Foto: HkD

Achim Kunze geht in den Ruhestand

Nachricht 04. November 2019

Pastor Achim Kunze geht zum 31. Dezember 2019 als Referent für Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste (HkD) in den Ruhestand.

Kunze kam 2014 ins HkD. Zunächst lag sein Schwerpunkt darauf, im Vorfeld des Themenjahres „Reformation und Bild“ eine Arbeitshilfe zu entwickeln. „Uns war wichtig, dass diese Broschüre auch nach dem Reformationsjubiläum Anregungen für die Arbeit in Kirchengemeinden bietet“, betont der Theologe. Diese Arbeitshilfe kann noch immer über das HkD bezogen werden.

Ein weiterer Schwerpunkt Kunzes war die Beratung von Kirchengemeinden: Wie bewerben wir uns beim Kulturkirchenfonds der Landeskirche? Was müssen wir beim Erwerb eines Kunstwerkes beachten? Welche Künstler oder Künstlerinnen können wir in die Gemeinde einladen? Wie finanzieren wir das? Dazu kam die Mitarbeit in Jurys, die über Ausschreibungen für Kunstwerke in Kirchen entschieden, etwa wenn es um neue Kirchenfenster ging oder um ein Mahnmal zum Frieden.

Kunze überarbeitete den Newsletter des Arbeitsfeldes, der inzwischen in modernem Design und bis zu achtmal jährlich erscheint. „Dabei ist mir der Blick über die Landeskirchengrenzen hinaus wichtig“, so Kunze. Er behielt die Szene zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen, die sich im Bereich Kunst und Kirche oder Kunst und Religion engagieren, im Auge und pflegte regelmäßigen Kontakt zu ihnen. „Es gibt bei manchen Kunstschaffenden eine Distanz zur Kirche. Einige Gemeindemitglieder wiederum haben Probleme mit der zeitgenössischen Kunst“, erläutert der Pastor. „Künstler oder Künstlerinnen, die wir fördern, etwa durch einen Kultur-Preis, bekommen eine Verbindung zur Kirche, und durch Folgeveranstaltungen werden wiederum Kirchengemeinden auf sie aufmerksam.“ Kunstschaffende und Kirchengemeinden ins Gespräch zu bringen, ist Kunze ein wichtiges Anliegen.

Die Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsfeldern lag ihm ebenfalls am Herzen. Wie man den Kirchen-Raum besonders zum Klingen bringen kann, ihn verschönert, öffnet und gestaltet, war das Thema der Tagung „Schön ist’s hier“ im Jahr 2015, die zusammen mit dem Arbeitsfeld Offene Kirchen durchgeführt wurde. Im Jahr 2018 gestalteten beide Arbeitsfelder einen Fachtag zum Thema „Licht im Kirchenraum“. Mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der VW-Stiftung organisierte Kunze ein Symposium zur Erinnerungskultur anlässlich der 100. Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkriegs.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war die Förderung kirchlicher Filmarbeit durch den Arbeitskreis Kirche und Film und die Begleitung der Kino-Kirche-Staffel „DER FILMTIPP“. Sie wird in Zusammenarbeit mit der katholischen Akademie Schwerte durchgeführt und zeigt jährlich acht herausragende Filme in 9 Orten Niedersachsens. In Zusammenarbeit mit Kinobetreibern und Kirchengemeinden stellt dies einen wichtigen Beitrag zum Dialog im Bereich Kirche und Kino dar.

Im diesem Jahr lag ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf der Begleitung der landeskirchlichen Wanderausstellung „POLESSJE ELEGIE“ mit Bildern von Hermann Buß aus der Sperrzone von Tschernobyl. Nach dem Weggang von Prof. Dr. Julia Helmke leitete Achim Kunze von 2015 bis 2016 kommissarisch das Arbeitsfeld Kunst und Kultur.

Vor seiner Tätigkeit im HkD war Kunze von 2010 bis 2014 Intendant der Kulturkirche St. Stephani in Bremen. Ein Highlight für ihn aus dieser Zeit: Wo vor dem Krieg acht Durchgänge zu den Seitenflügeln bestanden, bieten heute die zugemauerten Wände unter den Gewölbebögen Raum für zeitlich begrenzte „Freskenmalerei“. „Wenn Künstler ausgewählt worden waren, verwandelte sich die Kirche zwei Monate lang in ein offenes Atelier. Die Künstlerinnen gestalteten ihre Kunstwerke vor den Augen der Öffentlichkeit. Das führte zu faszinierenden Begegnungen!“, beschreibt Kunze seine Erfahrungen aus dieser Zeit. „Gerade da wo Kunst sperrig ist und mich stolpern lässt, kann ich Neues entdecken, wenn ich mir die Zeit nehme, die Kunst auf mich wirken zu lassen. Wenn ich ihr die Möglichkeit gebe, in ihr Neues zu entdecken.“

Von 2002 bis 2010 war Kunze Pastor in St. Marien, der Offenen Kirche am Markt in Osnabrück. „Das war eine besondere Situation. Die Marktkirche liegt zwischen Theater, Kunsthalle, Dom und weiteren Museen. Davon habe ich mich anregen lassen und mit allen die Zusammenarbeit gesucht“, so der Theologe. Tanztheater in der Kirche oder stadtweite Ausstellungen waren das Ergebnis. „Es war mir immer wichtig, aus der Kirche raus zu den Menschen zu gehen, und in Osnabrück waren des eben auch die Kulturschaffenden.“ Kirchenpädagogik gehörte zu einem weiteren Schwerpunkt von Kunzes Arbeit in Osnabrück.

Davor war Kunze von1991 bis 2002 Inselpastor auf Juist. Hier stand für ihn die Arbeit mit Urlaubern und mit Kindern im Zentrum. Doch die Inselkirche mit ihren weißen Wänden regte ihn auch zum ersten Mal dazu an, Ausstellungen in den Kirchenraum zu holen, immer für einen Sommer. „Wir begannen mit einer Chagall-Ausstellung“, erinnert sich Kunze. „So voll war die Kirche sonst nie, jeden Tag kamen Urlauber und haben sich die Bilder angesehen.“ Zu den Ausstellungen gab es begleitende Vorträge und Bildmeditationen, die ebenfalls gut angenommen wurden. „Doch Kunst kann auch Ablehnung hervorrufen. Bei einer späteren Ausstellung mussten wir für eine Trauerfeier in der Kirche die Kunstwerke verhängen, weil die Familie sich an den Bildern störte“, ergänzt Kunze.

Der gebürtige Hesse war von 1987-1991 Pastor in Bad Hersfeld und machte von 1982-1985 Vikariat in Bruchköbel bei Hanau. Während dieser Zeit ging er für ein Jahr nach Jerusalem, wo er an der Hebräischen Universität studierte. Nach dem Studium engagierte er sich zunächst im jüdisch-christlichen Dialog der Kirche Kurhessen-Waldeck. „Ich habe immer den Austausch mit anderen Kollegen gesucht, die sich für die gleichen Themen interessierten“, so Kunze. So war er während seiner Juister Zeit in der landesweiten Arbeit von Kirche im Tourismus, später in der Kirchenpädagogik, der Citykirchenarbeit und zuletzt in der Kulturkirchenarbeit auf Bundesebene engagiert.

Kunze hat drei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder. Im Ruhestand wird er zurück nach Juist gehen, wo er künftig leben und arbeiten wird.

Pastor Achim Kunze wird am 29. November um 14 Uhr in einer Andacht in der Kapelle im HkD mit anschließendem Empfang verabschiedet.