Erste Gedanken zur Schließung

Wir haben bei den Mitarbeitenden in den Büchereien der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers nachgefragt, wie es ihnen in der  „geschlossenen“ Zeit seit März dieses Jahres erging. Wir haben viele Eindrücke bekommen. Ein paar Wochen sind seitdem vergangen und Sie lesen aus Momentaufnahmen kurz vor den Sommerferien 2020.

Wie ging es Ihnen mit der Schließung Ihrer Bücherei? Was waren Ihre ersten Gedanken? Kamen eher Ängste und Sorgen auf? Oder hatten sie vielleicht Hoffnung und Mut?

Die Schließung war erst einmal ein Schock. Der Besuch von Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene, Veranstaltungen mit Schulklassen und die Ausleihe -  alles super. Der nächste Gedanke war, dass viele Verpflichtungen entfallen, wie die Arbeiten, die bei der Organisation von Veranstaltungen anfallen. Dadurch hatte ich Zeit zum Luftholen.

Unsere Bücherei befindet sich als seit 9 Jahren bestehende Notlösung im Keller des benachbarten Altenheims. Meine beiden Kolleginnen, die im März Büchereidienst hatten, standen vor dem Altenheim und konnten auf einem Schild lesen, dass man das Altenheim nicht mehr betreten darf. Informiert wurden wir oder die Gemeinde nicht. 

Für uns war das eine Art luftleerer Raum. Wir wussten nicht, was wird. Es blieb uns nichts anderes übrig, als abzuwarten und unsere Leser über den Schaukasten der Gemeinde zu informieren. 

Am Anfang war es schwierig, da es noch keine genauen Vorschriften für eine Schließung gab. Der Pastor hat mir die Entscheidung überlassen. Anfang März habe ich die Bücherei geschlossen. […] Ich wollte kein Risiko für die Leser und letztlich auch für mich eingehen. Als Krankenschwester war mir klar, dass es ohne Maskenpflicht nicht möglich sein würde, die Bücherei zu öffnen. Außerdem gehöre ich mit einer Vorerkrankung zur Risikogruppe.

Die Schließung unserer Patientenbücherei […] erfolgte am 12.03. Wir ehrenamtlich Mitarbeitenden bedauerten das natürlich, auf der anderen Seite musste das die logische Konsequenz nach den Infektionszahlen sein. Zuerst hatte man natürlich Ängste, aber nachdem wir uns an entsprechenden Maßnahmen hielten, kehrte auch wieder Sicherheit ein.

Mit der Schließung hatte ich keine Probleme, weil ich mir mehrere Bücher ausleihen konnte. Da ich einen Schlüssel für die Bücherei habe, konnte ich mir neuen Lesestoff besorgen. Ängste kamen bei mir nicht auf, aber Sorgen, dass sich nicht alle an die Vorgaben halten.

Unsere ersten Gedanken waren Bedauern. Aber die Notwendigkeit war klar. Die Bilder aus Italien sprachen für sich. Alle hielten sich an die Verordnungen und unser Gemeindehaus war bis Ende Juni für öffentliche Veranstaltungen geschlossen. 

Nie im Leben hätten wir einen solchen Lockdown für möglich gehalten. Wir haben uns Sorgen gemacht, dass wir Nutzer verlieren könnten und/oder wir unsere Medien nicht zurückbekommen.

Es ist für das Team und die Leser ein großes Loch entstanden, mit vielen offenen Fragen. Wie lange müssen wir schließen? Verlieren wir dadurch Leser? Wie können wir zukünftig unsere Bücherei betreiben? Was muss mit zurückgebrachten Büchern passieren?

Natürlich waren wir sehr traurig, dass wir die Bücherei schließen und alle Veranstaltungen absagen mussten, aber in der dramatischen Gesamtsituation im März erschien das nur logisch, verantwortungsvoll und verglichen mit anderen Maßnahmen eher nebensächlich.

Die Schließung der Bücherei traf natürlich alle überraschend. 

Oh je du hast ja nicht alle Bücher zurückgegeben. Dann, hoffentlich geht es schnell vorbei. Denn ohne Bücher geht gar nicht. Und zu guter Letzt, hoffentlich erkranken so wenig wie möglich.

