Foto: HkD

Kirche als Kulturträger im ländlichen Raum

Nachricht 29. März 2019

Kirche als Kulturträger im ländlichen Raum

Unter dem Motto „Kultur-Tourismus-Kirche“ stand das Jahrestreffen des Arbeitsbereichs  Kirche im Tourismus in der Heide-Region kürzlich in Bispingen. Dabei ging es vor allem um das Zusammenspiel der Akteure im ländlichen Raum. „Wir wollen die Fäden in unserem Netzwerk noch dichter spinnen“, sagte Marion Römer, scheidende Referentin für Kirche und Tourismus in der Region.

„Was ist eigentlich Kulturtourismus?“, fragte Babette Suhr von der Lüneburger Heide GmbH in ihrem Vortrag. Ihre Antwort: „Kulturtouristen wollen ihr Wissen anreichern.“ Dabei gebe es unterschiedliche Typen von Kulturtouristen. So sei etwa der „anspruchsvolle Kulturliebhaber“ unter anderem politisch interessiert und sozial engagiert, er freue sich an Ästhetik und frage auch nach Outdoor-Aktivitäten.

Die Besucherzahlen der Lüneburger Heide hätten in den letzten zehn Jahren um rund eine Million zugenommen, sagte Babette Suhr. Die Interessen der Gäste ließen sich mit den Stichworten „Vital, Natur, Erlebnis und Stadt“ charakterisieren. Die Leiterin Partnermanagement der Lüneburger Heide GmbH sah in der Entwicklung ein „hohes Potential für den ländlichen Raum“, warb für eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten und nannte ein Beispiel: So plane sie für die Homepage www.lueneburger-heide.de derzeit kurze Filmsequenzen, in denen die Äbtissinnen die Besonderheiten ihrer jeweiligen Klöster erklären. Auch verweise die Lüneburger Heide GmbH selbstverständlich auf kirchliche Angebote wie Pilgerwege und Radwegekirchen.

Einen Einblick in das kulturelle Angebot des Klosters Medingen gab Dr. Kristin Püttmann. Die vom Kloster im Sommerhalbjahr veranstalteten Konzerte zögen vor allem Menschen aus der Region an, berichtete die Äbtissin. Zu Beginn des Jahres spielten regelmäßig junge Pianisten im Kloster, außer täglichen Führungen gehörten auch Ausstellungen zum Angebot.

Vom Profil einer „signifikanten Kulturkirche“ berichtete Pastor Jürgen Stahlhut aus Buchholz in der Nordheide. Entsprechend ihrem Leitbild „den Glauben leben: fröhlich, offen und entschieden“ lade die St. Johannis-Kirchengemeinde zu 40 bis 50 kulturellen Veranstaltungen jährlich ein. Der regelmäßige Termin sonntags um 17 Uhr korrespondiere mit dem Gottesdienst um 10 Uhr, kulturelle Themen würden mit Aussagen des christlichen Glaubens in Beziehung gesetzt. Zum Angebot gehörten prominente Gruppen wie die „Prinzen“ oder die „Wise Guys“, aber auch Künstler aus der Region. In Zusammenarbeit mit Buchhandlungen würden Lesungen organisiert, Ausstellungen verdankten sich der Kooperation mit nichtkirchlichen Kulturträgern wie dem örtlichen Kunstverein, nannte Stahlhut weitere Beispiele.

Im Rahmen einer Andacht in der Bispinger „Ole Kerk“ wurde Marion Römer schließlich von Landessuperintendent Dieter Rathing entpflichtet. Nach zehn Jahren als Tourismus-Pastorin der Heide-Region und Verantwortliche für das landeskirchliche Programm „Offene Kirche“ wird sich Marion Römer einer Aufgabe widmen, die sie bislang nur nebenher wahrgenommen hat: der geistlichen Begleitung der 15 belebten evangelischen Klöster im Bereich der Klosterkammer Hannover. Der Leitende Referent im Haus kirchlicher Dienste, Klaus Stemmann (Hannover), dankte der scheidenden Mitarbeiterin für ihr „feines Gespür, schnodderiges Mundwerk und theologisch klare Positionen“.

Text: Hartmut Merten / Öffentlichkeitsrabeit Sprengel Lüneburg