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Wege in den Arbeitsmarkt/ aktuelle Information

Der Weg in den deutschen Arbeitsmarkt ist nicht schnell und einfach. Es gilt manche gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und sprachliche Hürden abzubauen. Alle Beteiligte müssen sich bei dem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt mindestens auf einen „Halbmarathon“ einstellen.

Betriebsbesuche bieten sehr wichtige Einblicke in konkrete Arbeitswelt und zeigt was Menschen mit bestimmten Berufen arbeiten. Im Gespräch wird vermittelt, welche Ausbildungen und welche Arbeitsschutzbestimmungen erforderlich sind.

Was ist bei einer Beschäftigungsaufnahme zu beachten?

Arbeitserlaubnis – Prüfung Beschäftigungsbedingungen

  • Nicht/noch nicht anerkannte Flüchtlinge können nach einer Wartezeit von 3 Monaten grundsätzlich arbeiten. Sie benötigen dafür eine Arbeitserlaubnis von der Ausländerbehörde. Eine Aussage dazu findet sich in den Ausweispapieren der Betroffenen.
  • Verbunden mit der Arbeitserlaubnis ist in den meisten Fällen eine Prüfung der Arbeitsbedingungen der konkreten Stelle durch die Bundesagentur für Arbeit erforderlich. Hierfür ist ein Zeitraum von mindestens 3 Wochen Bearbeitungsdauer einzurechnen.

Anmeldungen

  • Berufsgenossenschaft - Krankenkasse – Sozialversicherung – Steuer

Wenn es zur Beschäftigungsaufnahme kommt, sind die Prozesse identisch mit denen, die auch Inländer durchlaufen. Sie melden den geflüchteten Arbeitnehmer wie üblich bei den Sozialkassen und der Steuerverwaltung an.
Die Sozialversicherungsnummer liegt evtl. bereits vor, wenn die Person bei der Agentur für Arbeit gemeldet ist, sicher bei den Kunden der Jobcenter. Fragen Sie gegebenenfalls nach. In allen anderen Fällen erhalten Sie die Nummer von der Krankenkasse.

  • Kontoeröffnung

Der Deutsche Landkreistag teilt in seinem Rundschreiben Nr. 134/2015 Fol-gendes mit: „Bei der Eröffnung eines Kontos sind die Geldinstitute aufgrund der Vorschriften des Geldwäschegesetzes zur Identifizierung des Kontoinha-bers verpflichtet. Das führt insbesondere bei Flüchtlingen und Asylsuchenden, die (noch) nicht über Dokumente verfügen, mit denen die Pass- und Ausweis-pflicht im Inland erfüllt werden kann, zu Problemen. Für eine Übergangszeit haben sich das Bundesministerium der Finanzen (BMF), die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) auf eine Auslegung des Geldwäschegesetzes verstän-digt, die Kontoeröffnungen auch unter Vorlage einer mit einem Lichtbild versehenen Meldebescheinigung erlaubt.“

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Asylsuchende und Geduldete haben mit einem Voraufenthalt von drei Monaten Zugang zu nahezu sämtlichen Förderinstrumenten der Arbeitslosenversicherung und können durch die Agenturen für Arbeit, soweit die jeweiligen Voraussetzungen im Einzelfall vorliegen, unter-stützt werden. Anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis werden in den Jobcentern (nicht in den Agenturen für Arbeit) betreut und gefördert und haben ohne Einschränkungen Zugang zu den hier aufgeführten Leistungen.

Eingliederungszuschuss nach §§ 88ff SGB III (EGZ)
Arbeitgeber können zur Eingliederung von Arbeitnehmern einen Zuschuss zum Arbeitsent-gelt zum Ausgleich einer Minderleistung erhalten.
Einstiegsqualifizierungen bei Arbeitgebern (EQ)
Streben Asylsuchende oder Geduldete eine Berufsausbildung an, kann eine Einstiegsqualifizierung (EQ) in Frage kommen. Diese bietet Arbeitgebern die Möglichkeit, Fähigkeiten und Fertigkeiten über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten im täglichen Arbeitsprozess zu beobachten. Die Betriebe können so Ausbildungsinteressenten an eine Ausbildung in ihrem Betrieb heranführen, wenn sie aktuell noch nicht in vollem Umfang für eine Ausbildung geeignet oder lernbeeinträchtigt und sozial benachteiligt sind.
Eine Zustimmung der BA ist nicht erforderlich, jedoch muss eine Genehmigung der Auslän-derbehörde beantragt werden. Betriebe müssen die Förderung der Einstiegsqualifizierung vor Beginn bei der örtlichen Agentur für Arbeit beantragen.

Maßnahme bei einem Arbeitgeber nach § 45 SGB III (MAG) / Trainingsmaßnahmen
Personen die bei einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter gemeldet sind, können bis zu sechs Wochen im Rahmen einer MAG bei Arbeitgebern erprobt werden.
Der Arbeitgeber sollte dem Maßnahme-Teilnehmer die Möglichkeit geben, parallel an einer (online) Sprachförderung teilzunehmen. Nach Beendigung der Maßnahme ist durch den Arbeitgeber ein Berichtsbogen, der dem Antrag beigefügt ist, auszufüllen und an die Agentur für Arbeit weiterzuleiten.
Betriebliche Maßnahmen begründen kein Beschäftigungsverhältnis, daher ist keine Genehmigung der Ausländerbehörde erforderlich.
Die Maßnahme muss aber vor Beginn bei der örtlichen Agentur für Arbeit beantragt werden.
Betriebliche Maßnahmen sollen die berufliche Eignung in Bezug auf Zielberuf/Zieltätigkeit feststellen.

Gemeinnützige Jobplattform speziell für Flüchtlinge

Ziel ist, die Arbeitssuche für geflüchtete Frauen und Männer zu erleichtern und Unternehmen den Blick zu weiten auf ein bisher unbeachteten Bewerberpool.

Welcome2work.de

Bei konkreten Fragen ...

... wenden Sie sich bitte in Region und Stadt Hannover an Andrea Wassermann
hannover.fluechtlingsvermittlung@arbeitsagentur.de

Für nach dem 1. Januar 2016 anerkannte Flüchtlinge wenden Sie sich bitte an Frau Birgit Gießler.  Jobcenter-Region-Hannover-KK@jobcenter-ge.de

Wichtiger Hinweis:

Jegliche Arbeitsaufnahmen (auch Praktika) von Flüchtlingen, die noch keine anerkannte Asylberechtigte sind, ist erlaubnispflichtig. Es sei denn, sie ist Teil einer Maßnahme von Agentur oder Jobcenter.

Naderi
Bild: Rainer Surrey

Damit Integration gelingt

Dipl. Ingenieur S. Naderi hat sich ohne Zögern gemeldet, als er von dem „Ponteprojekt – Brücken in den Arbeitsmarkt“ gehört hat. Er will einen Flüchtling aufnehmen in sein kleines Gartenbauunternehmen. „Es geht um Menschlichkeit. Deutschland wird von der Flüchtlingswelle überrollt. Jetzt muss jeder helfen.“  Wenn das Praktikum gut laufen wird, dann wird Gartengestalter Naderi  dem Flüchtling einen Arbeitsplatz anbieten.

 „Nur so kann Integration gelingen“ fügt Waltraud Kämper, Projektleiterin hinzu. „Wir brauchen die Unternehmen, die bereit sind jetzt in (Weiter-) Bildung zu investieren. Dann werden sie mittelfristig passende Fachkräfte haben.“