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Foto: Stephan Eimterbäumer

Solidarität ist kein Privatgeschäft

Nachricht 05. Mai 2020

Solidarisches Handeln fordert Individuen wie gesellschaftliche Institutionen heraus. Sie ist so viel mehr als Mildtätigkeit. Solidarität steht für die Verpflichtung aller, für das Ganze einzustehen.

Im KDA treffen wir trotz Corona in diesen Tagen und Wochen – meist digital - die unterschiedlichsten Menschen: Verwaltungsangestellte, Paketzusteller, Gewerkschaftskolleginnen, (Klein-)Selbstständige, Musiker, Lehrerinnen, Betriebsräte, katholische Priesterkollegen, PonteAzubis . . . Für Viele ist „Solidarität“ selbstverständlich und findet kreativen Ausdruck – nicht nur am 1. Mai. Für Andere ist sie ein Kampfbegriff, der (Arbeits-)Rechte einfordert, statt Wohltätigkeiten. Für wieder Andere scheint Solidarität ein Fremdwort zu sein.

Die 130 jährige Geschichte des 1. Mai als Tag der Arbeiter kann die Augen dafür öffnen, was (Internationale) Solidarität bewirken kann: vom 12 zum 8 Stundentag, von der 60 zur 38,5 Stundenwoche, gleicher Lohn für gleiche Arbeit – nicht nur für wenige, die stark genug sind, das für sich auszuhandeln - sondern für alle im Betrieb, in der Branche. Aber zu allen Zeiten gab es auch ‚Solidaritätsverächter‘, die meinen für sie gilt das nicht: beispielsweise in der Gildebrauerei in Hannover, wo später eingestellte Kolleginnen und Kollegen weniger Lohn bekommen und es von Seiten der Geschäftsführung keine Bereitschaft gibt, hier zu einer Einigung zu kommen. Selten kamen und kommen gute Arbeitsbedingungen von selbst, sie wurden manchmal teuer – auch schon mal blutig -  erkämpft.

Es stellt sich in diesem Mai 2020 die Frage neu und dringend: Mit wem gilt es solidarisch zu sein? Wem kann ich Mut machen oder tatkräftig helfen? Wie sieht es aus, wenn Betriebe solidarisch sind? Wie können wir als Gesellschaft ‚Gemeinschaftstreue‘ stärken – welcher Rechtsänderungen bedarf es? Denn, Solidarität ist so viel mehr als das Gefühl innerer Verbundenheit. Solidarität steht für die Verpflichtung aller, für das Ganze einzustehen. Zwischenmenschliche Solidarität ersetzt dabei nicht institutionell garantierte Grundrechte. Gemeinwohl oder ‚Gemeinschaftstreue‘, wie es ein Kollege genannt hat, schafft im besten Falle Leben für möglichst Viele – aber sie will gepflegt werden und sie kostet!

Besonders am Herzen liegt uns im KDA derzeit auch das Wohl und der Erfolg  von den Auszubildenden, die sich trotz Fluchterlebnissen „im Gepäck“ und anderer Muttersprachen durch den Berufsschulunterricht ihrer  Ausbildungen kämpfen. Die Zwischenprüfungen, die eine Rückmeldung      geben können über den Lernstand, sind Corona bedingt ersatzlos gestrichen. Abschlussprüfungen wurden verschoben auf Mitte Juni, aber der vorbereitende Berufsschulunterricht fällt weitgehend aus. Kein familiäres Umfeld kann helfen die gemailten Aufgaben der BBS-Lehrer zu verstehen – da wäre zwischenmenschliche, aber auch institutionelle Solidarität beispielsweise in Form von Nachteilsausgleich für Nicht-Muttersprachler gut und notwendig. Das KDA-Projekt „PonteAzubis“ versucht hier zu unterstützen, damit die Azubis trotz allem eine faire Chance haben erfolgreich sein zu können – aber es braucht auch Solidarität von BBSen und Kammern.