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Foto: Stephan Eimterbäumer

Von der Baumwollernte zur Mode. Zwangsarbeit im 21. Jahrhundert

Nachricht 21. Oktober 2021

Veranstaltung mit Dr. Sabine Ferenschild vom Südwind e.V. am 15. November um 18 Uhr

Wer die Modewelt nachhaltiger gestalten will, muss die Produktion ökologischer und zugleich die Arbeitsbedingungen menschenwürdig gestalten. Letzteres ist in vielen Produktionsländern von Baumwolle und Textilien noch nicht der Fall. Exemplarisch hierfür stehen Zwangsarbeitsverhältnisse. Ca. 25 Mio. Zwangsarbeiter*innen gibt es weltweit, viele davon Frauen und Kinder.

Die Internationale Arbeitsorganisation hat das Ziel, Zwangsarbeit und Kinderarbeit bis zum Jahr 2030 abzuschaffen. Dieses Ziel wird nur zu erreichen sein, wenn alle Produktionsschritte bei der Herstellung von Mode und anderen Gütern genau analysiert werden, um Zwangsarbeit erkennen und bekämpfen zu können.

Im Baumwollanbau Indiens leiden viele Pächter und Arbeiter*innen unter Schuldknechtschaft, einer in agrarischen Strukturen besonders verbreiteten Form von Zwangsarbeit. Zur Abzahlung von Krediten müssen Arbeiter*innen und teilweise auch Kinder mehrjährige Arbeitsverträge abschließen, bei denen ein großer Teil der Entlohnung erst nach vollständiger Erfüllung gezahlt wird. Dies ist zwar gesetzlich verboten, wird aber in der Textilbranche in Tamil Nadu und in anderen Landesteilen weiter praktiziert.

In China zwingt der Staat die ethnische Minderheit der Uigur*innen in Umerziehungslager und zu moderner Sklaverei. Sie werden zur Arbeit auf Baumwollfeldern, in Textilfabriken, aber auch im Bergbau gezwungen. Mehr als bedenklich ist dabei das Label „Nachhaltigkeit“, denn Xinjiang ist eines der wichtigsten Anbaugebiete von Bio-Baumwolle und bedient den weltweit steigenden Bedarf. In staatlich organisierter Zwangsarbeit werden hier auch Rohstoffe für die Herstellung von Solarpaneelen abgebaut.

Demgegenüber ist es in Usbekistan gelungen, ein jahrzehntealtes System von Zwangsarbeit der einheimischen Bevölkerung abzuschaffen und zu reformieren. Hier mussten Schüler*innen, Student*innen oder auch Ärzt*innen für bis zu drei Monaten Baumwolle ernten. Lässt sich dieser Erfolg auf andere Sektoren und Länder übertragen?

Wir möchten Wege aufzeigen, wie solche Menschenrechtsverletzungen in der Textil- und Modeindustrie bekämpft werden können. Dazu gehören auch die zivilgesellschaftliche Kampagnenarbeit sowie Dialogprozesse mit Bundesregierung und Unternehmen in Deutschland.

Dr. Sabine Ferenschild ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene mit dem Schwerpunkt Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie. Sie vertritt SÜDWIND in der „Kampagne für Saubere Kleidung“ und im Textilbündnis, einer von der Bundesregierung initiierten Multiakteursinitiative mit Unternehmen aus der Textilbranche, Standardorganisationen, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft.

Wir laden ein zusammen mit dem Evangelisch-lutherischen Missionswerkin Niedersachsen (ELM) und Südwind e.V. zu dieser Veranstaltung
im Rahmen der Ausstellung „use-less - Slow Fashion gegen Verschwendung und hässliche Kleidung“ im Museum August Kestner.

Bitte melden Sie sich über diesen Link an, die Plätze sind coronabedingt beschränkt.

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