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„Star Wars“: Und führe uns nicht in Versuchung

Nachricht 20. September 2019

Zum Vortrag über religiöse Transformationen in der Star-Wars-Saga kamen am Freitag, 13. September in das Kommunale Kino im Künstlerhaus Hannover über 35 Besucher. Organisiert von den Arbeitsfeldern Weltanschauungsfragen sowie Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste (HkD) widmete sich der Tag dem symbolischen Universum der Filmreihe, den Parallelen zur christlichen Religion und den gesellschaftlichen Folgewirkungen. 

Der Schöpfer der Saga, George Lucas, brachte 1977 mit „Krieg der Sterne“ einen seinerzeit filmtechnisch und erzählerisch bahnbrechenden Film ins Kino, der in vielfältiger Weise Hollywood revolutionierte. Inszeniert wurde der ewige Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, angereichert durch reichlich Action in einer „neuen Welt“ (im Weltraum) und einer schablonenhaften Zeichnung guter und böser Charaktere, in erster Linie Luke Skywalker und Darth Vader als Gegner. Im zweiten Film dann konfrontiert der Bösewicht Vader den jungen Helden Skywalker mit der Aussage: „Ich bin dein Vater!“, heute eines der bekanntesten Filmzitate überhaupt und damit auch Titel der HkD-Veranstaltung. Film um Film, mittlerweile sind es acht Episoden in drei Trilogien (der - vorerst - letzte Teil kommt im Dezember in die Kinos), entwickelte sich über vier Jahrzehnte ein im wahrsten Sinne des Wortes Universum voller religiöser und mythologischer Versatzstücke, die sogar in einigen Ländern zu einem spirituellen Eigenleben wie dem Jediismus führten. Jedi-Ritter, das sind „die Guten“ im Universum. 

George Lucas hat insbesondere Elemente aus dem Christentum aufgegriffen. Dies beginnt schon beim Namen Skywalker, der auf die „Himmelfahrt“ verweist, die Waffe eines Jedis ist das „Lichtschwert“, Paulus sprach von „Waffen des Lichts“. Auch Darth Vader, also Skywalker senior, war einmal ein Jedi, bevor er durch die „dunkle Seite der Macht“ bekehrt wurde. Davon erzählt die um die Jahrtausendwende entstandende Trilogie, beginnend mit der Jungfrauengeburt des Annakin Skywalker, der „vom Bösen in Versuchung geführt wird“, anders aber als Jesus in der Wüste nicht wiederstehen kann. Kenner wissen aber, dass letztendlich Luke, der liebende Sohn, seinen Vater, Darth Vader, „erlöst vom dem Bösen“ und dieser dann zum Filmende neben anderen guten Jedi-Rittern als immaterielle Lichtgestalt Annakin Skywalker erscheint: Das ewige Leben sozusagen, wiedergeboren als Jedi. Bei Christen klingelt es gleich doppelt im Ohr, zum einen hören sie das Hohelied der Liebe und erinnern die Jahreslosung 2011: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.“ Als hätte Luke Skywalker eifrig in der Bibel gelesen. 

„Beim Anschauen der Star Wars-Filme kann man im Minutentakt Parallelen zur christlichen Religion entdecken“, so Jürgen Schnare, Referent für Östliche Religionen und Weltanschauungsfragen im HkD. „Die Star Wars Saga wirkt weltweit und generationenübergreifend auf die Gesellschaft, Menschen finden sich in den Geschichten wieder, die wahrgenommen Botschaften prägen ihr Leben. Vielleicht scheint vieles vertraut, weil zentrale Motive und Figuren anknüpfen im christlichen Glauben und im, das sollte man doch einmal betonen, ‚Popcornkino‘ Hollywoods perfekt rezipiert werden. Die Bibel ist ein Füllhorn an Wissen und Weisheit, Evangelium bedeutet ‚Gute Botschaft‘; die Star Wars-Filme haben viele gute Botschaften filmisch, wenn auch in einem völlig anderen Setting, umgesetzt und lebendig gemacht.“

