Großteil ist Risikopatient mit Vorerkrankungen. In der Krankenhausbücherei gibt es kaum Rückmeldungen (aufgrund kurzer Liegezeiten).

Da das Klinikum über Wochen überhaupt nicht betreten werden durfte, beschränkten sich die Aktivitäten auf die Einarbeitung des Einkaufs (foliieren etc. im „Homeoffice“), der zum Glück noch kurz vor dem erzwungenen Stillstand getätigt wurde. Später musste dann der Neustart im Einvernehmen mit der Krankenhaushygiene geplant und umgesetzt werden. Vermisst haben die Bücherei angabegemäß die ebenfalls im Klinikum tätigen „Grünen Damen und Herren“ sowie Mitarbeitende des Klinikums, die zu unseren Stammkunden gehören.

Wir haben spekuliert, was werden könnte, wann wir wieder starten könnten. Nach ein paar Wochen wurde die Kirchengemeinde per Mail informiert, dass die Bücherei "verpackt" wurde und unser Raum nun anderweitig genutzt werde. Ein Rausschmiss quasi. Nun kamen unser Pastor und der KV ins Spiel: es wurde nach Möglichkeiten für die Unterbringung der Bücherei gesucht. 

Währenddessen kamen zunehmend mehr Anfragen unserer Leser, wann die Bücherei denn wieder öffne. Wir sollten Stillschweigen über das Geschehen im Hintergrund bewahren. 

Wir haben eine neue Homepage (wir-e.de) angelegt und uns bei Facebook angemeldet. Das Anlegen der zahlreichen neuen Mailadressen war ebenfalls viel Arbeit. Wir haben Buchreihen und Hörbuchreihen ergänzt, neue Romane, Bilderbücher und Tonies eingekauft (die Nachfrage nach Tonies ist riesig), Buchempfehlungen für Facebook und die Homepage geschrieben sowie eine KiTa mit zahlreichen Ausleihen unterstützt, die diese wiederum ihren Kindergartenkindern ausgeliehen hat. Alle Rückläufer mussten desinfiziert werden. Bei dieser Gelegenheit haben wir Medien ausgesondert, die nicht mehr unseren Ansprüchen entsprachen.

Über WhatsApp haben wir im Team Kontakt gehalten. Bei den Ausleihterminen sowie der Katalogisierung und technischen Einarbeitung waren wir immer zu zweit und haben uns ausgetauscht. Im Leitungsteam haben wir regelmäßig telefoniert und uns  -mit Abstand-  getroffen.

Wir dachten zunächst, dass wir evtl. Aufräumarbeiten und ähnliches in der Bücherei in dieser Zeit erledigen könnten, allerdings bestand ein Verbot über das Betreten des Krankenhauses. Wir konnten daher in der ganzen Zeit gar nicht in die Patientenbücherei.

Das Personal muss am bewachten Eingang seinen Schlüsselchip vorzeigen. Da wir auch einen Chip haben, war es uns einzeln möglich unseren Büchereiraum aufzusuchen. Über E-Mail und Whats-App hat unser Team von 10 Frauen Kontakt gehalten. Im Mai haben wir über E-Mail eine gemeinsame Einkaufsliste für neue Bücher zusammengestellt. Alle Frauen waren hoch motiviert. Als unsere Buchhandlung unter Hygienebedingungen wieder öffnete, haben zwei Frauen von uns unseren Einkauf getätigt vor Ort. Es hat allen gefallen etwas zu tun, zu Hause oder alleine in der Bücherei die neuen Bücher einzuarbeiten. 

Ja, ich habe mich mit der Situation sehr beschäftigt. Wie wird es nach Corona weitergehen? Kommen die Leser zurück oder werden sie andere Möglichkeiten nutzen? Mir ist bewusst, es wird Änderungen geben.

Viele der Leser/innen zeigten Verständnis. Dann habe ich begonnen ein Hygienekonzept zu erstellen. Die Bücherei auf die Wiedereröffnung vorzubereiten: Plexiglasscheiben über den Schreibtisch, Tische umstellen, Regale umräumen ... Infos im Schaukasten ... Kontakt mit Frau Würfel-Rogge war für mich sehr wichtig.

Nach dem Lockdown haben wir unsere Nutzer durch Aushänge und Pressemitteilungen darüber informiert, dass wir zurzeit nicht öffnen dürfen, sie sich aber keine Sorgen um Verzugsgebühren machen sollen, weil wir vorerst alle Medien um 6 Wochen verlängern. Nach 5 Wochen haben wir alle, die etwas ausgeliehen hatten, angerufen und angeboten, dass die ausgeliehenen Medien während der üblichen Öffnungszeiten, eine Woche später, kontaktlos abgegeben werden können. Wer mochte, konnte eine gepackte Tasche mit Medien - ebenfalls kontaktlos - mitnehmen. Bei der Auswahl haben wir uns am Alter, Geschlecht und der bisherigen Auswahl orientiert. Das war sehr viel Arbeit, hat uns aber sehr viel positive Resonanz gebracht. Alten und kranken Nutzern haben wir die Medien nach Hause gebracht.

Die Anrufe waren zeitaufwändig, allerdings haben sich sehr nette Gespräche entwickelt. Wir haben bei dieser Gelegenheit nach den Mailadressen gefragt, um Informationen schneller transportieren zu können. Bislang hatten wir nur sehr wenige Mailadressen vorliegen. Inzwischen haben wir von fast allen diese Daten.

Diese Aktionen haben wir vierwöchentlich wiederholt, hoffen aber, nach den Sommerferien zur wöchentlichen Ausleihe zurückkehren zu können. Über diese Vorhaben werden die Nutzer laufend informiert.

In der Pause wurde von mir eine längst überfällige Inventur durchgeführt, zu der im normalen Alltag die Zeit fehlte. Ansonsten haben die Mitarbeiterinnen sich und Ihre Lieben mit Büchern versorgt. Die Rückmeldungen von den Leserinnen hielten sich in den ersten Wochen sehr in Grenzen. Mittlerweile kommt jedoch die eine oder andere Anfrage, wann wir wieder öffnen.

Am vergangenen Freitag erhielt ich vom Kirchenvorstand die Information, dass eine Nutzung des Gemeindehauses demnächst wieder möglich ist. Hier bedarf es eines Hygiene-Konzeptes, welches mit dem Kirchenvorstand abgestimmt und von diesem ‚abgesegnet‘ werden muss. Aufgrund der beengten Räumlichkeiten (auch des Zugangs) der Bücherei prüfen wir die Machbarkeiten und Möglichkeiten. Derzeitiges Ziel ist es, spätestens nach den Sommerferien wieder zu öffnen.  

Ich habe die Zwangspause dazu benutzt Inventur zu machen und den Bestand gründlich zu überarbeiten. Die Vorbereitung der Wiedereröffnung war in unserem Fall auch recht zeitaufwändig.

Während der Schließungszeit haben wir immer wieder Aufmunterungen ('hoffentlich macht ihr bald wieder auf...') und Zuspruch nicht nur von unseren Kundinnen sondern im gleichen Maße von unseren Kunden erhalten.