kopfgrafik_KDA_15_salzstock_jeep_SE

Foto: Stephan Eimterbäumer

„Letzte Woche vor Karstadt, heute vor der Gildebrauerei und nächsten Monat?“

Nachricht 26. Oktober 2020

Wer kommt als nächstes?

Waltraud Kämper bei der Gilde-Demo am 24.10
Waltraud Kämper bei der Gilde-Demo am 24.10

Das fragt sich Waltraud Kämper, Referentin Im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt mit vielen anderen. Hannover verliert Schritt für Schritt seine Traditionsbetriebe.

Das ängstigt nicht nur die Beschäftigten, sondern muss auch jede/n Bürger*in beunruhigen – denn eine Stadtgesellschaft lebt von Verlässlichkeit, von Qualitätsunternehmen und guter Arbeit sowie von Solidarität. Karstadt wie die Gildebrauerei und ihre Mitarbeiterschaft haben seit mehr als 100 Jahren die Stadt geprägt und auch wirtschaftlich (mit)getragen. Und statt mit allen vor Ort Gespräche zu führen, wie die betriebliche Zukunft nicht nur zur Gewinnmaximierung Einzelner, sondern zum Wohle aller neu aufgestellt werden kann, wird die Belegschaft sukzessive von über 1000 MA auf Null gefahren, wie bei Karstadt, bzw. wird das Unternehmen erst in 4 Teilbereiche zerschlagen und dann kurzer Hand in die Insolvenz geführt, wie bei Gilde.

Vor einem Jahr waren die beiden Dienstleistungsbereiche Leine Logistik und die Fass- und Flaschenabfüllungsgesellschaft Hannover – nach hartem Tarifstreit und Kampf von Teilen der Mitarbeiterschaft für „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ aus der Gilde Brauerei ausgegliedert worden. Jetzt wurde die Coronazeit genutzt, um Insolvenz anzumelden und u.a. aufmüpfige Mitarbeiter loszuwerden.

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. So steht es im Artikel 14 unseres Grundgesetzes“, daran erinnert Jens Schäfer, Betriebsratsvorsitzender von Wabco bei der Solidaritätskundgebung vor der Gildebrauerei. “Das gilt nach wie vor! Daran sind die Herren der Geschäftsführung – aller Betriebe! - zu erinnern. Und daran, dass es in Deutschland bewährte Formen des betrieblichen Umgangs gibt – zu allererst, dass Geschäftsführung und gewählte Interessenvertreter der Belegschaft miteinander reden, miteinander streiten und sich einigen zum Wohle aller Beteiligten.“

 „Wir erleben gerade eine Tragödie“, schließt Lena Melcher, die Gewerkschaftssekretärin der NGG Hannover - die seit einem Jahr an der Seite des Betriebsrates für die Rechte der Belegschaft kämpft – die Solidaritätskundgebung. „….aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wir vertrauen darauf, dass sich Recht und Gesetz durchsetzen wird und die laufenden Klagen gegen die Entlassungen der vormals streikenden Kolleginnen und Kollegen für nichtig erklärt werden.

Der KDA wünscht dafür Erfolg!! Ja, Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen!