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Corona: Landwirtschaft hat fundamentale Bedeutung für die Gesellschaft

Nachricht 06. April 2020
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Foto: Jens Schulze/HkD

In der Corona-Krise merken wir unmittelbar, wie wichtig eine gesicherte Versorgung mit Lebensmitteln ist. Die UN spricht in diesem Zusammenhang von der Ernährungssouveränität der Staaten. Daher geht derzeit der Blick verstärkt in die Richtung Landwirtschaft. Wie können die Höfe, egal ob klein oder groß, ob Bio oder konventionell, diese Situation meistern?

„Zu aller erst müssen die Landwirtinnen und Landwirte sich und ihre Mitarbeitenden vor der Infektion schützen, damit die Arbeit weitergehen kann“, sagt Pastorin Ricarda Rabe, Referentin für den Kirchlichen Dienst auf dem Lande im Haus kirchlicher Dienste (HkD). “Von größeren Milchviehbetrieben höre ich, dass sie im Zwei-Schicht-System arbeiten, wobei die eine Truppe der anderen nicht begegnen darf, damit im Fall einer Infektion immer noch ein Team übrig bleibt, das melken kann. Gleiches wird wohl auch für alle anderen Viehhalter gelten. Denn die Tiere müssen versorgt werden, Tag für Tag.“

Besonders angespannt sei die Lage bei den Betrieben, die auf Erntehelfer aus Osteuropa angewiesen sind, also die Spargel- und Erdbeerbauern, aber auch die Gemüsebetriebe, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Pflanzen von Kohl, Salat und ähnlichem benötigen. Zwar hat die Bundesregierung inzwischen die Einreise von 40.000 Personen gestattet, weil erkannt wurde, dass auch diese „systemrelevant“ sind. Aber das sind deutlich weniger als die ca. 100.000 Menschen, die nötig sind. „Dabei bleibt es offen, ob die Menschen in Krisenzeiten wie dieser, die nicht absehbar endet, überhaupt ihre Heimat und ihre Familien verlassen wollen oder dürfen. Wenn sie kommen, weil sie auf den Verdienst in der Saison elementar angewiesen sind, muss der Landwirt für Quarantäne, getrennte Teams, verschärfte Hygiene und ähnliches sorgen, zusätzlich zur ohnehin schon hohen Arbeitsbelastung“, so die Landwirtschaftspastorin Rabe.

Freiwillige Helfer könnten die Situation entlasten, wenn sie bereit sind, sich für die gesamte Saison zu verpflichten und harte körperliche Arbeit zu leisten. „Auch wenn Erdbeerpflücken nach Meinung der Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast ‚kein Hexenwerk’ ist, so bedarf es dennoch einer gewissen Übung, um Sorgfalt und Tempo zu gewährleisten. Das gilt noch mehr für den Spargel. Die Erntehelfer aus Osteuropa sind Profis, die können nicht einfach so durch Amateure ersetzt werden“, sagt Rabe.

Viele Hofläden haben jetzt aus Angst vor Infektionen geschlossen. Gerade weil auf den Höfen oft die ältere Generation zu Hause ist und geschützt werden muss. Da ist Kreativität gefragt und wird auch praktiziert, um die Ware dennoch an den Mann oder die Frau zu bringen. Lieferdienste oder Abholstationen sind da eine gute Möglichkeit, um weiterhin Umsätze zu erzielen und so das Überleben dieser wichtigen Nahversorgungseinrichtungen zu gewährleisten.

Verbraucher können derzeit Landwirte dadurch unterstützen, dass sie verstärkt vor Ort einkaufen und das nach Ende der Krise nicht wieder aufgeben. „Denn eines ist für mich durch Corona deutlich geworden: Wir sollten nicht darauf angewiesen sein, dass unsere Grundversorgung von Importen abhängig ist. Wir sehen bei Schutzkleidung und Medikamenten, wie schnell so ein System zusammenbrechen kann. Wir brauchen unsere Bäuerinnen und Bauern vor Ort“, so Rabe. „Der Begriff ‚Lebensmittel’ bringt es im wahrsten Sinne des Wortes auf den Punkt: Ohne Nahrung kein Leben.“