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Foto: Stephan Eimterbäumer

Solidarität in der Praxis

Nachricht Northeim, 22. April 2020

Warmes Mittagessen für Menschen der Risikogruppe in der Wohnungslosenhilfe

Arne und Olaf L. als ehrenamtliche Fahrer. Foto: S. Mascher

Solidarität in der Praxis - Oase Northeim

Der Tagestreff Oase ist einer unserer Kooperationspartner unseres Aspect Change Projektes (www.aspect-change.de). Im Normalbetrieb handelt es sich hierbei um einen lebendigen Treffpunkt für von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen, der neben Geselligkeit auch Hilfsangebote z.B. in Form von Mahlzeiten und Beratungen bietet. Im Zuge des Lock-Downs mussten die Angebote eingestellt werden. Das Projekt, das sich daraufhin entwickelte möchten wir an dieser Stelle vorstellen. Ein Projekt, das von Nächstenliebe, Mitgefühl und Solidarität getragen wird:

Der Tagestreff Oase und die Ambulante Hilfe der Diakonischen Gesellschaft Wohne und Beraten mbH haben mit dem Northeimer Netzwerk „Northeim Hilft“ und dem Inhaber von Dons Diner ein Hilfsangebot initiiert – gemeinsam wird für Hilfsbedürftige Essen im Dons Diner gekocht, im Tagestreff verpackt und anschließend durch ehrenamtliche Fahrer in Northeim verteilt.

Angefangen hat alles kurz nach dem Lock down, die Beratungs- und Hilfsangebote des Tagestreffs und der Ambulanten Hilfe mussten unter der Pandemie eingeschränkt werden, so durften nur noch Notberatungen und Beratungen per Mail und Telefon angeboten werden. Auch das Verpflegungsangebot des Tagestreffs war betroffen. Kein Essen mehr für die Besucher, das gab es noch nie und sorgte nicht nur unter den Besuchern für große Sorge. Auch für Beate Wernicke, Sozialarbeiterin im Tagestreff, war dies eine schwere Situation. So ist das Verpflegungsangebot im Tagestreff Oase nicht nur als solches zu verstehen, sondern gilt als Eingangstor in die Hilfe und ermöglicht so manch unangenehmes Thema bei einem Mittagessen mit den Sozialarbeitern anzusprechen oder ersten Kontakt ganz ungezwungen aufzubauen.

Auch in der Ambulanten Hilfe waren die Veränderungen deutlich zu spüren, so konnte man den Klienten oftmals neben der eigentlichen Beratung, dem Beantragen von Sozialleistungen oder der Wohnungssuche auch mit einem unbürokratischen Gutschein für die Tafel, einem Essen in der Oase oder einem Lebensmittelgutschein akut helfen. Alexandra Kruse, Sozialarbeiterin in der Ambulanten Hilfe, macht sich hier Sorgen um die zur Risikogruppe zählenden Klienten, gerade unter den Kontaktbeschränkungen ist es schwer diese adäquat zu versorgen.

Da kam das Angebot von Marco Fries, Inhaber Dons Diner in Höckelheim, und dem Unterstützungsgebot von  „Northeim hilft“ zur richtigen Zeit. So initiierten Beate Wernicke (Tagestreff Oase) und Alexandra Kruse (Ambulante Hilfe) gemeinsam mit den Kollegen vor Ort ein Hilfsangebot für die Risikogruppe unter den Besuchern und Klienten und einigen Klienten der Northeimer Tafel.

Seit dem 02.04.2020 werden wochentags rund 50 Menschen in Northeim mit frisch gekochtem warmen Mittagessen versorgt. Ausgeliefert wird dies von ehrenamtlichen Fahrern, die das im Tagestreff verpackte Essen in Warmhalteboxen den Klienten vor die Haustür liefern.

Das Spektrum der belieferten Klienten ist groß – so werden die Bewohner der Notunterkunft ebenso beliefert wie Menschen mit verschiedenen Suchterkrankungen oder Menschen die aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören oder die aufgrund von diversen Erkrankungen vorbelastet sind, dazu kommen alleinerziehende, Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten zur Essenszubereitung oder Menschen ohne finanzielle Mittel.

Das Essen kommt gut an. Von Frikadellen über Vegetarische Gerichte und Eintopf ist alles dabei. Der Großteil des Klientel ist sehr dankbar, dass sie nun nicht so häufig vor die Tür müssen und sich besser schützen können, andere sind begeistert über das Essen und andere freuen sich über das nette Lächeln der ehrenamtlichen Auslieferer.

Ermöglicht wird diese Aktion durch Spenden aus dem Netzwerk „Northeim hilft“ und Spendern die über den ersten Zeitungsartikel aufmerksam geworden sind. Es werden aber immer noch Zeit- und Geldspenden benötigt, da noch nicht abzusehen ist, wann wir zur Normalität zurückkehren können und einer Wiedereröffnung möglich ist.

Seit letzter Woche liefere ich nun ehrenamtlich das Mittagessen aus. Gesehen habe ich es über Malte Schober. Ich wollte schon lange etwas Ehrenamtliches machen ...einfach bedürftigen Menschen helfen, Gutes tun. Mir geht es gut und ich will ein Teil dazu beitragen das es Anderen, und wenn es mit einem warmen Mittagessen ist, auch gut geht. Alleine dieses Lächeln der Menschen wenn man kommt, ist das wert.

Doreen S., Industriekauffrau

Ich hatte, da unsere technische Ausstattung digitalen Unterricht nur sehr eingeschränkt ermöglicht, plötzlich viel freie Zeit. Mir hat der Gedanke Sorgen gemacht, dass ältere und hilfsbedürftige Menschen noch mehr unter der allgemeinen Krise leiden.

Anja A., Lehrerin

Uns war es wichtig, mit an zu packen und unseren Teil dazu bei zu tragen. Und damit wir diese Krise so gut wie möglich überstehen, denen zu helfen die auf Hilfe angewiesen sind. Mit den Worten von J. F. Kennedy zu sagen: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst."

Olaf und Arne L., Schüler
Alexandra Kruse (Sozialarbeit AH NOM), dahinter Niklas Köhler (Koch) und Marco Fries (Inhaber Dons Diner). Foto: S. Mascher
Beate Wernicke (Sozialarbeit Tagestreff Oase, Irina Kirsch (Hauswirtschafterin TT Oase) und Alexandra Kruse (Sozialarbeit AH). Foto: S. Mascher

Geldspende

Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann dies mit einer Geldspende an den Tagestreff Oase tun - IBAN DE08 2625 0001 0000 0606 65 Verwendungszweck „Lebensmittelversorgung“ . Eine Spendenquittung ist hier natürlich möglich.

Zeitspende

Es werden noch immer Fahrer*innen gesucht, die bei der Auslieferung unterstützen. Ein eigenes Fahrzeug ist nötig, ein Benzinzuschuss möglich.

Kontakt

Wer Interesse, Rückfragen oder Zuspruch äußern möchte, gerne an: Beate Wernicke, Leiterin des Tagestreff Oase an b.wernicke@diakonie-dwb.de