Foto: HkD

Eskalation in der Golfregion

Nachricht 08. Januar 2020
Der Friedensbeauftragte im Haus kirchlicher Dienste, Lutz Krügener, ruft dazu auf, die Logik der Gewalt zu überwinden. Foto: Jens Schulze/HkD

„Gott steht den Opfern bei. Das geschieht aber nicht durch eine Steigerung der Gewalt, sondern durch Überwindung der Logik der Gewalt…. Wir sind gerufen, uns aufrecht und mündig…., an Christi gewaltfreiem Friedenshandeln auszurichten und Verantwortung für einen gerechten Frieden zu übernehmen.“ So die Kundgebung der Synode der EKD im November 2019.

Lutz Krügener, Beauftragter für Friedenarbeit im Haus kirchlicher Dienste, sagt: Die „Realpolitik“ geht wieder in eine ganz andere Richtung. Gewalt wird mit schlimmerer Gewalt beantwortet. „Verantwortung übernehmen“ wird militärisch verstanden. Als „Opfer“ werden nur die Menschen der eigenen Nation angesehen. Ich kann über diese Kontinuitäten der Machtpolitik nur immer wieder erschrecken, aber es darf nicht lähmen, uns in Christi Sinne für eine Überwindung der Logik der Gewalt einzusetzen und aus der Perspektive aller Opfer auf einen Konflikt zu schauen und nicht aus strategischen Überlegungen.

EKD-Friedensbeauftragter „tief besorgt“ über drohende Eskalation am Golf

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, hat sich tief besorgt über eine drohende Eskalation in der Golfregion gezeigt. „Die Gefahr eines Krieges ist nach dem US-Angriff auf einen iranischen General wohl gestiegen“, befürchtet der evangelische Theologe. Dazu gehört bei ihm auch die große Sorge vor einer gefährlichen Spirale von Rache und Vergeltung, die den Konflikt noch verschärfen könnte. „Gerade als Kirchen können wir dazu nicht schweigen“, mahnt Brahms. Seiner Ansicht nach ist es jetzt wichtig, dass nach politischen Lösungen gesucht wird, bevor die Krise in einen militärischen Konflikt münde. „Ich kann die Mahnungen des Ökumenischen Rates der Kirchen wie auch des UN-Generalsekretärs an die Konfliktparteien zu einer größtmöglichen Zurückhaltung nur unterstützen“, so Brahms.

Der EKD-Friedensbeauftragte fordert aber auch die Bundesregierung auf, im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen mäßigend auf die Konfliktparteien einzuwirken, Gespräche zu führen und gemeinsam mit anderen Staaten nach friedlichen Lösungen zu suchen. „Es muss nun alles getan werden, damit es nicht zu einem Krieg mit unübersehbaren Folgen kommt“, mahnte Renke Brahms und betont: „Es ist jetzt die Stunde der Diplomatie.“

Der EKD-Friedensbeauftragte unterstützt dabei die Entscheidung der Bundesregierung für einen Teilabzug der Bundeswehrsoldaten aus dem Irak. „Wenn der Irak in diesen Konflikt stärker verwickelt wird, bestünde auch für diese Personen die Gefahr, in die Auseinandersetzungen mit hingezogen zu werden“, warnt Renke Brahms.

Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums sind derzeit im Irak rund 130 Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz, vor allem in der Ausbildung der irakischen Streitkräfte. Der Theologe verwies aber auch auf den Beschluss des irakischen Parlaments, wonach ausländische Truppen das Land verlassen sollen. „Wenn die irakische Regierung dieser Entscheidung folgen sollte, wäre es richtig, wenn die Bundesregierung die Bundeswehrsoldaten, aber auch die zivilen Mitarbeiter, die im Irak tätig sind, dann auch ganz abzieht“, so der EKD-Friedensbeauftragte.

Bonn/Wittenberg, 7. Januar 2020/dj