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Foto: Stephan Eimterbäumer

Gute Arbeit braucht gute Bedingungen

Nachricht 06. Mai 2019

Zum Thema „Gute Arbeit … ?!“ gestalteten Waltraud Kämper, Referentin beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt und Pastorin Dorothee Blaffert den Gottesdienst des KDA Hannover zum diesjährigen Tag der Arbeit am 5. Mai in der Bethlehemgemeinde in Hannover-Linden.

Seinen Ursprung hat der Tag der Arbeit in den sehr schlechten Arbeitsbedingungen und der schlechten Bezahlung der amerikanischen Industriearbeiter.  Am 1. Mai 1886 kämpften sie erstmalig mit einem Generalstreik für einen Acht-Stunden-Tag. 1890 wurde der 1. Mai auch im deutschen Reich ein Kampftag für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, besonders für Frauen und Männer in der Industrie. Er ist es mehr oder weniger bis heute, fast in ganz Europa und darüber hinaus, auch wenn in den letzten Jahren der „Tag der Arbeit“ in Hannover zunehmend zu einem interkulturellen Familienfest geworden ist.

„Viele Menschen sind stolz, auf das, was sie und die Kolleg*innen schaffen, aber viele leiden unter einem Diktat von Zeitvorgaben, unter mangelhafter Führung oder schlechter Bezahlung“,  so Waltraud Kämper, Referentin im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt zu Beginn des Gottesdienstes. Stellvertretend für Viele berichteten drei Menschen, wie sie ihre Berufsarbeit erleben und was für sie nötig ist bzw. wäre, für gute Arbeit.                           

„Kirche ist nicht nur ein Gebäude, nein Kirche ist ein Gefühl der Zugehörigkeit, eine Gemeinschaft mit der wir uns verbunden fühlen. Für mich ist Kirche aber auch ein Arbeitgeber.“  So begann Stefanie Adler, Mutter von drei Kindern und Sachbearbeiterin in der Stadtkirchenkanzlei ihr Statement. „Für mich heißt gute Arbeit: eine vertrauensvolle Atmosphäre, die es erlaubt Zweifel oder Missstände ohne Ängste anzusprechen; und ich möchte Anerkennung bekommen, für die von mir geleistete Arbeit, sowie die Möglichkeiten, mich sowohl menschlich als auch fachlich weiterzuentwickeln. Außerdem ist das Zusammenspiel von Familie und Beruf ein wichtiger Aspekt, denn berufstätige Eltern brauchen Verlässlichkeit und manchmal auch Flexibilität, um am Arbeitsplatz, wie auch bei der familiären Versorgung, gut bei der Sache sein zu können.“

Stefan Hübner, Leiter des AWO Seniorenzentrums am Ihme-Ufer, betonte: „Für mich ist Werteorientierung und wertschätzender Umgang bei der Arbeit von entscheidender Bedeutung. Im Leitbild der Arbeiterwohlfahrt finde ich viel von dem, was für mich gute Arbeit ausmacht. Allerdings sehe ich auch, dass die zur Verfügung gestellten Ressourcen oft nicht ausreichen, um genug Mitarbeiter einstellen zu können, damit den vielen Bedürfnissen der pflegebedürftigen Menschen ausreichend begegnet werden kann. Da stehe ich als Leiter manchmal 'zwischen den Stühlen'.  So kommen Mitarbeiter manchmal an ihre Grenzen bei der Arbeit. Es kann nicht alles geschafft werden. Die eigentlich hoch abwechslungsreiche und sinnstiftende Arbeit für und mit anderen Menschen wird zur Überforderung. Schlechte Rahmenbedingungen können so zu schlechten Arbeitsbedingungen führen und dann kann Arbeit krank machen. Gute Arbeit braucht gute Bedingungen.“

Anschließend an die Statements lud Pastorin Dorothee Blaffert die Gemeinde ein, ihre Gedanken und Erfahrungen auf vorbereitete Karten zu schreiben und an die Dank- und Klagemauer im Altarraum zu heften. Einiges davon wurde im Fürbittengebet vor Gott gebracht.

Der DGB Chor Hannover, diesmal unter Leitung von Elisabeth Bick, unterstrich die Themen des Gottesdienstes: „Internationale Solidarität“,  „Feiertage und nicht nur Arbeit“ sowie „Frieden im Land“ eindrücklich mit seinen Liedern. Beim anschließenden Kirchencafe gab es rege Gespräche.