Foto: HkD

Ausstellung „Das verlorene Land“ eröffnet

Nachricht 25. Mai 2019

Einsam, verlassen und fast immer menschenleer: 34 großformatige Ölbilder des Künstlers Hermann Buß aus Leer zeigen die Sperrzone von Tschernobyl im Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Zeche Zollern in Dortmund und erinnern an die bis heute nachwirkenden Folgen der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im Jahr 1986. Die Wanderausstellung „Polessje-Elegie – Das verlorene Land“ wurde am Mittwoch, 22. Mai, im Rahmen des regionalen Kulturprogramms des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dortmund im Beisein des Künstlers eröffnet.

Dr. Anke Kugler-Mühlhofer, Leiterin des LWL-Industriemuseums Zeche Zollern, hatte etwa 60 Gäste zur Ausstellungseröffnung begrüßt. Das Industriemuseum mit seinem sozialhistorischen Ansatz schaffe eine interessante Verbindung zum Inhalt der Ausstellung: Auch das Museum erzähle die Geschichte von Menschen, die nie im Licht der Öffentlichkeit standen. Und auch auf dem Gelände der 1966 stillgelegten Zeche versuche sich die Natur Gebiete zurück zu erobern.

In vielen Grautönen zeigt Hermann Buß das verlassene Sperrgebiet, verfallende Häuser, einen alten Friedhof mit einem neuen Grab. „Hermann Buß‘ Bilder zeigen, was ist und eröffnen gerade dadurch einen Raum, für das was war, was werden kann, was sich verändern könnte“, beschrieb Prof. Dr. Julia Helmke, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, die fotografisch genauen Kunstwerke, die die Betrachter mit Fragen konfrontieren. „Diese Gemälde lassen innere Bilder im Betrachter entstehen“, sagte der westfälische Präses a.D. Alfred Buß über die Werke des ebenfalls aus Ostfriesland stammenden Künstlers, dessen Schaffen Alfred Buß erstmals vor acht Jahren kennengelernt hatte. „Die Ausstellung thematisiert den Verfügungswahn des Menschen, der zur Folge hat, dass die Welt unverfügbar wird.“

Gespräche über Versöhnung und das Leben mit der Katastrophe

Dabei lassen die Werke des 1951 geborenen Künstlers Hermann Buß Interpretationen offen, laden zum eigenen Erfassen der Ereignisse und ihrer Folgen ein. Erst 2017 und 2018 hatte sich der Künstler zum ersten Mal intensiver mit dem EU-Nachbarland und seiner Geschichte beschäftigt. „Ich war plötzlich gefesselt von dieser Landschaft“, erzählte er im Künstlergespräch, das Ralf Tyra, Leiter des Hauses kirchlicher Dienste (HkD) Hannover, moderierte. So habe er selbst erst spät und durch die Begegnungen ermessen können, was Tschernobyl für die Betroffenen bedeutet – und auch, wie sehr die Belarussen im Zweiten Weltkrieg unter den Deutschen gelitten hatten, so Buß.

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers, die die Wanderausstellung initiiert hat, möchte den Blick auch auf die Versöhnungsarbeit lenken, die sich infolge der Reaktorkatastrophe ab 1991 entwickelt hat. „Seit vielen Jahren empfangen Initiativen in Deutschland mit großem ehrenamtlichen Engagement Kinder aus Tschernobyl für Erholungsaufenthalte“, rief Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer dem Publikum in Erinnerung. „Dass Eltern aus Belarus uns ihre Kinder anvertrauen, ist eine wunderbare Entwicklung, die uns beschenkt“, sagte er. „Versöhnung kann nur entstehen, wenn Menschen sich austauschen.“

Eine weitere Gelegenheit zu einer persönlichen Begegnung mit dem Künstler gibt es im Rahmen des Evangelischen Kirchentags in Dortmund: Von Donnerstag, 20. Juni, bis Samstag, 22. Juni, steht Hermann Buß jeweils von 13 bis 14 Uhr für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Für Samstag, 22. Juni, sind von 11 bis 12.30 Uhr sowie von 15 bis 16.30 Uhr Gesprächsrunden zum Thema „Leben mit der Katastrophe“ mit Zeitzeugen und Experten geplant. Als Gesprächspartner werden Darya Balotnikova aus Gomel (Belarus), Hermann Buß aus Leer, Dr. Aliaksandr Dalhouski, stellvertretender Leiter der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ aus Minsk und Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin der IBB gGmbH Dortmund erwartet.

Text: Mechthild vom Büchel / HkD