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Landessozialpfarrer: „Die Lage in den Schlachthöfen verträgt keinen weiteren Aufschub“

Nachricht 28. Oktober 2020
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Landessozialpfarrer Dr. Matthias Jung. Foto: Jens Schulze/HkD

„Ich bin enttäuscht und besorgt darüber, dass das Arbeitsschutzkontrollgesetz zu den Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie in dieser Woche im Bundestag nicht verabschiedet wird“, sagt Landessozialpfarrer Dr. Matthias Jung, nachdem der Gesetzentwurf überraschend von der Tagesordnung genommen wurde. „Denn jetzt ist fraglich, ob die Situation der Werkvertragsarbeiter und Leiharbeiter in der Fleischindustrie wie beabsichtigt zum Jahreswechsel verbessert werden kann. Die Lage in den Schlachthöfen und Fleischverarbeitenden Betrieben verträgt aber keinen weiteren Aufschub“.

Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers fordert die Abgeordneten des Bundestags und die Regierungsmitglieder auf, sicherzustellen, dass das Gesetz noch in diesem Jahr verabschiedet wird und schließt sich damit der Forderung des Verbands Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA) in der EKD an.

„Die Selbstverpflichtung der Branche von 2014 hat zu keiner Verbesserung für die Beschäftigten geführt. Weder die Arbeitsbedingungen noch die Unterbringung der oft aus Osteuropa stammenden Menschen sind weiter hinzunehmen. Die Corona-Ausbrüche der letzten Monate haben sehr deutlich gemacht, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Die Gesundheit muss Vorrang haben, die Unternehmen haben eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter. Ich teile voll und ganz die Auffassung von Prälat Peter Kossen, dass keine Zugeständnisse auf Kosten von Würde und Gerechtigkeit gemacht werden dürfen“, so Jung.

Vor allem in Westniedersachsen werden in den fleischverarbeitenden Betrieben überwiegend Werkvertragsarbeiter und Leiharbeiter beschäftigt. Benjamin Sadler, KDA-Referent in der Wirtschaftsregion Osnabrück dazu: „Nachdem es im vergangenen Sommer zu Corona-Ausbrüchen in verschiedenen Betrieben kam, wie zum Beispiel in Dissen bei Osnabrück, stellten die Behörden zahlreiche Rechtsverstöße in den Betrieben und bei der Unterbringung fest. Seit Jahren setzen sich Gewerkschafter und Menschenrechtler für verbesserte Bedingungen der Menschen in der Branche ein, ohne dass es bisher zu Verbesserungen kam.“

Rückfragen bitte an:

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Landessozialpfarrer und Leitender Referent für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt mit Schwerpunkt in der Wirtschaftsregion Hannover