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„Predigen aus der Hebräischen Bibel“

Nachricht 25. Juni 2020
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Dr. Daniela Koeppler beendet zum 30. Juni ihre Tätigkeit als Referentin für Kirche und Judentum im Haus kirchlicher Dienste. Foto: Jens Schulze/HkD

Dr. Daniela Koeppler beendet am 30. Juni nach gut drei Jahren ihre Tätigkeit als Referentin im Arbeitsfeld Kirche und Judentum im Haus kirchlicher Dienste (HkD). Ihre Hauptaufgabe lag darin, den Wortlaut und das Anliegen der Änderungen der Kirchenverfassung aus dem Jahr 2013 durch konkrete Maßnahmen innerkirchlich zu vermitteln.

Im November 2013 beschloss die 24. Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers einstimmig, die Verfassung zu ergänzen und den besonderen Bezug zum Judentum aufzunehmen. „Die Landeskirche ist durch Gottes Wort und Verheißung mit dem jüdischen Volk verbunden. Sie achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes. Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Juden und Judentum sucht die Landeskirche nach Versöhnung. Sie fördert die Begegnung mit Juden und Judentum“, heißt es in Artikel 4, Absatz 4. Um diese Aussagen in der Landeskirche bekannt zu machen und den christlich-jüdischen Dialog zu verstärken, war die aus Oldenburg stammende Pastorin in zahlreichen Kirchenkreiskonferenzen und Gemeinden als Referentin zu Gast. Zusätzlich erstellte die promovierte Theologin und Judaistin 2018 und 2019 zwei Arbeitshilfen, die dazu beitragen, die christliche Verbundenheit mit jüdischer Tradition im Gottesdienst bewusst werden zu lassen. Die Arbeitshilfe „Mit Israel preisen wir – Gottesdienst feiern im Klangraum des Alten Testamentes“ macht einen Gang durch die christliche Liturgie und zeigt deren jüdische Bezüge auf. In der zweiten Arbeitshilfe geht es um das Predigen über Texte der Hebräischen Bibel mit Impulsen aus jüdischer Tradition.

Auf zahlreichen Fortbildungsseminaren für Prädikantinnen und Prädikanten und Lektorinnen und Lektoren führte sie in die Arbeitshilfen ein. Die Resonanz war positiv: „Es war erfreulich, eine große Offenheit gegenüber dem Thema unter ehrenamtlichen Predigerinnen und Predigern zu erleben“, sagt die 51-jährige, die selbst erst mit 45 Jahren zur Pfarrerin ordiniert wurde. „Es zeigt, dass manche Saat auf fruchtbaren Boden fällt.“ Die Arbeitshilfen sind sowohl für beruflich wie auch ehrenamtlich im Gottesdienst Mitwirkende konzipiert.

Die Pflege des Netzwerks „Christlich-jüdischer Dialog im Norden“ war ein weiterer Bestandteil von Koepplers Aufgaben. Das Netzwerk führt Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zusammen, die sich für den jüdisch-christlichen Dialog engagieren. Koeppler organisierte die jährlichen Treffen und gab einen Newsletter heraus. Zum Netzwerk gehören Mitarbeitende aus christlichen und jüdischen Gemeinden, Bildungseinrichtungen oder aus Vereinen, wie der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit oder dem Verein „Begegnungen – Christen und Juden in Niedersachen“.

Darüber hinaus hat sie weitere Veranstaltungen zum christlich-jüdischen Austausch organisiert. Sehr gern erinnert sich Koeppler an den gemeinsamen Reformationsgottesdienst mit der Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg in der Matthäi-Gemeinde Hannover-Wülfel im Jahr 2018. „Dieser Dialog-Gottesdienst war ein wichtiges Zeichen christlich-jüdischer Verbundenheit bei allen Unterschieden gerade in dem Jahr, in dem der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag eingeführt worden ist.“

Die Theologin und Judaistin folgte auf ihrem bisherigen Weg, wie sie selbst sagt, „ihrer Bestimmung, der Arbeit am christlich-jüdischen Verhältnis“: Nach dem Theologie-Studium und 18-monatigen jüdischen Studien am Ratisbonne-Institute, Christian Centre for Jewish Studies, sowie an der Hebräischen Universität in Jerusalem, koordinierte sie zuerst in Bonn und Berlin beim Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz den deutsch-israelischen Jugendaustausch. Zeitgleich schrieb sie ihre Doktorarbeit über die Internationale Jüdisch-Christliche Bibelwoche, die jährlich im Haus Ohrbeck bei Osnabrück stattfindet. Nach ihrer Ordination 2014 und vor ihrer Zeit im HkD war sie Gemeindepastorin in der Kirchengemeinde Westerstede der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg.

Seit drei Jahren ist Koeppler Delegierte der Landeskirche Hannovers in der Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise für Kirche und Judentum (KLAK) und wurde dieses Jahr in den Gemeinsamen Ausschuss „Kirche und Judentum“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK) in Deutschland berufen.

Als Pastorin war sie neben ihrer Aufgabe im HkD mit der Hälfte ihres Arbeitsumfangs in der Matthäi-Gemeinde in Wülfel tätig. Ab Juli wird sie im Amtsbereich Süd-Ost Vakanzvertretungen übernehmen, bevor sie im Oktober eine neue Pfarrstelle antreten wird.

Die Verabschiedung von Dr. Daniela Koeppler wird aufgrund der Corona-Auflagen im kleinen Kreis in der Reformierten Kirche und im HkD stattfinden.