Foto: HkD

Von der Frauenarbeit zur Seelsorge im Krankenhaus

Nachricht 09. September 2019

Pastorin Bettina Rehbein beendet zum 30. September ihren Dienst als Theologische Referentin im Frauenwerk des Hauses kirchlicher Dienste (HkD) in Hannover. Ab Oktober wirkt sie als Krankenhausseelsorgerin im Vinzenzkrankenhaus Hannover.

In den letzten viereinhalb Jahren war Rehbein im Frauenwerk dafür zuständig, „dass das theologische und biblische Futter nicht ausblieb“, wie sie selbst es formuliert. Sie organisierte theologische Studientage, etwa zum Thema „Segen“ oder zur Theologin „Dorothee Sölle“. In den Werkstätten, die in jedem Sprengel zum jährlichen Frauensonntag stattfanden, stand die Auseinandersetzung mit den Bibeltexten im Zentrum. „Was von den ehrenamtlichen Frauen danach an kreativen Ideen in die Gemeinden getragen wird, ist schon ein Alleinstellungsmerkmal in unserer Kirche“, sagt Rehbein rückblickend. „Es beeindruckt mich immer wieder, wie kompetent und eigenständig die Frauen in ihren Gemeinden tätig werden. Da ist ein ganz großes Potential vorhanden!“

Sie war an der Organisation der Frauenmahle in Hannover beteiligt, die in den letzten Jahren interreligiös angelegt waren. Frauenfrühstücke, die jährlichen Frühjahrstagungen und auch die „Tage für Frauen“ gehörten zu den Veranstaltungen, die sie mit vorbereitete. Ein besonderer Höhepunkt war das 75-jährige Jubiläum des Frauenwerks im Jahr 2016. „Dabei wurde mir klar, auf welch reiche Geschichte das Frauenwerk zurückschaut!“, so die Pastorin. Im Vorfeld des Reformations-Jubiläums 2017 beschäftigte sie sich mit der Geschichte der Frauen seit der Reformationszeit bis heute und wie sie Kirche und Gesellschaft geprägt und verändert haben.

Im HkD schätzte Rehbein auch die Möglichkeit, sich im Haus und in der Landeskirche zu vernetzen, so etwa mit dem Fachbereich Umwelt- und Klimaschutz oder dem Arbeitsfeld „Kirche und Judentum“. „Ich glaube, dass es keine gute christliche Theologie ohne das Bewusstsein für unsere jüdischen älteren Geschwister im Glauben gibt“, so die Theologin. Über das HkD hinaus arbeitete sie mit der Gleichstellungsbeauftragten der hannoverschen Landeskirche, den Evangelischen Frauen in Deutschland e. V. (EFiD), dem Evangelisch-lutherischen Missionswerk Niedersachsen in Hermannsburg (ELM), der Bibelgesellschaft und den Frauenwerken der anderen Landeskirchen zusammen.

Auch die ökumenische und interreligiöse Arbeit lag ihr am Herzen. „Daher freue ich mich jetzt auch auf die ökumenische Zusammenarbeit mit dem Seelsorgeteam im katholischen Vinzenzkrankenhaus“, so die Theologin.

„Jemand sagte mal, Seelsorge ist die Muttersprache der Kirche. So empfinde ich auch“, sagt Rehbein zu ihrem Wechsel ins Krankenhaus. „Ich fühle mich Christus sehr nahe, wenn ich einen kranken oder im Heilungsprozess befindlichen Menschen besuche. Und auch die Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, brauchen Stärkung für Ihren Dienst.“ Rehbein weiß wovon sie spricht, sie hat bereits im Haupt- und Ehrenamt mehrjährige Erfahrungen in der Krankenhausseelsorge gesammelt.

Rehbein studierte Theologie in Heidelberg, Berlin und Göttingen und war nach ihrem Vikariat in der Evangelisch-reformierten Kirche als Pastorin im Hilfsdienst an verschiedenen Stellen tätig, unter anderem als Gemeindepastorin und als Inspektorin des Reformierten Studienhauses in Göttingen. Als sie wegen des zehnjährigen Stellenstopps in der Reformierten Kirche nicht in den regulären Pfarrdienst eintreten konnte, absolvierte sie einen Kurs in Klinischer Seelsorge (KSA) und machte eine Ausbildung als Supervisorin und Psychodramatikerin. Sie arbeitete freiberuflich als Supervisorin für ehrenamtliche Teams im Hospizbereich und für Gesundheitsteams in der Palliativmedizin und als Verfahrensbeistand für Kinder und Jugendliche im Familiengericht.

Die Verabschiedung von Pastorin Bettina Rehbein wird am 26. September um 15 Uhr in der Evangelisch-reformierten Kirche Hannover, Lavesallee 4 mit Gottesdienst und Empfang gefeiert.