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„… und daß man eine große Hoffnung faßt“ - In Gedenken an Dietrich Bonhoeffer

Nachricht 08. April 2020
Dietrich Bonhoeffer in London auf dem Rückweg von Amerika nach Deutschland, Juli 1939. Bild: Dietrich-Bonhoeffer-Portal, www.dietrich-bonhoeffer.net

Vor 75 Jahren, am 9. April, starb Dietrich Bonhoeffer, ermordet im KZ Flossenbürg. Er wurde hingerichtet vier Wochen vor der „bedingungslosen Kapitulation“ Deutschlands zum 8. Mai 1945, dem, wie es Altpräsident Richard von Weizsäcker 1985 erstmals formulierte „Tag der Befreiung“. Diese und andere Gedenktage mit Bezug zu den letzten Monaten des Dritten Reiches drohen unter der Corona-Nachrichtenlage unterzugehen. Gedenkveranstaltungen sind abgesagt und lassen sich auch schwerlich „später“ nachholen. Ist mit Corona die Sorge um Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit im Pause-Modus?

Dietrich Bonhoeffer steht für den Widerstand. Bereits 1933 kritisiert er das nationalsozialistische Führerprinzip und veröffentlicht den Aufsatz „Die Kirche vor der Judenfrage". Darin fordert er, die Kirche müsse bereit sein, „nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad in die Speichen zu fallen.“ Die NS-Zeit ist seit einem dreiviertel Jahrhundert Geschichte, wirkt aber gerade in Deutschland bis heute nach: die Erinnerung an die menschlichen Abgründe des NS-Staates und die schwere Schuld des deutschen Volkes ist zu bewahren, damit zum Beispiel Jugendliche von heute verstehen lernen können, was hierzulande einmal möglich war und bewahre Gott nie wieder möglich sein wird.

„Von der Auferstehung her leben“

Am 5. April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer verhaftet. Ostern 1943 ist er noch sehr hoffnungsfroh, nicht ahnend, dass er über zwei Jahre bis zu seinem Tode ein Gefangener sein würde. Am Ostersonntag, den 25. April, schreibt er seinen Eltern aus dem Gefängnis: „…wie gern würde ich euch wissen lassen, dass ich auch hier ein frohes Ostern feiere. Es ist das Befreiende von Karfreitag und Ostern, dass die Gedanken weit über das persönliche Geschick hinausgerissen werden zum letzten Sinn alles Lebens, Leidens und Geschehens überhaupt und dass man eine große Hoffnung fasst. Seit gestern ist es wunderbar still im Haus geworden. ‚Frohe Ostern’ hörte man viele einander zurufen und neidlos gönnt man jedem, der hier schweren Dienst versieht, die Erfüllung dieses Wunsches.“ Ein Jahr später, am 27. März 1944 sind seine Worte schon deutlich ernster. Er schreibt einem Freund: „Ostern? Unser Blick fällt mehr auf das Sterben als auf den Tod. (…) Die Überwindung des Sterbens ist im Bereich menschlicher Möglichkeiten, die Überwindung des Todes heißt Auferstehung. (…) Von der Auferstehung her leben – das heißt doch Ostern. Findest du auch, dass die meisten Menschen nicht wissen, woher sie eigentlich leben?“

Am Gründonnerstag, seinem 75. Todestag, ist Gelegenheit, an Dietrich Bonhoeffer zu denken, zum Beispiel, in dem seine persönlichen Texte gelesen werden. Die Zitate aus den Briefen zu Ostern stammen aus dem 1951 herausgegebenen Buch „Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft", in dem erstmals auch das Gedicht „Von guten Mächten“ veröffentlicht wurde. (Gütersloher Verlagshaus)

NDR zeigt Dokudrama am 4. Mai

Vor wenigen Wochen fanden im Kloster Bursfelde Dreharbeiten statt für das Dokudrama „Mit Gott gegen Hitler." Der Film läuft am 4. Mai 2020 um 23.30 Uhr in der ARD, leider zu später Stunde. Er ist aber am 4. Mai  bereits ab 18 Uhr in der ARD-Mediathek verfügbar und wird am 9. Mai 2020 im NDR-Fernsehen wiederholt.

Martin Käthler