Zusammen geht es besser

Solidarität ist Zukunft -Zusammen geht es besser

Skat Spielen. Doppelpass. Heiraten. Manche Dinge funktionieren einfach nur gemeinsam - nicht allein. Und auch für vieles andere gilt: „Zwei sind besser dran als einer, denn sie haben guten Lohn für ihre Mühen. Fällt einer, so hilft ihm der andere auf.“ (Die Bibel, Prediger Salomo 4,9-10)

Macht schon feiern mit vielen besonders viel Spaß, so wird spätestens in Krisenzeiten deutlich, wie sehr wir als Gesellschaft wie als einzelne auf Gemeinschaft mit anderen angewiesen sind. Die Corona-Pandemie ist in dieser Hinsicht ein Paradoxon. Auf der einen Seite zwingt sie uns dazu, Kontakte zu reduzieren – jedenfalls die, zu denen physische Nähe gehört. Auf der anderen Seite verweist sie uns an einander, wenn es um die Bewältigung der Krise geht. Alleingänge à la „Reicht ja, wenn sich alle anderen an die Regeln halten, aber ich gönne mir da mal eine Ausnahme.“ bieten zwar den einzelnen eine kurze emotionale Auszeit. In der Sache aber helfen sie nicht weiter.

In Gesprächen mit Pfleger*innen, Ärzt*innen und anderen Beschäftigten in unseren Krankenhäusern höre ich von der Belastung, die dort nun schon über ein Jahr geschultert wird. Unsere Seelsorger*innen in den Kliniken erzählen ganz ähnliches. Die Arbeit im medizinischen Bereich strengt auch im Normalbetrieb physisch und psychisch sehr an. Für mich als Außenstehende lässt sich nur grob erahnen, was es bedeutet, stundenlang Corona-Patient*innen zu drehen oder damit umzugehen, dass die Möglichkeiten auch irgendwann ausgeschöpft sind. Oder wie es sich anfühlt, wenn nach dem Verlust eines Menschen keine Zeit ist, um Kraft zu schöpfen, weil zwei Türen weiter schon vor Minuten der nächste Notfall geklingelt hat.

Seit Beginn der Corona-Krise verzeichnet auch die Telefonseelsorge einen deutlichen Anstieg an Anrufen. Psychische Belastungen verschärfen sich durch die Pandemie. Und nicht selten geht es auch um ganz reale Existenzbedrohung. Der Koch, die Sängerin, der Ladenbesitzer, … - sie alle brauchen unsere Unterstützung, um in diesen herausfordernden Zeiten nicht unterzugehen.

Das Zauberwort heißt „Solidarität“ – gerade in diesen entscheidenden Wochen und Monaten der Pandemie. Allen Fehlern und aller Ratlosigkeit zum Trotz. Ja, Verzweiflung und Fatalismus sind theoretisch auch eine Option – aber eine, die uns der Zukunft kein Stück entgegenträgt. Denn auch die anderen großen Fragen und Herausforderungen unserer Zeit wie beispielsweise die Klimakrise, die Frage des sozialen Friedens, der Toleranz und der Gleichberechtigung lassen sich nur gemeinsam angehen. Die Zukunft gehört denen, die sich auch über Grenzen hinweg zusammenschließen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Oder mit dem Prediger Salomo gesprochen: „Viele sind besser dran als einer, denn sie haben guten Lohn für ihre Mühen. Fällt einer, so helfen die anderen ihm auf.“

 

Wiebke Vielhauer, Kommissarische Superintendentin im Kirchenkreis Göttingen