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Übersetzerin zwischen den Kulturen

Nachricht 08. Juni 2020
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Kerstin Dede, Beauftragte für Diakoninnen und Diakone und für Ephoralsekretärinnen, geht zum 30. Juni in den Ruhestand. Foto: Jens Schulze/HkD

Diakonin Kerstin Dede geht zum 30. Juni in den Ruhestand. Sie war 20 Jahre lang Beauftragte für Diakoninnen und Diakone, Pfarramts- und Ephoralsekretärinnen und Sekretärinnen der Kanzlei des Landesbischofs in Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

„Die Arbeit hat sich in den letzten 20 Jahren sehr verändert“, sagt die 65-Jährige rückblickend. „Als ich im Jahr 2000 begann, stand noch kein Computer auf meinem Schreibtisch und das Internet spielte in der täglichen Arbeit keine Rolle.“ Im Mittelpunkt standen damals Beratungen. Auch das hat sich geändert, da inzwischen Angebote wie Coaching und Supervision viel stärker angenommen werden und es inzwischen für die Berufsgruppe der Diakoninnen und Diakone eine Personalberatung gibt.

Regionalisierungen

„Ein großes Thema waren zu Beginn meiner Tätigkeit auch die Regionalisierungen“, so Dede. „Auf einmal mussten sich mehrere Gemeinden eine Diakonenstelle teilen. Die Gemeinden konnten sich nicht vorstellen, wie das funktionieren könnte. Dann hieß es zum Beispiel, ´die Diakonin ist nicht bei uns präsent‘, weil sie an diesem Tag in der Nachbargemeinde war.“ Oder ein kinderloser Diakon sollte alle Pastoren mit Kindern in den Sommerferien vertreten und gleichzeitig in der Schulzeit Konfirmandenunterricht geben. Da gab es dann für den Diakon keinen Spielraum für eigenen Urlaub.

„Im Grunde war ich eine Übersetzerin zwischen den Kulturen“, beschreibt die Diakonin ihre damalige Aufgabe. „Es war mein Anliegen, dazu beizutragen, dass es in den veränderten Strukturen zu einer friedvollen Zusammenarbeit kommen konnte.“ Zusammen mit den betroffenen Gemeinden entwickelte sie neue Dienstanweisungen, klärte Fragen zu Fahrtkosten und Arbeitszeitberechnungen. „Da haben wir das sogenannte Burgdorfer Model übernommen. Ich habe immer geguckt, wo in der Landeskirche gibt es schon etwas, das sich für alle anwenden lässt.“

Rundmails und Fortbildungen

Solche Informationen gibt Dede heute weiter über regelmäßige Rundmails und auf der Internetseite für Diakoninnen- und Diakone. Zusätzlich bietet sie Fortbildungen und eine Jahreskonferenz an. Fragen zu Dienstanweisungen für Diakone und Diakoninnen und der Anerkennung von Ausbildungen nehmen in den letzten Jahren zu.

Auch für die Ephoralsekretärinnen lädt sie regelmäßig zu Fortbildungen ein, stellt Informationen im Internet bereit und berät bei Problemen oder Fragen. Die Aufgabe für die Pfarramtssekretärinnen lag bis zum Jahr 2006 in den Händen von Ulla Paczkowski, seitdem ist Henning Schlüse dafür zuständig, der außerdem auch die Fortbildung der Küster und Küsterinnen leitet.

„Während zu Beginn meiner Dienstzeit finanzielle Kürzungen das Thema waren, stehen wir heute vor einem Fachkräftemangel“, sagt die Dede, die zwei Sitzungsperioden lang Synodale in der Landessynode der hannoverschen Kirche war. „Multifunktionale Teams werden immer wichtiger, doch wie genau sich das entwickeln wird, weiß noch keiner.“

Leitung des Laurentiushauses

Vor ihrer Zeit im HkD leitete Dede 1992 das Laurentiushaus in Falkenburg. Das Selbstversorgerhaus konnten Gruppen für Freizeiten und Seminare buchen, Dede stand ihnen auf Wunsch als Referentin zur Verfügung. „Zusätzlich haben wir in Zusammenarbeit mit großen diakonischen Einrichtungen Bildungsangebote für Erwachsene mit geistiger Behinderung angeboten“, so Dede. Sie selbst entwickelte auch Programme für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen.

Diakonische Gemeindearbeit

Dede arbeitete zunächst in einem städtischen Jugendzentrum in Rotenburg/Wümme und seit 1981 als Pfarramtssekretärin in der Kirchengemeinde Brockel. Dort begann sie 1982 eine berufsbegleitende Ausbildung zur Diakonin. „Das war großartig! Ich habe schon in der Gemeinde gearbeitet und alle paar Wochen gab es dann Unterbrechungen durch Unterricht im Lutherstift in Falkenburg, wo wir unsere Arbeit theoretisch reflektiert haben“, erinnert sich die Religionspädagogin. „Auch die Supervisionen waren ein Aha-Erlebnis. Ich kannte ja bisher nur einen wissenschaftlichen Blick auf die Welt. Ich hatte zunächst Ernährungswissenschaften und Soziologie studiert und war ein Jahr in Venezuela gewesen. Dass man so über sich selbst und seine Arbeit nachdenken kann, war eine ganz neue und bereichernde Erfahrung für mich.“

Dede arbeitete mit Kindern, Konfirmandinnen und Konfirmanden, Jugendlichen, Seniorinnen und Senioren und Generationen übergreifend. Sie entwickelte Theaterstücke mit ihnen, die in Gottesdiensten und auf Kirchentagen gespielt wurden. Besonders am Herzen lag ihr die diakonische Arbeit in der Gemeinde. „Es gab damals in Brockel den ‚christlichen Verein für Menschen mit und ohne Arbeit‘, bei dem ich mehrere Jahre den Vorsitz führte“, so Dede. „Dort lernten arbeitslose junge Frauen lebenspraktische Dinge, später konnten sie sogar eine Ausbildung als Hauswirtschaftshelferin machen.“

„Im Grunde habe ich alle meine Aufgaben gern gemacht“, sagte Dede rückblickend. „Beratungen, Fortbildungen, auch die Verwaltungsaufgaben. Es war vielseitig und das gefällt mir!“

Privat singt Dede im Coro Hispano in Hannover und liest leidenschaftlich gerne Krimis.

Verabschiedung am 12. Juni

Die Verabschiedung von Kerstin Dede wird am Freitag, 12. Juni in der Neustädter Hof- und Stadtkirche mit einem Gottesdienst gefeiert. Für die vielen Menschen, die mit Kerstin Dede in Kontakt standen, gibt es die Möglichkeit, ein Video von der Verabschiedung unter www.kirchliche-dienste.de, dort unter „Filme“, am Folgetag anzusehen.