Foto: HkD

„Menschen unterstützen, mutig ihren Weg zu gehen“

Nachricht 28. Juni 2021

Waltraud Kämper, Referentin für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA), beendet zum 30. September Ihre Aufgaben im Haus kirchlicher Dienste (HkD). Die Diplom-Pädagogin und Mediatorin war 27 Jahre für Menschen in der Arbeitswelt tätig. Zunächst ab 1994 im Evangelischen Industriepfarramt in der Wirtschaftsregion Hannover, als das Industriepfarramt 2009 in den KDA integriert wurde, dann im Haus kirchlicher Dienste.

„Minerva“ und „Ponte“

Von 2010 bis 2014 leitete Kämper zusammen mit der ehrenamtlich engagierten Marcella Heine das Mentoring-Programm „Minerva“ für qualifizierte Migrantinnen. „Sie haben oft nicht die Netzwerke wie ihre deutschen Kolleginnen und die Arbeitslosenquote unter ihnen ist trotz guter Qualifikation unter anderem daher deutlich höher“, erläutert Kämper das Programm, an dem in drei Durchgängen ca. 40 Mentorinnen und 40 Mentees teilnahmen.

Im Jahr 2015 entwickelten die beiden Frauen aufgrund des Zustroms von flüchtenden Menschen das Projekt „Ponte – Brücken in den Arbeitsmarkt“, als Orientierungsangebot. Seit 2018 wurden im Projekt „PonteAzubis“ 30 junge Menschen mit Fluchterfahrung dabei unterstützt, einen Ausbildungsplatz zu finden und die Ausbildung trotz vieler Hürden auch beenden zu können. Auch hier waren ehrenamtliche Paten jeweils für ein Jahr im Einsatz, um die jungen Menschen beispielsweise in Bezug auf den Unterricht an der Berufsschule, den Arbeitsalltag in deutschen Betrieben oder beim Lösen bürokratischer Fragen zu unterstützen.

„Menschen zu unterstützen, ist für mich Genugtuung und Leidenschaft“

„Menschen zu unterstützen, ihren Weg zu finden und mutig und aufrecht zu gehen, ist für mich Genugtuung und Leidenschaft“, sagt die 65-Jährige. Dies tat sie auch durch zahlreiche Bildungsurlaube, Gesprächsrunden zu interkultureller Frauenarbeit und After-Work-Veranstaltungen. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen eröffnete sie Dialogräume für Vertreter aus Arbeitswelt, Politik, Zivilgesellschaft und Kirche zu aktuellen Themen wie etwa der Diskussion um das Ladenschlussgesetz, die Vereinbarung von Familie und Beruf und Digitalisierung. „Die Grundlagen für diese Angebote zog ich aus Kontakten und Gesprächen bei Betriebsbesuchen – für mich ein Kern der KDA-Arbeit“, so die Diplom-Pädagogin.

Kämper machte Fortbildungen zur Mediatorin und eine Ausbildung als (interkulturelle) Coachin, um in schwierigen beruflichen Situationen besser beraten zu können. Auch spirituelle Angebote lagen ihr am Herzen. Zum Tag der Arbeit gestaltete sie regelmäßig einen Gottesdienst zusammen mit Vertretern aus Betrieben und Gewerkschaften. Acht Jahre lang bot sie einmal im Monat in der Gartenkirche die „Atempause“ zur Mittagszeit an. „Auch in der Corona-Zeit kamen Menschen, manchmal wegen Homeoffice nur wenige, aber sie sagten mir, wie wichtig ihnen dieses Innehalten ist“, erzählt sie.

„Daher kenne ich die Erfahrung, fremd in einem Land zu sein“

Waltraud Kämper war von 1990 bis 2001 Mitglied der Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und dort im Ausschuss für Diakonie und im Arbeitsweltausschuss aktiv. Als Lehrbeauftragte bot sie außerdem 15 Jahren lang an der ehemaligen Evangelischen Fachhochschule Seminare an vor allem zu Themen der Identitätsentwicklung in der multikulturellen Gesellschaft und zu interkultureller Pädagogik.

Nach dem Abitur verbrachte Kämper ein Jahr mit einem internationalen Friedensprogramm der Mennoniten in den USA, danach ging sie für sechs Monate nach Israel und arbeitete in einem Kibbuz. „Daher kenne ich die Erfahrung, fremd in einem Land zu sein. Das war einer der Gründe, später Menschen zu unterstützen, die aus anderen Ländern zu uns kommen“, sagt sie rückblickend. Von 1977 bis 1980 absolvierte sie die Ausbildung zur Gemeindediakonin in Porta Westfalica. Anschließend arbeitete sie bis 1991 in den Evangelischen Jugendzentren Hannover-Linden und Vahrenwald. Während dieser Zeit studierte sie neben der Arbeit Erwachsenenpädagogik mit dem Schwerpunkt Evangelische Theologie und interkulturelle Pädagogik.

Verabschiedung am 30. Juni

Viele Jahre hindurch führte Kämper für den KDA Seminare durch zur „Neuorientierung am Ende der Berufstätigkeit“. Nun tritt sie im Herbst selbst in den Ruhestand ein.

Die Verabschiedung von Waltraud Kämper findet am 30. Juni in der Gartenkirche St. Marien in Hannover statt. Eine Anmeldung unter kda@kirchliche-dienste.de ist erforderlich.