Nutzen einer Gemeinwohlbilanz am Beispiel der Diakonie Herzogsägmühle

Nachricht 25. November 2020

Bericht über die Veranstaltung

Am 25. November fand in Kooperation der Gemeinwohl-Ökonomie Regionalgruppe Osnabrücker Land und des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt Osnabrück das Online-Gespräch "Nutzen einer Gemeinwohl-Bilanz" am Beispiel der Diakonie Herzogsägmühle per Zoom statt.

Als Referenten zu Gast waren Professor Dr. Oliver Bierhoff von der FH Bielefeld und Wilfried Knorr, Direktor der Diakonie Herzogsägmühle.

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Die Diakonie Herzogsägmühle hat sich auf den Weg gemacht in einem umfassenden Audit-Prozess ihre Berührungsgruppen wie Lieferant/innen, Beschäftigte/Eigentümer/innen, Kund/innen und Mitunternehmer/innen und das gesellschaftliche Umfeld in den Blick zu nehmen und eine Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen.

Zu Beginn des Veranstaltung hat Prof. Oliver Bierhoff, Organisationssoziologe der FH Bielefeld, in die Grundprinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie eingeführt.

Hinter dem Begriff der Gemeinwohl-Ökonomie verbrigt sich ein Wirtschaftsmodell, das getragen von einer zivilgesellschaftlichen Bewegung für eine ethische Wirtschaft steht, in der Kooperation statt Konkurrenz die Maxime ist. Eine der Säulen des Modells ist die Gemeinwohl-Bilanzierung, die Unternehmen, Kommunen, Hochschulen und andere Einrichtung vornehmen können. Anders als eine Finanzbilanz, nimmt die Gemeinwohl-Bilanz auch Bereiche wirtschaftlichen Handelns mit auf, die sich nicht ausschließlich in Zahlen abbilden lassen. Dafür wurde die Gemeinwohl-Matrix entwickelt, die die 20 Themen einer solchen Bilanz abbildet.

Die 20 Berichtsthemen werden einzeln bearbeitet und bilden den Gemeinwohl-Bericht ab. Der Bericht wird dann in einem Audit-Verfahren oder einer Peer-Evaluierung einer Fremdbewertung unterzogen. Mit einer Punkteskala wird eine schnelle Erfassbarkeit der Ergebnisse dargestellt. Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Prozess wird die Bilanz veröffentlicht und gegebenenfalls kann auf Produkten auch ein Label verbreitet werden, dass die Bilanzsumme wiedergibt.

Die Punkte können im weiteren Prozess auch für ein Monitoring herangezogen werden. Die Bilanz und der Prozess können als Instrument der Organisationsentwicklung gesehen werden.

Der Direktor der Diakonie Herzogsägmühle, Wilfried Knorr, hat im zweiten Teil der Veranstaltung den Bilanzierungsprozess aus Sicht der Praxis dargestellt. Nach dem Studium des Buchs "Gemeinwohl-Ökonomie" von Christian Felber und Worksshops an der Evangelischen FH Nürnberg hat die Einrichtung 2015 den Erstbericht verfasst. In drei Zukunftskonferenzen wurden die Ergebnisse überarbeitet, so dass im Frühjahr die veröffentlichung der ersten Gemeinwohl-Bilanz erfolgte. Stand November 2020 ist nach einem einjährigen Prozess bereits der zweite Gemeinwohl-Bericht erstellt worden.

Dabei ist nicht die Punktzahl (hier 346 Punkte, die Skala reicht von -3600 bis 1000) entscheidend, sondern die Analyse der einzelnen Themenfelder, auf deren Basis dann veränderungen angestoßen werden können.

Besonders herausgestellt wurde in dem Zusammenhang die Wirkung im Unternehmen, nach der sich die Bindung der zweiten Führungsebene an das Unternehmen deutlich gesteigert hat. Die Erstellung der Bilanz ist geeignet, die Mitarbeitermotivation zu steigern und ist sinnstiftend. Auch die Wirkung auf die Öffentlichkeitsarbeit ist nicht unerheblich. Als diakonische Einrichtung, ist eine Bilanz die das Gemeinwohl in den Blick nimmt zudem auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Zunehmend sind diese Fragestellungen auch ein Faktor in der Fachkräftegewinnung.

Der Gemeinwohl-Bericht der Diakonie Herzogsägmühle kann auf der Website eingesehen werden: https://www.herzogsaegmuehle.de/2829.0.html

Kontakt

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Benjamin Sadler
Arndtstr. 19
49080 Osnabrück
Tel.: 0541 5054-133
Mobil: 0171 6999958

Haus kirchlicher Dienste

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA)

Referent für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt in der Wirtschaftsregion Osnabrück