Genannt wurden Hoffnung, Traurigkeit, Verständnis und zumeist, dass eine abwartende Haltung eingenommen wurde. Es war ja nun mal nicht zu ändern.

Hoffnung

Eine große Verunsicherung und Ängste waren in unserem Team, da wir alle altersmäßig zur Risikogruppe zählen.

Mehr Ängste, dass alles zum Erliegen kommt. Unsere Bücherei ist klein und wird gern von Kindergartengruppen besucht.

Zuerst war ich ratlos und fühlte mich vom KV übergangen, weil ich überhaupt nicht in die Entscheidung mit einbezogen wurde.

Seit Mitte März haben wir die [Krankenhaus]Büchereiarbeit eingestellt. Angst und Sorge, aber auch in der Hoffnung, dass es bald wieder weitergeht.

Meine ersten Gedanken bezüglich der Bücherei waren: jetzt könnten die Kinder die Bücher eigentlich gebrauchen. Sorge: Kommen die Nutzer nach der Zwangspause wieder?

Meine ersten Gedanken waren, dass ich es irgendwie schaffen wollte, die Leser unserer Bücherei weiter zu betreuen.

Meine ersten Gedanken waren, dass wir zu möglichst vielen Kunden Kontakt aufnehmen müssen, um weiterhin möglichst viele Medien unter die Leute zu bringen. Irgendwann dachte ich, im Januar bei der Statistik werde ich Tränen in den Augen haben. Der Kindergarten hat ja auch geschlossen und die Ausleihe, die wir dort anbieten, macht einen großen Teil der Statistik aus.

Unsere Patientenbücherei befindet sich in einer Reha-Klinik für Krebspatienten, deshalb hatten wir vollstes Verständnis für die Maßnahme der Klinik, uns den Zugang zur Bücherei bis auf Weiteres zu versagen.

Besorgt bin ich eigentlich nur darüber, ob unser Büchereiteam nach der Normalisierung des Lebens wieder vollzählig zusammenkommt, schließlich gehören wir alle zur Risikogruppe. Bis jetzt haben wir alle durchgehalten.

Da unsere Mitarbeiterin […] zu der Zeit ganz allein in der Bücherei gearbeitet hat, war es für sie sogar eine verdiente Erholung. Ich habe in dieser Zeit nach viermonatiger Krankheit gerade wieder mit einer Einarbeitungsphase begonnen und […] hat sich noch aus gesundheitlichen Gründen aus der Büchereiarbeit zurückgezogen.

Für [meine Kollegin] und mich war es natürlich trotzdem ein Schock, da wir gerade dachten wir würden jetzt wieder ein bisschen besser arbeiten können, weil ich langsam wieder einsteigen wollte.

[…] Ich bin ein eher optimistischer Mensch. Allerdings war es für mich von Anfang an klar, dass wir die Bücherei schließen müssten, da unsere Kunden hauptsächlich Kinder sind und ich auch aus beruflichen Gründen zu viele Kontakte meiden musste. […] ist aus gesundheitlichen Gründen schon im Vorruhestand und hätte am liebsten gleich weiter gemacht.

Natürlich hatten wir – wie die Mehrheit der Bevölkerung – beim Lock-Down Zukunftsängste. Bleiben wir und unsere Familien / Freunde / Bekannte gesund? Wie geht es auch im Job weiter? Wie können wir uns persönlich und ganz allgemein schützen? 

Da war die Schließung der kirchlichen Pforten und damit auch der Bücherei eine sehr nachvollziehbare Maßnahme und geriet neben der persönlichen Komponente eher in den Hintergrund. Bei uns in […] ist nicht nur die Hauptlesergruppe der sogenannten Risikogruppe zuzuordnen, sondern auch die Mehrzahl der Mitarbeiterinnen. Unsere Bücherei ist zudem zu den kleineren im Raum […] zu zählen. Dies macht es möglich, einen persönlicheren Kontakt zwischen Mitarbeiterinnen und Leserinnen aufzubauen, welches beim Bedenken und Einhalten der Schutzmaßnahmen sicherlich auch mehr Verständnis aufkommen lässt.