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Foto: Stephan Eimterbäumer

Azubis sollen ihr Potenzial auch in Coronazeiten zeigen können

03. Juni 2020

Prüfungen müssen in Sprache, Arbeitsdichte und Vorbereitung leistbar sein

Laptops fehlen den meisten Azubis

Der kirchliche Dienst in der Arbeitswelt, der DGB Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt und der Flüchtlingsrat Niedersachsen fordern vom Kultusministerium und den Handwerksinnungen, Maßnahmen zu ergreifen, um in der Corona-Pandemie besonders benachteiligten Azubis einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss zu ermöglichen.

Aktuell stehen in Niedersachsen die Auszubildenden vor ihren Zwischen- oder Abschlussprüfungen, und doch sind die Bedingungen der Prüfungsvorbereitungen für die jungen Menschen durch Covid-19 ungleich schwerer als in den Jahren zuvor. Waltraud Kämper, Leiterin des Projektes „PonteAzubis – Brücken in den Arbeitsmarkt“, fordert faire Chancen für alle Auszubildenden bei den anstehenden Prüfungen.

„Unterrichtsausfall, fehlende Endgeräte für den online gestützten Unterricht und fehlende Prüfungsvorbereitungen im Präsenzunterricht sind keine guten Voraussetzungen, um eine Prüfung absolvieren zu können. Die hinzukommende Unklarheit, wie es mit der Ausbildung im Betrieb weitergeht, die Vereinzelung und mangelnde Austauschmöglichkeiten über den Berufsschulstoff und die häufig fehlende Übernahmeperspektive aufgrund von Kurzarbeit im Ausbildungsbetrieb verunsichern die Azubis zudem. Diese Unsicherheit muss durch klare Perspektiven beendet werden", so Kämper. „Das Benachteiligungsverbot des Grundgesetzes macht es unumgänglich, dass hier kurzfristig gehandelt wird – indem dafür Sorge getragen wird, dass jede/r Schüler*in Zugang zu einem Laptop o.ä. hat und in digitales Arbeiten eingewiesen wird. Ebenso müssen die zu Prüfenden mehr Zeit zum Lesen und Beantworten der Aufgaben erhalten und es sollte durchgängig leichte Sprache verwendet werden“, so Kämper, Leiterin von „PonteAzubis“ und Referentin im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evangelischen Landeskirche. „Junge Frauen und Männer – auch die, die in den letzten Jahren nach Deutschland geflüchtet sind – sollen in ihren begonnenen Ausbildungen erfolgreich sein können“, betont Kämper.

„Geflüchtete Auszubildende, die ohnehin schon vor größeren Herausforderungen stehen, bekommen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie mit besonderer Härte zu spüren. Diese Härten müssen angemessen berücksichtigt werden, damit sie eine faire Chance in den Prüfungen haben. In den Prüfungen muss es daher einen angemessenen Nachteilsausgleich geben, und das Kultusministerium muss zeitnah dafür Sorge tragen, dass alle Azubis Zugang zu den notwendigen Lehrmitteln haben“, sagt Sigmar Walbrecht, Koordinator des Arbeitsmarktprojektes "AZF3" beim Flüchtlingsrat Niedersachsen.

„Angesichts der riesigen Fachkräftebedarfe in zahlreichen Branchen ist es im Interesse der Betriebe, wie der gesamten Gesellschaft, Auszubildende anderer Muttersprachen bei der Überwindung sprachlicher Barrieren und notwendiger Prüfungsvorbereitung aktiv zu unterstützen. Denn erfolgreiche Auszubildende sind immer auch ein Vorbild für andere junge Menschen, die sich für eine duale Berufsausbildung entscheiden möchten", sagt Dr. Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt.