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Foto: Stephan Eimterbäumer

Wortmeldung Mai 2023

Nachricht 01. Mai 2023

Zum Tag der Arbeit - die Frage nach den Tagen der Arbeit

Die Vier-Tage-Woche

In den letzten fünf Jahren hat die Vier-Tage-Woche[1] zunehmend an Bedeutung gewonnen. Von einer utopischen Idee setzt sie sich langsam zu einem realisierbaren Arbeitszeitmodell durch.

Beschäftigte befürworten das Modell u.a. aus Frustration über die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zusätzlich gibt es die Tendenz, den Stellenwert von Arbeit im Leben anders zu definieren – zugunsten der „Freizeit“.

Für Unternehmerinnen und Unternehmer wird es mehr und mehr zu einem Instrument, um Fachkräfte für sich zu gewinnen. Insbesondere im Handwerk machten durch die Umstellung schon einige Betriebe auf sich aufmerksam.

The UK's four-day week pilot

Für Aufsehen regten vor Kurzem die Ergebnisse der Studie „The UK's four-day week pilot[2]“, in der die Vier-Tage-Woche intensiv untersucht wurde. An der Studie, die von Juni bis Dezember 2022 durchgeführt wurde, nahmen 61 Unternehmen und insgesamt rund 2 900 Beschäftigte teil. Jedes Unternehmen fand bei der Umsetzung individuelle, bedarfsgerechte Lösungen.

Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Vier-Tage-Woche eine Reihe positiver Effekte mit sich bringt. Vor allem das Wohlbefinden der Beschäftigten verbesserte sich sehr deutlich: 39 % der Mitarbeitenden waren weniger gestresst und 71 % wiesen am Ende der Studie ein geringeres Burn-out-Niveau auf. Angstzustände, Müdigkeit und Schlafprobleme gingen zurück. Ebenso wie die Krankheitstage, die im Untersuchungszeitraum um 65 % sanken. Befürchtete Produktivitätseinbußen konnten nicht festgestellt werden. 56 der 61 Unternehmen setzen die Vier-Tage-Woche fort.

Warum das sinnvoll erscheint

Die Vier-Tage-Woche scheint ohne Produktivitätseinbußen einen positiven Effekt auf eine gesundheitsförderliche Arbeits- und Lebensgestaltung zu haben. Ein Argument mit Gewicht! Zusätzlich könnte ein verkürztes Arbeitszeitmodell ein wichtiger Schritt im Zuge der sozial-ökologischen Transformation sein: Denn Transformation kostet Zeit.

Zum einen kostet sie Zeit und Kraft zum Auftanken. Veränderungsprozesse erfordern erhöhte Anstrengungen und sind kräftezehrend. Und zum anderen kostet die Transformation Zeit, um sie umzusetzen. Nachhaltiger Konsum, ein regionaler Einkauf im konsequentesten Falle in einem „Lose-Laden“ oder die Nutzung von Carsharing erfordert im Alltag einen höheren Planungs- und Zeitaufwand. Zeit, die sich lohnt, aber nicht ohne Weiteres zur Verfügung steht. Zeit, die in Konkurrenz zu einer Reihe von Verpflichtungen und schöner Erholungsmomente steht.

Durch die Einführung der Vier-Tage-Woche könnte in der breiten Gesellschaft Zeit geschaffen werden, um die Transformation gesund gestalten zu können.

[1] Hier: Arbeitszeitverkürzung von fünf auf vier Tage bei vollem Lohnausgleich.

 

Zum Download der Wortmeldung

Autorin

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Laura Bekierman

Referentin für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt

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