Foto: HkD

Industriepfarrer: Corona-Krise birgt auch Chancen

Nachricht 05. Juni 2020
schladebusch_2014_1200_nf_l
Foto: Jens Schulze/HkD

Der Umgang mit der Corona-Krise kann nach Ansicht des Wolfsburger Industriepfarrers Peer-Detlev Schladebusch, Referent für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt im Haus kirchlicher Dienste (HkD) auch eine positive Wirkung auf die Menschen haben. Viele würden jetzt bewusster handeln und achtsamer miteinander umgehen, sagte Schladebusch in einem Interview im aktuellen Magazin der IHK Lüneburg-Wolfsburg. „Viele kleine Dinge im Leben erscheinen ja plötzlich wieder viel wertvoller, Familie und Freundschaften rücken stärker ins Bewusstsein und viele Menschen sind plötzlich sehr dankbar für Dinge, die sie vorher als selbstverständlich betrachtet haben - zum Beispiel für den sicheren Job, mit dem sie vor der Krise vielleicht gar nicht so glücklich waren.“

Die Pandemie werde die Gesellschaft auf jeden Fall nachhaltig sowohl positiv als auch negativ verändern, betonte Schladebusch. „Die gesamte Tourismusbranche, das Hotel- und Gastronomiegewerbe, aber auch Reisebüros und -veranstalter mussten lange Zeit auf null gefahren werden, das wird noch lange negative Folgen haben.“ In der Automobilbranche träfen die Auswirkungen aktuell vor allem kleine Zulieferer, die mit einer geringeren Nachfrage zu kämpfen hätten. „Auch werden Ängste bleiben: Kommt irgendeine Pandemie bald wieder oder wird alles wieder gut?“

Er sehe Wirtschaft und Gesellschaft auf einem guten Weg. „Ich würde sagen, wir kommen langsam aus der Krise heraus und entwickeln Ideen, Pläne und Maßnahmen, die wir umsetzen können.“ Auch sei Trauer in der aktuellen Situation zu spüren, unterstrich Schladebusch: „Denken Sie nur an all jene, die herbe Verluste erleiden mussten und sich mit Existenzängsten konfrontiert sehen. Für diese Menschen ist die Situation gerade richtig schlimm. Das darf man nicht wegwischen, da braucht es Zeit zur Verarbeitung.“

Jede Krise sei wie eine Weggabelung, sagte der Theologe: „Ich muss mich entscheiden, kann nicht so weitermachen wie vorher.“ Das sei eine Chance, zu reflektieren und sich neu zu sortieren. Darin liege auch eine Kraft für einen Neuanfang. An vielen Stellen habe sich gezeigt, dass Menschen gemeinsam Verantwortung übernähmen. „Darauf lässt sich wunderbar aufbauen.“

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen