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Corona weltweit: Stimmen aus internationalen Gemeinden

Nachricht 08. April 2020

Die Solidarität in der Corona-Krise verbindet die Welt

"Es ist schlicht nicht vorstellbar, wie man dort leben sollte, wenn man nicht mehr vor die Tür gehen dürfte", sagt Théophile Divangamene, Pastor der westafrikanischen Gemeinde in Hannover über Corona in Afrika. "Viele Menschen verdienen ihren Unterhalt täglich auf's Neue spontan auf der Straße. Wovon sollten Straßenhändler oder Schuhputzer leben, wenn sie in den Häusern bleiben müssten? 

Wir richten den Blick in die weltweite evangelische Gemeinschaft: Wie eine Chinesin aus der Region Hannover Mundschutz-Masken nach China schickt, ein Kongolese als Pastor mit seiner afrikanischen Gemeinde für die Menschen in der Heimat betet und ein aus Südafrika stammender Pastor die dramatische Zuspitzung in Afrika erlebt. Sie alle erzählen, wie sie die Pandemie erleben, wie das Gemeindeleben trotz allem funktioniert und wie ihr Glaube ihnen Halt gibt.

Théophile Divangamene ist Pastor der westafrikanischen Gemeinde in Hannover. Er stammt aus dem Kongo und hat in Aachen und Göttingen unter anderem internationale Politik und interkulturelle Theologie studiert. Er lebt seit mehr als 26 Jahren in Deutschland und beobachtet, dass Corona in Afrika für weniger Angst sorgt als hierzulande – obwohl die Auswirkungen drastischer werden könnten.

„In meiner Gemeinde habe ich Menschen aus dem Kongo, der Elfenbeinküste, Togo, Madagaskar, Liberia. Die Angst vor Corona in diesen Ländern ist weniger stark als hier, würde ich sagen. Es ist auch schlicht nicht vorstellbar, wie man leben sollte, wenn man nicht mehr vor die Tür gehen dürfte. Viele verdienen ihren Unterhalt täglich aufs Neue spontan auf der Straße. Wovon sollten Straßenhändler oder Schuhputzer leben, wenn sie in den Häusern bleiben müssten? Die sind außerdem oft sehr klein, man würde es kaum aushalten. In Deutschland stellt die Regierung Soforthilfen und Kredite bereit – das gibt es in vielen, den meisten, anderen Ländern der Welt nicht. Diesen Alltag kann man deshalb nicht ändern, die Leute müssen arbeiten gehen.

Viele sagen mir auch: Wir haben schon so viel Schlimmes erlebt, zuletzt Ebola – dann werden wir auch Corona überleben. Sicherlich ist das auch der Versuch, die Angst klein zu halten und das Vertrauen in Gott zu stärken. Aber was sollen sie auch anderes tun? Gott hält zu uns und ist da - als Pastor ist das jetzt meine Botschaft. Meine Predigten verschicke ich per WhatsApp, ich rufe täglich Leute an und schreibe Ermutigungen, die dann in den sozialen Netzwerken verteilt werden. Das ist vielen sehr wichtig, weil sie dann sehen: Der Pastor achtet auf mich, auf mich persönlich. Das zählt sehr, sehr viel.

Die Gemeinde ist nämlich die Familie, in einem viel engeren Sinn als in Deutschland sonst üblich. Im Kongo oder in Togo geht man nach dem Gottesdienst nicht einfach nach Hause. Man geht zusammen Kaffee trinken, spricht mit dem Pastor und anderen Gemeindemitgliedern, die ja auch Nachbarn und Freunde sind. Kirche und Religion sind dort anders im Leben der Menschen verankert, beides ist nicht zu trennen. Und so blicken viele meiner Landsleute mit Sorge auf die Ausbreitung von Corona, aber auch mit dem Vertrauen auf Gott, dass er bei uns ist.“

He Yang-Winkelmann ist stellvertretende Vorsitzende der chinesischen Gemeinde in Hannover, deren Gottesdienstraum wir hier zeigen. Ein Porträtfoto wollte Frau Yang-Winkelmann nicht veröffentlichen lassen.

He Yang-Winkelmann lebt seit etwa 20 Jahren in Deutschland und stammt gebürtig aus der chinesischen Hauptstadt Peking. Die Lehrerin ist Vorsitzende der chinesischen Gemeinde in Hannover, wohnt mit ihrer Familie in Wunstorf und hat miterlebt, wie die Sorge vor Corona zu einer weltweiten Sorge wurde.

„Anfangs haben wir nur nach China geblickt, voll Sorge um unsere Verwandten. Wir haben am Telefon und über das Internet mit ihnen erlebt und mitgelitten, als ganze Millionenstädte unter Quarantäne gestellt wurden. Das war eine sehr schwierige Situation. Wir in Deutschland haben fast ständig Nachrichten gesehen und tröstende Bibelworte per Post oder elektronisch geschickt, wir haben für sie gebetet. Ich denke, es hat viel geholfen, dass wir versucht haben, Mut zuzusprechen – und wir haben auch Mundschutze nach China geschickt, als es hier noch welche gab.

Jetzt ist das Virus hier angelangt und auch wir müssen unser Gottvertrauen beweisen. Das hält uns aber nicht davon ab, Gottesdienste zu feiern – zwar nicht in der Kirche, aber über das Internet, per Videokonferenz. Da sind wir immer noch eine Gemeinde, hören das Wort Gottes und haben den Pastor, der immer ansprechbar ist. Das ist eine große Hilfe. Gemeinsam werden wir diese Krise bewältigen.“

Joachim Lüdemann ist Pastor in der "Durban Central Parish" und lebt und arbeitet seit 2001 in Südafrika, zunächst in ländlichen Gebieten, jetzt in der drei Millionenstadt Durban. Der Regionalrepräsentant des Ev. Lutherischen Missionswerks in Niedersachsen (ELM) für das Südliche Afrika fürchtet, dass das Coronavirus verheerende Folgen in Südafrika haben könnte und erzählt von seiner Hoffnung angesichts dieser Epidemie.

„In Südafrika gilt seit dem 26. März eine strenge Ausgangssperre – man darf nur noch auf die Straße zum Einkaufen, zum Arztbesuch oder um Geld zu holen. Polizei und Militär patrouillieren durch die Straßen und kontrollieren. Das ist für viele schon eine beklemmende Situation. Es hat bereits hunderte Verhaftungen von denen, die sich nicht an die Ausgangssperre gehalten haben. Vorwürfe von exzessiver Gewalt der Sicherheitskräfte gegenüber der Bevölkerung häufen sich. Es sind in diesem Zusammenhang bereits mehr Menschen in Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften verstorben als an Covid-19.

Ich wohne mit meiner Frau und unseren drei Söhnen in einem Einfamilienhaus mit Garten. Wir gehören zu den Privilegierten, haben genügend Platz. Es geht uns gut. Aber wie soll so eine Ausgangssperre in den Vierteln der Ärmeren funktionieren – in den Townships und den Slums? Wo sich neun Leute eine Hütte von sieben Quadratmetern teilen? Wo es nur einen Wasserhahn für 30 solcher Hütten gibt? Wenn die Menschen nicht mehr ihre Waren an der Straße verkaufen dürfen und nicht wissen, wie sie die nächste Mahlzeit kaufen sollen? Wenn sie in hunderte Meter langen Schlangen dichtgedrängt vor den Ausgabestellen des Staates für Sozialrenten stehen, um sich das Senioren- oder Kindergeld auszahlen zu lassen, dann funktioniert „social distancing“ nicht. Das bereitet hier große Sorgen.

Natürlich bekommen viele über die Nachrichten mit, was zum Beispiel in Italien passiert - aber das ist für viele auch weit weg. Hinzu kommen viele Gerüchte und ,fake news‘, dass Corona Menschen mit einer schwarzen Hautfarbe nichts anhaben kann. Da ist es jetzt auch Aufgabe der Kirche, Aufklärung zu leisten und zu warnen, nicht alles zu glauben, was über Facebook und WhatsApp die Runde macht.

