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Beitrag zu einem „erstaunlichen Standing“

Nachricht 04. Mai 2020

Eine liturgisch ausgedrückte Theologie, Psychotherapie und weibliche Spiritualität: Diese drei Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Berufsleben von Landespastorin Franziska Müller-Rosenau. Die Leiterin des Frauenwerks im Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannovers geht im Mai in den Ruhestand. In den 18 Jahren im Haus kirchlicher Dienste erlebte sie große Veränderungen: Einerseits sind besonders ehrenamtliche Frauen selbstbewusster und im Umgang mit Theologie selbständiger geworden, andererseits ist die Zahl der hauptamtlichen Referentinnen in der Frauenarbeit von 11 auf 4 geschrumpft.

Die gebürtige Hannoveranerin hatte sich während ihres Theologiestudiums als „Schnapsidee“ auf einen Psychologiestudienplatz in Erlangen beworben und bekam ihn überraschend. So studierte sie neben und nach dem Theologiestudium auch Psychologie bis zum Diplom. Sie war „linkstheologisch angehaucht“, wie sie schmunzelnd bemerkt. Man nutzte in den 80er Jahren Sozialwissenschaften wie Psychologie, um „Glaubensinhalte in neuer Weise zu verstehen und verständlich zu machen“. Im Studium der Theologie des christlichen Ostens begeisterte sie, „wirklich aus dem Gottesdienst und der Liturgie zu leben“, sich darin festzumachen und Kraft erwachsen zu sehen.

Folgerichtig führte sie in ihrer ersten Gemeindestelle in der Paulusgemeinde in Melle eine gestaltete Osternacht ein, wie auch Predigtnachgespräche. Sie konnte feministische Theologie in die Gemeinde tragen in einer „eher konservativen kirchlichen Landschaft“. Die Inhalte und Anliegen galt es verständlich zu machen ohne zu verschrecken. So veranstaltete sie einen Studiensamstag mit kreativen Elementen, Tanz und Stille zum Thema „Mit Maria Magdalena im Garten der Auferstehung“.

In dieser Zeit ließ sie sich zur pastoralpsychologischen Beraterin ausbilden, später zur Psychoanalytikerin; sechs Jahre auch mit eigener Praxis. Dies fiel in die 9 Jahre als Studieninspektorin am Predigerseminar in Hildesheim, wo sie angehende Pastorinnen und Pastoren im Vikariat unter anderem in Seelsorge und Predigt ausbildete.  

Ihre Erfahrungen konnte sie dann ab 2001 als Landespastorin für Frauenarbeit einbringen. Zugleich übernahm sie die Leitung des Arbeitsbereiches „Gemeindergänzende Dienste“, später des Fachbereiches „Erwachsene“ im Haus kirchlicher Dienste. In der Frauenarbeit fand sie ein fast flächendeckendes Netz von Kreis- und Sprengelbeauftragten für Frauenarbeit vor und sah ein „großes Bedürfnis nach biblisch-theologischer Bildung und kontextueller Theologie“.  Ehrenamtlich engagierte Frauen befürchteten durch Hauptamtliche „an die Wand gespielt zu werden“ und bauten darum ihre Kompetenzen stark aus. Als „empowerment“ entwickelte das  Frauenwerk einen trinitarischen Glaubenskurs und bot Studientage und ein Fernstudium „Feministische Theologie“ an, dessen 114 Absolventinnen zu über 80 Prozent nach wie vor in diversen Netzwerken in der Kirche engagiert sind. Ein Taufnachtfest und ein Frauen-Reformationstag in Loccum zum Klosterjubiläum 2014 mit 500 Teilnehmerinnen wurden veranstaltet. Als Kooperationsprojekte leitete Müller-Rosenau die Aktionswochen gegen häusliche Gewalt mit Namen „Rosenstraße 76“ mit über 10.000 Besucherinnen und Besuchern und den Kongress „60plusKirche“. Frauenmahle führte sie in der Landeskirche ein, die letzten beiden sogar interreligiös. Das Format mit festlichem Essen, Musik und Tischreden in einer Kirche wird mittlerweile auch in kleinerer Größe an anderen Orten der Landeskirche veranstaltet. Noch am 29. Februar beging das Frauenwerk den Equal Care Day und setzte damit frauenpolitische Akzente, die jetzt in der Corona-Krise wieder erstaunlich aktuell sind.

Als eine ihrer Aufgaben sah Müller-Rosenau es immer an, die sehr unterschiedlich geprägten Frauen in der Kirche im Frauenwerk „zusammenzuhüten“ und untereinander Vertrauen entwickeln zu lassen. Insgesamt stellt Müller-Rosenau befriedigt fest, dass Frauen, besonders auch ehrenamtlich Engagierte in der Kirche mittlerweile ein „erstaunliches Standing“ haben und geistlich aktiv sind, „was unserer Kirche gut tut“. Dabei sieht sie, dass das Frauenwerk und auch sie persönlich dazu einen Beitrag geleistet haben. 

Ihr Ruhestand schleicht sich in der Corona-Krise fast unbemerkt heran. Sie engagiert sich als Seelsorgerin am Telefon, auch im Ruhestand. Und sie wird weiterhin einen angehenden pastoralpsychologischen Berater mit einer Lehranalyse begleiten.

Seit vielen Jahren ist sie mit der Diakonin und früheren Krankenhaus-Seelsorgerin Renate Böttger zusammen, seit 2016 auch verheiratet. So freuen sich die beiden auf das Segelboot am Steinhuder Meer. Außerdem ist Franziska Müller-Rosenau bei den Urban Sketchers in Hannover engagiert, die als Künstler in Flashmobs an ungewöhnlichen Orten malen und zeichnen und demnächst auch ausstellen.

Die für den 8. Mai geplante Verabschiedung ist wegen der Corona-Krise abgesagt und wird später – möglicherweise in Zusammenhang mit einer größeren Frauenveranstaltung – nachgeholt. Formell wird sie durch Oberkirchenrätin Elke Schölper am 7. Mai in kleinem Kreis verabschiedet.