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„Ein stetiges stilles Sterben menschlicher Zivilisation“

Nachricht 16. Mai 2019

Die Wanderausstellung „Polessje-Elegie – Das verlorene Land“ des ostfriesischen Künstlers Hermann Buß, die von der Arbeitsgemeinschaft Hilfe für Tschernobyl-Kinder und dem Arbeitsfeld Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste (HkD) Hannover organisiert wird, startet auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Vom 23. Mai bis zum 21. Juli zeigen 34 großformatige Ölbilder im Dortmunder Industriemuseum Zeche Zollern, wie die Tschernobyl-Katastrophe das Land und die Menschen über die letzten 30 Jahre verändert hat. Schon am 22. Mai ist die Vernissage. Im Anschluss geht die Ausstellung im Herbst auf Reisen nach Weißrussland, das nach der Reaktorkatastrophe 1986 in der Ukraine am stärksten betroffen war, und 2020 zu verschiedenen Orten in Niedersachsen, unter anderem Neustadt, Hannover, Buchholz und Diepholz.

„Und dann beginnt die Sperrzone“, schreibt Hermann Buß in seinem Reisebericht aus Tschernobyl. „Die gleichen Dörfer wie auf dem Weg zum Rand der Zone – nur ab hier 30 Jahre menschenlos. So wenig gewaltsam diese Architektur der Häuser sich in ihre Umgebung eingefügt hat, so zieht sie sich auch in sie wieder zurück. Die Rückeroberung durch die Natur scheint sich merkwürdig friedlich zu vollziehen. Ein stetiges stilles Sterben menschlicher Zivilisation.“

Auflösung der Synthese zwischen Mensch und Natur

Statt der üblichen Tschernobyl-Ikonografie wählt Hermann Buß einen persönlichen Zugang für seine Bilder. „Mein Thema ist die Auflösung der einst so gelungenen maßvollen Synthese zwischen Mensch, Architektur und Natur. Die Würde all dessen und deren Verlust auf ewige Zeit. Keine Anklage-, sondern Klagebilder über etwas, was unbeschreiblich ist, und von dem man sich ‚gar kein Bild‘ machen kann.“

„Die Bilder von Hermann Buß bringen uns einen vergessenen europäischen Nachbarn näher und machen neugierig auf neue Begegnungen“, sagt Lars-Torsten Nolte, Referent für die Kinderhilfe Tschernobyl im HkD Hannover. Seit 1994 sorgt er in der Arbeitsgemeinschaft Hilfe für Tschernobyl-Kinder mit dafür, dass Kinder aus dem von der radioaktiven Verstrahlung besonders belastetem Gebiet Gomel im Südosten Weißrusslands die „not-wendende“ Hilfe bekommen. Die sich Jahr für Jahr verstärkenden negativen gesundheitlichen Folgen der Reaktorkatastrophe und die anhaltenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Weißrussland machen diese Hilfe weiterhin dringend erforderlich.

Vernissage und Künstlergespräche in Dortmund

Zur Vernissage am Mittwoch, 22. Mai um 18 Uhr lädt das LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in die Schachthalle ein. Zum Werk des Künstlers sprechen die Leiterin des Museums Dr. Anne Kugler-Mühlhofer, der westfälische Präses a. D. Dr. Alfred Buß, die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages Prof. Dr. Julia Helmke und Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer aus Hannover. Der Künstler Hermann Buß führt durch die Ausstellung und berichtet von seinen Reiseerfahrungen in der Sperrzone von Tschernobyl.

Hermann Buß führt im Rahmen des Kirchentages weitere öffentliche Künstlergespräche von Donnerstag, 20. bis Samstag, 22. Juni, jeweils um 13 Uhr in der Schachthalle der Zeche Zollern.

Am Samstag, 22. Juni finden zudem Gesprächsrunden mit Experten und Zeitzeugen aus Weißrussland im Magazin der Zeche Zollern statt. „Leben mit der Katastrophe – Tschernobyl“ ist das Thema um 11 Uhr, um „Versöhnen und Erinnern – Neuanfang nach Krieg und Reaktorkatastrophe“ geht es um 15 Uhr. Es diskutieren die Direktorin des humanitären Fonds Gesundheit Darya Balotnikava aus Gomel, der Historiker Dr. Aliaksandr Dalhouski von der Geschichtswerkstatt Leonid Lewin aus Minsk, Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerkes aus Dortmund und Künstler Hermann Buß aus Leer. Die Moderation übernehmen Achim Kunze, Referent für Kunst und Kultur und Lars-Torsten Nolte, Geschäftsführer Arbeitsgemeinschaft Hilfe für Tschernobyl-Kinder im HkD Hannover.

Die Wanderausstellung ist vom 23. Mai bis zum 21. Juli dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr in der Zeche Zollern, Grubenweg 5,
in Dortmund zu sehen und ab 2020 in der Hannoverschen Landeskirche für Gemeinden und Kirchenkreise unter bestimmten Bedingungen ausleihbar.