"Beerdigungen mit 400 Leuten - wie soll das jetzt gehen?"

Wir als Kirche müssen natürlich neue Wege finden: Statt eines Gottesdienstes zeichne ich meine Predigt mit dem Handy auf, lade sie bei Youtube hoch und verschicke sie auch als Audio-Datei per WhatsApp. Einige Kollegen haben inzwischen auch schon damit angefangen, andere bitten um technische Hilfe. Aber das ist natürlich nicht dasselbe wie ein normaler Gottesdienst, den die Leute aktiv mitgestalten mit Gesang, Zeugnis und Tanz und so wortwörtlich Leben in der Kirche ist. Zu Beerdigungen kommen nicht selten 300 oder 400 Anteilnehmende und die Zeremonie zieht sich über fünf oder sechs Stunden hin, mit diversen Ansprachen und Abendmahlsgottesdient in einer Kirche oder Halle, der gemeinsamen Fahrt zum Friedhof – häufig mit mehreren gemieteten Bussen - und dann der Beisetzung. Jetzt sollen nur noch maximal 50 Leute daran teilnehmen dürfen und alles maximal eine Stunde dauern – und alles nur am Grab und nicht in einem geschlossenen Raum stattfinden. Wie soll man das den Trauernden und Anteilnehmenden vermitteln?

Mut macht die selbstlose Hilfe

Insgesamt ist es eine sehr ungewohnte und merkwürdige Situation, Abstand halten zu sollen, in einer Kultur, die besonders von den vielfältigen sozialen Beziehungen geprägt ist. Meine Hoffnung ist die Realität Gottes, der zusagt, sich besonders der Armen und Kranken in dieser Epidemie anzunehmen – sie seine Nähe spüren zu lassen, durch das selbstlose Wirken vieler Mitarbeitenden im Gesundheitssektor, aber auch durch viele Nichtregierungsorganisationen, die Essenspakete verteilen, die ihre Kirchen als Zufluchtsorte öffnen, und die auch einfach die besonders Betroffenen im Gebet mittragen und ihnen Mut-Worte zusprechen. Bei diesem Gebet und Mut-Weitergeben mache ich auch gerne mit – und lade auch alle in Deutschland dazu ein, dabei zu sein!“

Text: Christine Warnecke

Kontakt Gemeinden anderer Sprache und Herkunft

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Dr. Michael Wohlers
Tel.: 0511 1241-478

Projektkoordinator
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Gemeinden anderer Sprache und Herkunft im HkD

Das Projekt „Gemeinden anderer Sprache und Herkunft als ekklesiologisch-ökumenische Herausforderung für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers“ bietet Gemeinden unserer Landeskirche an, sie in ihren Kontakten zu Migrationsgemeinden zu begleiten und zu vernetzen. Denn Christ-Sein in Niedersachsen heißt heutzutage nicht mehr automatisch, christliche Frömmigkeit in den traditionellen Bahnen deutscher Konfessionen zu leben. Damit stellt sich die ökumenische Frage: Wie können Christenmenschen aus einheimischen Kirchen mit christlichen Migrantinnen und Migranten ihr Christ-Sein gemeinsam leben? Hierbei finden sie Unterstützung durch das Haus kirchlicher Dienste (HkD).

Gemeinden anderer Sprache und Herkunft

Das ev.-lutherische Missionswerk (ELM)

Das ELM wurde 1977 gegründet und bringt in einem Netzwerk 23 evangelische Kirchen in 19 Ländern auf vier Kontinenten zusammen. Es unterstützt Gemeinden und Freundeskreisen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika. Dazu gehört auch der Austausch von Theologen, Entwicklungsfachkräften und Ehrenamtlichen und unterstützt Projekte der Partnerkirchen finanziell. Als Stiftung arbeitet es auf der Grundlage rechtverbindlicher Verträge im Auftrag der drei evangelischen Landeskirchen Hannovers, Braunschweig und Schaumburg-Lippe und unterstützen die missionarischen Aktivitäten in Deutschland und in der Welt.

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