Foto: HkD

Aufruf: Kirchengemeinden sollen Künstler engagieren

Nachricht 12. Juni 2020

Gerade jetzt, wo es nach wie vor zahlreiche Einschränkungen im kulturellen Kontext gibt, sollen die Kirchen den Künstlerinnen und Künstlern ihre Türen öffnen. Das regen Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Hannes Langbein, Kunstbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) gemeinsam mit Kunstbeauftragten der evangelischen Landeskirchen an.

„Wir ermutigen Gemeinden und andere kirchliche Einrichtungen dazu, Künstlerinnen und Künstler zu engagieren, gerade für Gottesdienste, die nun wieder eingeschränkt möglich sind“, sagt Dr. Matthias Surall, Leitender Referent für Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste (HkD). „Sie können Lesungen inszenieren, Musik darbieten, kleine Szenen vorführen und vieles mehr. So kann die praktizierte positive Religionsfreiheit der durch den Lockdown faktisch stark eingeschränkten Freiheit der Kunst unterstützend aufhelfen. Gleichzeitig kann die Kunst die in dieser Zeit eingeschränkten Gottesdienste bereichern und beleben. Eine Win-win-Situation“, so Surall.

Die Corona/COVID19-Pandemie hat vor allem die Künstlerinnen und Künstler schwer getroffen: Insbesondere freiberufliche Musikerinnen, Schauspieler, Schriftsteller, Tänzerinnen, Performer, die von öffentlichen Auftritten leben, haben in der Krise binnen weniger Tage so gut wie alle Einnahmemöglichkeiten verloren. Sie haben aber auch kaum noch Chancen, ihre Kunst anderen zu zeigen. Seither warten sie auf die Wiedereröffnung von Theatern, Konzerthäusern, die auf sich warten lässt und allenfalls schrittweise erfolgen wird.

Auftritte im Gottesdienst

Dass die Kirchen mit ihren Gottesdiensten jetzt ein wunderbarer Ort für künstlerische Darbietung jeder Art wären, ist vielen noch nicht bewusst. Dabei könnte die Religionsfreiheit nun der Kunstfreiheit aufhelfen, indem Künstler die Chance erhalten, in Gottesdiensten „aufzutreten“: Musik, Lesung, auch szenische und performative Vollzüge. Man müsste ihnen dafür nur einen Freiraum im Gottesdienst geben.

Kirchen und Künstler könnten dieses Potential ohne allzu großen Aufwand nutzen. Kirchengemeinden könnten Künstlerinnen und Künstler verstärkt in ihre Gottesdienste einladen: Musikerinnen und Musiker für instrumentale Zwischenspiele, kleine konzertante Interventionen, Schauspielerinnen und Schauspieler und Sprecherinnen und Sprecher für Schriftlesungen oder szenische Elemente.

Anrecht auf ein faires Honorar

Als Gastgeberin kann die Kirche die großen Probleme vor allem freiberuflicher Künstler natürlich nicht lösen, zumal viele Kirchengemeinden nur ein kleines Budget zur Verfügung haben. Aber ein Zeichen dafür wie wichtig gerade jetzt die Künste sind, können sie setzen.

Eine wichtige Frage aber sollte vorher offen geklärt werden: Künstler haben ein Anrecht auf ein faires Honorar. Viele Kirchengemeinden haben hierfür nur ein geringes Budget. Doch es müsste möglich sein, Förderer zu finden.

Eine solche Kooperation könnte beiden Seiten aufhelfen: Den Künstlerinnen und Künstlern, die mehr denn je auf Auftrittsmöglichkeiten angewiesen sind. Und den Kirchen, die ohne Gesang mehr denn je auf eine ansprechende ästhetische Gestaltung von Gottesdiensten angewiesen sind. Idealerweise entstehen auf diese Weise bleibende Verbindungen und neue Vertrautheiten, die auch nach der Krise fruchtbar sein könnten.