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Digitaler Talk im alten Gemäuer

Nachricht 29. Juni 2020

Sich einen Abend Zeit nehmen, um über Ethik in Unternehmen zu diskutieren: Dazu lädt der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda) mehrmals im Jahr ins Kloster Bursfelde bei Hannoversch Münden ein – jetzt erstmals digital. 20 Verantwortliche aus Unternehmen - darunter zum Beispiel Personalleiterinnen und Betriebsratsvorsitzende - tauschten sich vertrauensvoll aus.

In Corona-Zeiten passten die KDA-Referenten Stephan Eimterbäumer und Laura Rinderspacher das Format für das erste digitale Klostergespräch am 15. Juni an: Das Thema „Führungsarbeit statt Führungskräfte?“ blieb bestehen und somit auch der Impulsvortrag von Ruben Heybowitz.

Thema des Vortrags: Kollegiale Führung

Als Chief Transformation Officer des Göttinger IT-Dienstleisters Arineo, ist Heybowitz maßgeblich daran beteiligt, die neu gegründete Arineo GmbH als kollegial geführtes Unternehmen zu entwickeln. Aus diesen Erfahrungen schöpfte er im Impulsvortrag. Anhand des „Spiral Dynamics“-Modells von Don Beck und Chris Cowan führte Heybowitz durch die Entwicklungsstufen der globalen Ökonomie.

Ausgehend von diesem Überblick über verschiedene Bedürfnisse an Organisationsformen, standen im zweiten Abschnitt die Führungskräfte im Fokus. Durch die Reduzierung hierarchischer Abhängigkeiten, wird das Risiko des Problem-Vorgesetzten minimiert. Kollegiale Führung ist geeignet, die frei werdenden Struktururen zu füllen. Das System muss dafür weg von der klassischen Top-down-Struktur, hin zu produktorientiertem Teams umstrukturiert werden. Diese führen sich selbst und brauchen keine Führungskraft.

Pyramidenstruktur versus dezentrale Netzwerkorganisation

Nach dem Vortrag teilten sich die 20 Teilnehmer des digitalen Klostergesprächs in Gruppen zu dritt auf, um die Möglichkeiten und Limitationen kollegialer Führung in den eigenen Unternehmen zu diskutieren. Eine eingangs durchgeführte Umfrage zeigte, dass das Wissen um derartige agile Methoden stark variiert. Zum Abschluss wurde eine zweite Umfrage durchgeführt. Während die Teilnehmer eher dazu tendierten, dass in ihren eigenen Organisationen kollegiale Führung umgesetzt werden könnte, ist der Blick auf die bundesweite Bereitschaft schon weniger optimistisch.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass noch viel Raum für das Erproben alternativer Führungsmodelle existiert. In der Diskussion wurde immer wieder betont, dass die Akzeptanz auch eine Frage der kulturellen Prägung ist. Und Kulturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Veränderungen unterworfen sind. Der Referent machte Mut, die Veränderung von Kultur und Führungssystem schrittweise anzugehen – man könne vieles ausprobieren.

Bei Klostergesprächen in Bursfelde, zu denen Pastor Stephan Eimterbäumer, Referent im Haus kirchlicher Dienste, einlädt, stehen wechselnde Themen mit ethischem Bezug im Mittelpunkt, die für Führungskräfte interessant und relevant sind. Eimterbäumer hatte zum Auftakt in einem geistlichen Impuls über Mose und seinen Schwiegervater Jetro, der ihm zum Delegationsprinzip rät, gesprochen.