Foto: HkD

Und so voller Leben

Nachricht 18. März 2021

„Osterfunken, das ist der Haupttitel für Texte, an denen mitzuschreiben wir eingeladen wurden. Ein wenig zögerlich bin ich mit der Zusage, die ganzen Bedrückungen und Unsicherheiten um Corona haben mich nun doch eingeholt und ich fühle mich energielos.

An einem Samstagnachmittag mache ich mich dennoch auf zu einem Spaziergang in winterlicher Kälte, bei strahlendem Sonnenschein unter blauem Himmel. Der Weg führt mich zum Friedhof, die Gräber liegen unter einer ansehnlichen Schneedecke, die Sonne funkelt auf der Schneeoberfläche und es ist so friedlich.

Und so voller Leben

Viele Spuren im Schnee. Die von Menschen auf den Wegen und vor den Gräbern und von Tieren auf den Freiflächen, unter Gebüsch und Bäumen. Hier ist was los auf diesem Friedhof.

Ich wandere umher, biege ab in Nebenwege, schaue in Nischen und betrachte die Gräber und Grabsteine. Es ist abwechslungsreich, Flächen für Reihengräber wechseln sich ab mit solchen für Urnenbestattungen, ältere Einzelgräber haben ihren Platz unter Bäumen und Gehölzen.

Obwohl ich schon öfter hier spazieren gegangen bin, finde ich jetzt Grabstellen, die versteckt liegen und, so scheint es, nicht gefunden werden wollen. Auch sie sind überwiegend liebevoll geschmückt und gepflegt. Kreativ und individuell. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Reihengräber oder Urnengrabstellen handelt. Blumen, Skulpturen, Kerzen schmücken die Gräber. Die Grabsteine sind ganz unterschiedlich. Bibelzitate, letzte Grüße, Lebensdaten und manchmal Fotos der Verstorbenen sind auf den Grabsteinen angebracht.

Auf einigen Gräbern sind kleine Bänke aufgebaut.

Das wünsche ich mir auch für mein Grab, wenn es dann mal soweit ist. Ich finde die Vorstellung, dass dort Angehörige und Freunde sich einen Moment hinsetzen, sich ausruhen können und über unsere gemeinsamen Wege nachdenken, schön. Und auch Fremde könnten auf der Bank Platz nehmen.

Es gibt auch Gräber, denen man ansieht, dass sich schon lange Zeit niemand mehr um die Pflege kümmern konnte. Aber sie gehören dazu, ohne sie würde es hier nicht so nach Leben aussehen. Denn im Leben ist es nicht immer nur schön und manche Verbindung ist schon zu Lebzeiten unterbrochen und nicht mehr gepflegt.

Ob gepflegt oder nicht mehr gepflegt: Das Erinnern, die Verbundenheit, das Nahe-Sein – trotz der Trennung durch den Tod – spielen, so glaube ich, eine Hauptrolle bei all den Bemühungen und der Arbeit, die Menschen an den Gräbern ihrer Verstorbenen verrichten. Wenn der erste Schock überwunden ist, der Verlust realisiert, dann kann die gemeinsame Zeit in der Erinnerung lebendig werden.

Das verbinde ich mit dem Begriff Auferstehung.

Dieser Mensch hatte einen Platz in meinem Leben, unsere gemeinsame Zeit hier auf Erden ist zu Ende, aber nicht das, was uns verbunden hat und was wir einander waren. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Und das ist ein tröstlicher Gedanke. Ein österlicher Gedanke.

Eine Weile schlendere ich noch umher, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und freue mich über diesen winterlichen Spaziergang über den schneebedeckten Friedhof. Dann fühle ich mich erholt und kann mich wieder meinem Alltag zuwenden."

Anita Uffen-Klose/HkD

Osterfunken-Andachten

Anita Uffen-Klose ist eine der drei Autorinnen der Generation 60plus, die ihre ganz persönlichen PassionsPunkte und Osterfunken zu Papier gebracht haben und mit uns teilen. Sie erzählen von aufgezehrter und doch aufkeimender Hoffnung in dieser unwegsamen Zeit. Drei Andachten aus einem besonderen Blick, mit Erfahrung, Erkenntnis und Ermutigung.