„Möge die Macht mit Dir sein“

Als Referent führte der Akademische Oberrat Dr. Michael Waltemathe von der Ruhr-Universität Bochum durch die Tagung. Er spannte einen Rahmen mit den für Christen sehr vertrauten Begriffen Glaube, Liebe und Hoffnung und leitete ein mit dem Begriff der „Macht“. Im englischen heißt es „force“, was man seinerzeit 1977 auch hätte mit Kraft, Stärke oder Einfluss übersetzen können. In jedem Film gibt es eine Szene, in der die Macht beschrieben wird, zum Beispiel: „Es ist ein Energiefeld, das alle lebenden Dinge erzeugen. Es umgibt uns, es durchdringt uns. Es hält die Galaxis zusammen.“ Waltemathe zeigte, dass im ersten Star Wars-Film zunächst die Macht als etwas Böses, Dunkles eingeführt wird, erst im späteren Verlauf wird gezeigt, dass es auch eine gute, helle Seite der Macht gibt, dort stehen die Jedi-Ritter. Waltemathe beschreibt, dass die „Macht“ also weder gut noch böse an sich ist, sondern eben zwei Seiten hat, eine helle und eine dunkle. Der Idealzustand ist erreicht, wenn die Macht im Gleichgewicht ist. Dies zu Ende gedacht bedeutet aber, dass es immer neben dem Guten auch das Böse geben muss. Zum Tagungsende musste auch Dr. Waltemathe zur Frage „Wie geht die Geschichte weiter bzw. wie endet sie?“ sagen: „Lassen wir uns durch den neunten und letzten Teil im Dezember überraschen!“

Warum Kirche und „Star Wars“?

Achim Kunze, Referent im Arbeitsfeld Kunst und Kultur im HkD, verweist auf die am Nachmittag der Tagung vorgestellten Transformationen der Filme in das reale Leben von Menschen. Fans treffen sich kostümiert auf Conventions, es gibt private Jedi-Orden und Star Wars-Freizeitparks. „Ich nehme wahr, wieviel der Symbolik, die wir als Christen selbstverständlich in unserer Religion verwenden, kulturell adaptiert wird, übrigens nicht nur durch ‚Star Wars‘. Wir erkennen in diesen anderen Kontexten klar unsere christlichen Werte und erleben und erleiden als Zuschauende existentielle Situationen mit den Helden. ‚Star Wars‘ ist für mich eine besonders anregende Geschichte, eine völlig fremde Welt, in die ich hineintauche, um dann zu erkennen, hey, das kenne ich doch alles von irgendwoher, vieles ist mir sehr vertraut.“ 

Steffen Marklein von der Hannoverschen Bibelgesellschaft ergänzt: „Das Thema Gut versus Böse ist ja eine fast apokalyptische Fragestellung, die in der biblischen Tradition tief verankert ist. Auch wenn ‚Star Wars‘ zunächst Erzählkino des Filmvisionärs George Lucas ist, höre ich die religiösen Deutungen des ‚Star Wars‘-Experten Dr. Waltemathe mit großem Interesse. Ein zentraler Satz im Vaterunser lautet ,Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.‘ Allein zu erkennen und ein Stück weit auch wertzuschätzen, dass unsere christlichen, biblischen Botschaften massiv und eindeutig durch die ‚Star Wars‘-Filme positiv transportiert werden lohnt eine intensive Beschäftigung mit den ‚Star Wars‘.“

Das Haus kirchlicher Dienste unterstützt und ergänzt als übergemeindliche Einrichtung die Arbeit der Kirchengemeinden in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Aktuelle Themen und Fragestellungen werden hier aufgegriffen und zentral bearbeitet, so dass die Inhalte für die kirchliche Arbeit vor Ort zur Verfügung stehen. Zu den wesentlichen Aufgaben der Referentinnen und Referenten gehören die Entwicklung und Bereitstellung von Materialien, die Weiterbildung von Haupt- und Ehrenamtlichen, die individuelle Beratung sowie der inner- und außerkirchliche Dialog.

Weitere Informationen:

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Gunnar Schulz-Achelis
Aufgabenbereich:

Referent für Öffentlichkeitsarbeit
Pastor
Journalist
Kommunikationswirt