kopfgrafik_KDA_15_salzstock_jeep_SE

Foto: Stephan Eimterbäumer

Wortmeldung November 2022

Nachricht 01. November 2022

Climate Justice Now! Darum müssen wir den Buß- und Bettag ernst nehmen

Irgendwann im Herbst ist immer dieser Tag, den außer den Menschen im Freistaat Sachsen kaum jemand als Feiertag wahrnimmt: der Buß- und Bettag. Nur in Sachsen ist er gesetzlicher Feiertag. Ein kirchlicher Feiertag ist er aber nach wie vor für alle, die ihn als solchen begehen. In diesem Jahr passt dieser Tag in seiner christlichen Bedeutung der Buße zudem so gut in die Zeit wie lange nicht.

Heute verstehen wir unter Buße eine Strafe, wie bei der vom Ordnungsamt verhängten Geldbuße. Deswegen hört sich der Buß- und Bettag auch so aus der Zeit gefallen an. So als sollte ich eine Strafe leisten für mein sündiges Leben und an diesem Tag darüber ins Gebet gehen. Es hört sich aber nur so an, denn die eigentliche Bedeutung ist verheißungsvoller und eben hoch aktuell.

Der hebräische Begriff schub im Alten Testament bedeutet „auf das Vertrauen zu Gott besinnen“, also sein eigenes Gewissen in den Blick zu nehmen. Im Neuen Testament auf Altgriechisch wird der Begriff metanoia, das „Umdenken“ benutzt, auch hier ist eine Umkehr, ein Sinnes- und Verhaltenswandel gemeint.

Das Wort, das Luther dann in den Übersetzungen genutzt hat, also Buße, hat im Althochdeutschen seinen Wortstamm beim Wort Besserung. Der Weg zur Bedeutung als Strafe war dann nicht weit, aber der Buß- und Bettag hat eben eigentlich diese ursprüngliche Bedeutung, die die Umkehr in den Blick nimmt.

Und warum ist das nun so aktuell wie lange nicht mehr? Der Buß- und Bettag ist ein Tag der Notzeiten gewesen. Deswegen kennen wir die Bedeutung auch nicht mehr, denn unsere Gesellschaft hat nun lange Zeit in Frieden und Überfluss gelebt. Wir haben lange Zeit in unserer Überflussgesellschaft nicht darüber nachgedacht, ob wir die Heizung andrehen oder besser sparen. Wir haben alles zu günstigen Preisen eingekauft und alles war verfügbar.

Nun können wir den 16. November 2022 nutzen uns in Umkehr zu üben. Uns darin zu üben, mit weniger zurecht zu kommen. Was im Vergleich zu vielen anderen übrigens immer noch sehr viel ist.

Die Notwendigkeit Buße zu tun, ergibt sich inzwischen aus einer doppelten Not: Erstens müssen wir jetzt endlich den Klimawandel ernst nehmen und schnellstmöglich CO2-Neutralität erreichen. Außerdem müssen wir gleichzeitig schon die Klimaanpassung in den Blick nehmen. Der Klimawandel ist nicht aufhaltbar und betrifft auch uns im reichen globalen Norden jetzt schon. Wir müssen uns an die neuen Extremwetterlagen anpassen.

Wie das gelingen kann, darüber können wir am Buß- und Bettag nachdenken und reden. Übrigens mit Anspruch auf Freistellung durch den Arbeitgeber zum Gottesdienstbesuch (allerdings unbezahlt).

Zum Download der Wortmeldung

Autor

Sadler-2020-72-nf-l-massel_DSC3600
Benjamin Sadler

Referent für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt in der Wirtschaftsregion Osnabrück

Wortmeldungen

Monatlich erscheint unsere Wortmeldung, die Sie als Papierausgabe erhalten oder digital abonnieren können. Jede Wortmeldung wir von einem Teammitglied verfasst, dazu kommen Gastbeiträge von KDA-Mitarbeiter*innen aus anderen Landeskirchen.

Kontaktieren Sie uns: kda@evlka.de

Archiv Wortmeldungen